Österreich könnte beim Ausbau großer Stromspeicher vor einem Investitionsschub stehen. Private Geldgeber wollen nach Angaben der Branche rund fünf Milliarden Euro in Großbatterien investieren. Doch ausgerechnet bei den Regeln für die Projekte herrscht Streit.
Der Knackpunkt sind die Netzentgelte. Batteriespeicher zahlen derzeit, wenn sie Strom aus dem Netz aufnehmen – und noch einmal, wenn sie den gespeicherten Strom wieder abgeben. Betreiber sehen darin eine Doppelbelastung, die viele Projekte wirtschaftlich schwer macht.
Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz wurde der Weg für industrielle Großbatterien grundsätzlich bereitet. Fünf Gigawatt an Speichern sollen entstehen. Die Branche pocht darauf, dass Speicher von bestimmten Netzentgelten befreit werden, wie es auch in Deutschland und anderen EU-Ländern üblich sei. Laut "Kleine Zeitung" knüpft die E-Control die geplante Befreiung aber an schwer erreichbare Kriterien.
Der Regulator argumentiert vorsichtig: Wenn Speicherbetreiber über viele Jahre keine Netzentgelte zahlen, könnten Konsumenten stärker belastet werden. "Alles Unsinn", sagt Urban Windelen, Präsident des deutschen Bundesverbandes Energiespeicher Systeme. "Der Zubau von Speichern ist schlechtestenfalls kostenneutral."
Die Branche hält dagegen, dass Speicher die Gesamtkosten senken, weil sie Netze entlasten und Strom in Zeiten hoher Erzeugung aufnehmen können.
Christoph Schmidt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher Österreich, schlägt deshalb einen Kompromiss vor. Statt einer Befreiung für 20 Jahre soll sie nur zwölf Jahre gelten. Voraussetzung wäre, dass sich Speicher etwa mit Windkraftanlagen einen Anschluss teilen und nach Bedarf der Netzbetreiber gesteuert werden können.
Der Ton in der Branche ist inzwischen deutlich. Schmidt kritisiert, dass Österreich seit Monaten darüber diskutiere, ob private Investoren mit einem Projekt Geld verdienen dürfen, das zugleich die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen könne. Dann fällt der Satz, der die Stimmung zusammenfasst: "Wir stehen uns dauernd selbst im Weg."
Auch Unternehmerin Cornelia Daniel sieht ungenutztes Potenzial. "In Österreich liegen Milliarden an Investitionen brach", sagt sie. Mit ihrer Initiative "Tausendundein Speicher" setzt sie auf Betriebe, die bereits Solarstrom erzeugen und diesen mit Batterien besser nutzen wollen.
Doch die kleineren Lösungen reichen aus Sicht der Speicherbranche nicht aus. Sie können einzelne Betriebe optimieren, lösen aber nicht das Problem des gesamten Stromsystems. Für ein erneuerbares Energiesystem brauche Österreich auch große Speicher – und dafür rasch klare Regeln.