Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist zu seinem zweitägigen Antrittsbesuch in China eingetroffen. In der Großen Halle des Volkes wurde er am Mittwochvormittag (Ortszeit) von Ministerpräsident Li Qiang empfangen.
Zum Auftakt der Gespräche unterstrich Merz die wirtschaftlichen Chancen beider Länder. Er sehe "ein großes Potenzial für Wachstum" in Deutschland und China. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass beide Seiten "offen miteinander sprechen".
Aus Sicht der Bundesregierung stehen bei dem Besuch vor allem wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt. Dabei geht es um die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von chinesischen Rohstoffen und seltenen Erden sowie um faire Wettbewerbsbedingungen auf dem chinesischen Markt. Merz wird von einer rund 30-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet.
Auch internationale Themen dürften bei den politischen Gesprächen eine Rolle spielen, darunter die Zollpolitik der USA, der Krieg in der Ukraine und weitere globale Konflikte.
"Wir tragen gemeinsam Verantwortung in der Welt und dieser Verantwortung sollten wir auch gemeinsam gerecht werden", sagte Merz. Deutschland habe im wirtschaftlichen Bereich "sehr konkrete Anliegen, die unsere Zusammenarbeit betreffen und die wir verbessern und fair gestalten wollen".
Der Kanzler kündigte zudem weitere Treffen auf Regierungsebene an: "Wir werden einen intensiven Dialog im Verlauf des Jahres haben, auch auf der Ebene verschiedene Fachminister."
Merz betonte abschließend, dass Deutschland viele Entscheidungen nur im Rahmen der Europäischen Union treffen könne. "Zum Beispiel alle währungspolitischen Fragen, alle handelspolitischen Fragen können wir und wollen wir auch nur gemeinsamen vertreten", erklärte er.
Die chinesische Regierung hatte vor dem Besuch eine engere Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. Eine Sprecherin des Außenministeriums sprach davon, "das gegenseitige Verständnis und Vertrauen zu stärken" und "die praktische Zusammenarbeit zu vertiefen". China und Deutschland seien "umfassende strategische Partner in einer Win-Win-Kooperation".
Am späten Nachmittag steht ein Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping im Staatsgästehaus der Regierung auf dem Programm, gefolgt von einem gemeinsamen Abendessen. Anschließend will sich Merz vor der Presse äußern.
Für Donnerstag ist zunächst ein Besuch der Verbotenen Stadt in Peking geplant. Danach nimmt der Kanzler an der Präsentation autonom fahrender Fahrzeuge des deutschen Autobauers Mercedes teil.
Im Anschluss reist Merz weiter in die Technologie-Metropole Hangzhou. Dort trifft er unter anderem den Parteisekretär der Provinz Zhejiang, Wang Hao. Geplant sind zudem Unternehmensbesuche beim Roboter-Hersteller Unitree sowie in einer Produktionsstätte von Siemens Energy für Hochspannungsleistungs- und Schutzschalter.