Geht vielen auf den Zeiger

Sommerzeit ganz abschaffen? Was dagegen spricht

Die Zeitumstellung nervt viele: weniger Schlaf im Frühling, dunkle Abende im Herbst. Doch eine Abschaffung hätte überraschend große Nachteile.
Team Wirtschaft
22.03.2026, 22:54
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Die Zeitumstellung sorgt jedes Jahr für Diskussionen – und das aus gutem Grund. Im Frühjahr verlieren wir eine Stunde Schlaf und starten wieder im Dunkeln in den Tag, im Herbst wird es abends früher finster.

Da liegt die Frage nahe: Warum schafft man die Umstellung nicht einfach ab?

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Ohne Zeitumstellung müsste man sich entscheiden: dauerhaft Sommerzeit oder Winterzeit. Beide Varianten bringen jedoch Probleme mit sich – vor allem in Europa, wo sich eine einzige Zeitzone über ein riesiges Gebiet von Spanien bis Polen erstreckt.

Ein Blick auf konkrete Beispiele zeigt das Dilemma: Würde ganzjährig Sommerzeit gelten, ginge im Westen Spaniens, etwa in La Coruña, die Sonne im Winter erst gegen 10 Uhr auf – ein extrem später Tagesbeginn. Bliebe hingegen dauerhaft Winterzeit, würde es im Sommer im Osten Europas, etwa in Warschau, bereits sehr früh hell werden, während die Abende deutlich kürzer ausfallen würden.

Ein Grundproblem liegt darin, dass Europa geografisch eigentlich in mehrere Zeitzonen aufgeteilt sein müsste. Dennoch gilt in vielen Ländern dieselbe Uhrzeit – ein Kompromiss, der durch die halbjährliche Umstellung zumindest teilweise ausgeglichen wird.

Genau hier setzt auch ein alternativer Vorschlag an: die sogenannte "Barcelona Declaration". Sie plädiert dafür, Europa in vier statt bisher drei Zeitzonen zu unterteilen, von Portugal bis Rumänien. Diese würden das ganze Jahr über gelten, ohne Zeitumstellung im März und Oktober. Sie schlägt außerdem vor, bestimmte Länder – Luxemburg, die Niederlande, Belgien, Frankreich, Spanien und Griechenland – um eine Stunde vorzuverlegen, was im Vergleich zu heute einer Verschiebung um eine Stunde im Winter und zwei Stunden im Sommer entsprechen würde.

Die Benelux-Länder hätten dann die gleiche Zeitzone wie Frankreich, aber nicht wie Österreich. Dies ist ein Nachteil für Länder mit vielen Pendlern, aber diese Situation bestand beispielsweise in den 1920er Jahren und betrifft heute Portugal und Spanien sowie die USA.

Doch auch dieser Ansatz hat Nachteile. Die Chronobiologie zeigt, dass sich unser Körper stark am Tageslicht orientiert. Zu lange Dunkelheit am Morgen kann sich negativ auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirken.

Gleichzeitig würde eine solche Regelung im Sommer extrem frühe Sonnenaufgänge bedeuten – teilweise schon gegen 3.30 Uhr. Viel Tageslicht, das im Alltag kaum genutzt wird.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten passen nicht ideal zur "natürlichen" Sonnenzeit. Arbeit, Freizeit und soziale Aktivitäten konzentrieren sich eher auf den Nachmittag und Abend. Ein komplett an der Sonne orientiertes System würde diesen Rhythmus durcheinanderbringen.

Am Ende zeigt sich: Egal, welche Lösung man wählt – sie hat immer Nachteile. Vielleicht ist der aktuelle Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit am Ende doch der praktikabelste Kompromiss.

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