Der Spritpreis-Schock ist zurück. Nach der neuerlichen Eskalation im Nahen Osten ist der Preis für Diesel in Österreich erstmals seit Anfang Mai wieder teils deutlich über die Marke von zwei Euro pro Liter geklettert. Gleichzeitig verteuert sich auch Superbenzin spürbar. Nun werden die Rufe nach einer Ausweitung der Spritpreisbremse immer lauter.
Auslöser der jüngsten Preiswelle sind die Angriffe im Nahen Osten. Nach Attacken auf saudische Öltanker im Roten Meer sprang der Preis für die Nordsee-Referenzsorte Brent am Donnerstagnachmittag auf mehr als 100 US-Dollar je Barrel (159 Liter).
Wie Daten der E-Control zeigen, lag der österreichweite Durchschnittspreis für Diesel am Mittwoch (aktuellster offizieller Wert) bei 2,009 Euro pro Liter – und ging am Donnerstag weiter in die Höhe. Damit kostet Diesel erstmals seit dem 6. Mai wieder mehr als zwei Euro.
Auch Superbenzin verteuerte sich deutlich. Nach einem mittleren Preis von 1,878 Euro pro Liter am Mittwoch wurden am Donnerstag an vielen Zapfsäulen bereits 1,90 Euro und darüber fällig.
Vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar waren die Preise noch deutlich niedriger. Damals, also am 27. Februar, kostete Diesel im Median 1,57 Euro, Superbenzin 1,52 Euro pro Liter.
Der bisherige Höhepunkt der Preisrallye war am 30. März erreicht. Diesel kostete damals laut Statistik im Mittel 2,245 Euro, für Superbenzin mussten Autofahrer 1,910 Euro blechen. Mit der jüngsten Eskalation nähern sich die Spritpreise diesen Höchstständen nun wieder an.
Mit den steigenden Preisen gewinnt auch die Diskussion über neue Entlastungsmaßnahmen an Fahrt. Dem Vernehmen nach laufen innerhalb der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS bereits erste Gespräche über die künftige Ausgestaltung der Spritpreisbremse.
Die ursprünglich im April eingeführte Entlastung von 10 Cent pro Liter – bestehend aus einer Senkung der Mineralölsteuer und einer Margenbegrenzung – wurde in den vergangenen Monaten schrittweise reduziert. Für Juli beträgt die Steuerentlastung nur noch 0,8 Cent pro Liter. Ende des Monats muss die Regierung über die weitere Vorgangsweise entscheiden.
Der Österreichische Gewerkschaftsbund fordert angesichts der jüngsten Preisexplosion eine neuerliche Verschärfung der Maßnahmen. Die stark gestiegenen Spritpreise würden Arbeitnehmer, Pendler und Familien massiv belasten. Wer nicht auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen könne, brauche jetzt dringend eine Entlastung, so ÖGB-Expertin Angela Pfister.
Der ÖGB verlangt unter anderem eine wirksame Margenregelung für Diesel und Heizöl, mehr Transparenz bei der Preisbildung sowie die rasche Veröffentlichung der angekündigten Untersuchung zu den Treibstoffpreisen. Auch die FPÖ drängt auf weitere Entlastungen und fordert eine Halbierung der Mineralölsteuer sowie die Abschaffung der CO₂-Steuer.