Gastro-Welt erschüttert

Schwere Vorwürfe gegen das beste Restaurant der Welt

Das dänische Kultlokal Noma gilt als das beste Restaurant der Welt. Jetzt sorgen schwere Anschuldigungen von früheren Mitarbeitenden für Aufregung.
Heute Life
24.02.2026, 07:15
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Das 3-Michelin-Sterne-Restaurant Noma in Kopenhagen ist seit Jahren bekannt für seine innovative Küche – und für harte Arbeitsbedingungen. Immer wieder gibt es Kritik an steilen Hierarchien und unbezahlten Praktika. Im Februar 2026 kochte die Debatte rund um das 2003 von Küchenchef René Redzepi und Claus Meyer gegründete Restaurant jedoch endgültig hoch: Mehrere ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machten auf Social Media schwere Vorwürfe öffentlich. Wie "20 Minuten" berichtet, steht vor allem Mitgründer und Küchenchef René Redzepi im Zentrum der Kritik.

Social-Media-Skandal durch Ex-Mitarbeiter ausgelöst

Den Stein ins Rollen brachte Jason Ignacio White, der von 2017 bis 2022 das Fermentationslabor im Noma leitete. Auf Instagram schilderte er unter dem Hashtag #NomaAbuse seine eigenen Erfahrungen und veröffentlichte anonyme Berichte anderer ehemaliger Teammitglieder.

Welche Vorwürfe gibt es?

Auf der Website noma-abuse.com kommen 38 anonyme Personen zu Wort. Die Palette der Vorwürfe reicht von Einschüchterungen und Demütigungen über körperliche Gewalt bis zu medizinischer Vernachlässigung und sexuellen Übergriffen. White spricht von einer "Kultur der Angst" und erheblichem psychischem Druck. Mehrere Betroffene werfen Redzepi sogar körperliche Übergriffe vor.

Einige Kommentare, die auf der Website veröffentlicht wurden:

„Ich wurde während des Dienstes ins Gesicht geschlagen.“
Anonym
„Noma hat mich auf so viele Arten gebrochen. Von dem Mobbing bis hin zu Renés Faustschlag in die Rippen.“
Praktikant/in
„"K. war mein Manager. (...) Wir waren alle draussen, er bat mich, mit ihm ins Badezimmer zu gehen. Während er Drogen konsumierte, fragte er mich, einen Dreier mit ihm und seiner Frau zu haben.“
Praktikant/in

19-jährige Praktikantin mit Verbrennungen im Gesicht

Auch fehlende Hilfe bei Unfällen wird kritisiert. Unter einem offiziellen Noma-Posting auf Social Media schrieb White: "Erinnerst du dich an das eine Mal, als sich eine 19-jährige Praktikantin das Gesicht verbrannt hat und die anderen Mitarbeiter gelacht haben, bis ich sie gezwungen habe, einen Krankenwagen zu rufen?"

Laut den anonymen Betroffenen habe die Personalabteilung nichts unternommen. "Wenn du dich beschwerst, sorgen sie dafür, dass dein Name auf der Blacklist steht und dich niemand mehr anstellt", so der Vorwurf eines Praktikanten.

Kritik an Noma gibt es schon lange

Die Vorwürfe sind nicht neu: Schon 2008 zeigte eine dänische Doku den rauen Ton in der Küche. 2015 schrieb Redzepi selbst, dass er früher aggressiv gewesen sei. "Ich war ein Mobber, ich habe Menschen angeschrien und geschubst", gab er damals zu. Er versprach Besserung.

Auch unbezahlte Praktika waren lange Zeit üblich. Über Jahre arbeiteten im Noma viele sogenannte "Stagiaires" ohne Lohn. Erst 2022 begann das Restaurant, Praktikanten zu bezahlen. Die Debatte über Ausbeutung in der Spitzengastronomie bekam dadurch neuen Aufwind.

Nicht alle sehen nur das Schlechte

Doch es gibt auch andere Stimmen. Mehrere ehemalige Mitarbeitende, darunter Konditorinnen und Küchenchefs, berichten von guten Erfahrungen und spannenden Lernmöglichkeiten, wie die italienische Zeitung "La Repubblica" schreibt.

Die Konditorin Martina Peluso erzählt von einem inspirierenden Umfeld und Menschen aus aller Welt. "Wir erhielten spezielle Schulungen zur Inklusion, und sogar eine Psychologin arbeitete mit dem Team – das hatte ich in einem Restaurant noch nie erlebt", sagt sie zu "La Repubblica". Auch Stefano Ferraro, heute Betreiber des Lost Café in Mailand, ist enttäuscht von Whites Aktion. "Es war die Erfahrung, die mein Leben verändert hat, und ich werde Noma immer dankbar sein", sagt er.

Gastronomie in Aufruhr

Der Social-Media-Skandal sorgt weltweit für Diskussionen in der Gastroszene. Auf Plattformen wie Instagram, X oder Reddit sehen viele die Vorwürfe als Zeichen für ein größeres Problem in der Branche und berichten von eigenen Erlebnissen. Auch Aktivisten melden sich zu Wort und kritisieren den enormen Leistungsdruck, die langen Arbeitszeiten und die harten Hierarchien in der Spitzengastronomie. Selbst Memes zum Skandal gehen viral.

Bislang sind die Vorwürfe weder belegt noch juristisch geprüft. Sie stammen von anonymen Quellen und es gibt keine offiziellen Untersuchungsergebnisse. Auch vom Noma selbst gibt es bisher keine Stellungnahme.

Für die Eröffnung des Noma LA, die vom 11. März bis 26. Juni in Los Angeles stattfinden soll, hat White bereits Protest angekündigt.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.02.2026, 07:15
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