Wie grausam ist es eigentlich, einen Hummer lebendig ins kochende Wasser zu werfen? In Österreich, der Schweiz, Neuseeland und Norwegen ist das bereits verboten und in Deutschland gibt es die Vorschrift, dass das Wasser entweder sprudelnd kochen oder das Tier vorher elektrisch betäubt werden muss.
Obwohl Wissenschaftler fest davon überzeugt sind, dass der Hummer durch sein komplexes Nervensystem Schmerz empfindet, sehen andere dies noch immer skeptisch.
Jetzt gibt es aber dazu auch eine neue Studie, veröffentlicht in "Science Advances" von Biologen rund um Lynne Sneddon von der Universität Gothenburg in Schweden. Dort wurden Kaiserhummer (Nephrops norvegicus) genau erforscht und es wurde herausgefunden, dass zumindest zwei Wirkstoffe gegen Schmerzen dem Hummer eine ähnliche Wirkung zeigen, wie beim Mensch - das Lokalanästhetikum Lidocain und das Antirheumatikum Acetylsalicylsäure (Aspirin).
Wie sind die Forscher darauf gekommen? Sie haben ein Verhalten gesucht, das zeigt, ob der Hummer auf einen schmerzhaften Reiz reagiert, und haben konkret den Tieren leichte Stromschläge versetzt. Die Hummer haben darauf mit einer typischen Schwanzbewegung, dem sogenannten "tail flip", reagiert, um dem Reiz zu entkommen. Diese Reaktion wurde deutlich schwächer, wenn die Tiere vorher entweder Lidocain ins Wasser bekamen oder ihnen Aspirin gespritzt wurde.
Die Forscher schließen daraus, dass diese Mittel beim Hummer schmerzstillend wirken. Das ist auch biochemisch nachvollziehbar: Die Wirkweise von beiden Substanzen kann auch bei Krebstieren funktionieren. Ihre Nervenzellen arbeiten ähnlich wie unsere – sie werden durch Natriumkanäle aktiviert, und Lidocain blockiert genau diese Kanäle. Aspirin wiederum hemmt das Enzym Cyclooxygenase (COX), das für die Bildung bestimmter Hormone (Prostaglandine) zuständig ist, die Entzündungen auslösen. COX-Enzyme und Prostaglandine gibt es auch bei Krebstieren.
„Wir haben auch in der Nahrungsmittelindustrie eine ethische Verantwortung im Umgang mit Krebstieren.“Lynne SneddonBiologin
Ob der Hummer wirklich Schmerzen empfindet, kann trotzdem niemand mit Sicherheit sagen. Wer Tiere grundsätzlich für Maschinen ohne Bewusstsein hält, wird auch durch diese Studie nicht überzeugt werden.