Als Square Enix Anfang 2024 "Final Fantasy VII Rebirth" veröffentlichte, galt das Spiel als eines der technisch und spielerisch ambitioniertesten Rollenspiele der aktuellen Konsolengeneration. Die Fortsetzung von "Final Fantasy VII Remake" setzte die Neuinterpretation des legendären PlayStation-Klassikers fort und beeindruckte damals mit einer riesigen offenen Spielwelt, aufwendigen Zwischensequenzen und einem Kampfsystem, das Action und klassische Rollenspielelemente miteinander verband. Dass ein Titel dieser Größenordnung nur wenige Jahre später auf einer Nintendo-Konsole erscheinen würde, schien lange Zeit kaum vorstellbar. Mit der Nintendo Switch 2 hat sich die Ausgangslage aber deutlich verändert.
Die neue Hardware bietet mehr Leistung als die ursprüngliche Switch und eröffnet Entwicklern Möglichkeiten, die zuvor unerreichbar waren. "Final Fantasy VII Rebirth" zählt deshalb zu jenen Spielen, die besonders genau beobachtet werden. Kann ein technisch anspruchsvolles Rollenspiel dieser Größe auf einer mobilen Konsole wirklich überzeugen? Die Antwort fällt nach vielen Spielstunden überraschend klar aus. Die Handlung setzt direkt nach den Ereignissen von "Final Fantasy VII Remake" ein. Cloud Strife, Tifa Lockhart, Aerith Gainsborough, Barret Wallace und ihre Begleiter verlassen die Metropole Midgar und betreten die weite Welt außerhalb der Stadtgrenzen. Dieser Schritt verdeutlicht den größten Unterschied zum Vorgänger.
Während sich "Remake" über weite Strecken auf vergleichsweise lineare Gebiete konzentrierte, öffnet "Rebirth" die Spielwelt deutlich stärker. Große Regionen laden zum Erkunden ein, Nebenaufgaben warten an vielen Orten und immer wieder locken neue Entdeckungen abseits der Hauptgeschichte. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Erzählung an Bedeutung verliert. Im Gegenteil. Die Geschichte bleibt der zentrale Motor des Spiels und führt die bekannten Figuren konsequent weiter. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, wird allerdings schnell merken, dass "Rebirth" keine eigenständige Geschichte erzählen möchte. Zahlreiche Ereignisse, Beziehungen und Konflikte bauen direkt auf den Geschehnissen von "Remake" auf.
Neueinsteiger erhalten zwar Zusammenfassungen, doch viele emotionale Momente entfalten ihre Wirkung erst mit Vorwissen. Beeindruckend bleibt die Inszenierung. Cloud wirkt weiterhin als verschlossener Einzelgänger, während Tifa und Aerith ihm Halt geben. Barret bringt emotionale Tiefe und Humor ein. Auch Nebenfiguren erhalten mehr Raum als im Original von 1997. Dadurch entsteht eine Gruppendynamik, die das Abenteuer über viele Dutzend Stunden trägt. Schnell wird deutlich, wie gewaltig der Umfang von "Rebirth" ausfällt. Die Regionen unterscheiden sich stark voneinander und bieten zahlreiche Beschäftigungen. Neben der Hauptgeschichte warten Aufträge, optionale Kämpfe, Sammelaufgaben und Story-Missionen.
Hinzu kommen Minispiele, die mittlerweile fast schon ein Markenzeichen von "Rebirth" sind. Manche davon sind nur kurze Ablenkungen, andere entwickeln sich zu erstaunlich umfangreichen Beschäftigungen mit eigenen Belohnungen und Fortschrittssystemen. Nicht jede dieser Aktivitäten erreicht das gleiche Qualitätsniveau. Einige Aufgaben wirken etwas gestreckt und können den Spielfluss bremsen. Gleichzeitig sorgen gerade diese Inhalte dafür, dass sich die Welt lebendig anfühlt. Statt lediglich von einer Hauptmission zur nächsten zu laufen, entsteht das Gefühl einer echten Reise durch unterschiedliche Regionen. Wer sich ausschließlich auf die Hauptgeschichte konzentriert, kann bereits viele Stunden investieren.
Wer hingegen sämtliche Inhalte sehen möchte, verbringt problemlos ein Vielfaches dieser Zeit in der Spielwelt. Bereits "Final Fantasy VII Remake" überzeugte mit einem Kampfsystem, das klassische Rollenspielmechaniken mit direkter Action verband. "Rebirth" entwickelt dieses Konzept konsequent weiter. Kämpfe laufen in Echtzeit ab. Gleichzeitig sammeln die Figuren während der Gefechte Aktionspunkte, die für besondere Fähigkeiten, Zauber oder Heilungen benötigt werden. Dadurch entsteht ein ständiger Wechsel zwischen schnellen Aktionen und taktischen Entscheidungen. Besonders gelungen sind die Synergie-Fähigkeiten. Dabei arbeiten Gruppenmitglieder zusammen und lösen starke Angriffe oder Unterstützungsaktionen aus.
Jede Figur spielt sich zudem spürbar anders. Cloud kämpft flexibel zwischen Offensive und Verteidigung. Tifa setzt auf Geschwindigkeit, Barret auf Distanzangriffe, während andere Charaktere wiederum eigene Schwerpunkte besitzen. Dadurch bleibt das Kampfsystem auch nach vielen Stunden abwechslungsreich. Vor allem Bosskämpfe zeigen die Qualitäten des Systems. Hier reicht wildes Knöpfedrücken nicht aus. Stattdessen müssen Angriffsmuster analysiert, Schwächen ausgenutzt und Fähigkeiten sinnvoll kombiniert werden. Die Gefechte wirken dadurch spektakulär, ohne ihre strategische Komponente zu verlieren. Der wohl spannendste Aspekt der Switch-2-Version ist jedoch die Technik.
Schließlich zählt "Rebirth" zu den aufwendigsten Produktionen von Square Enix der vergangenen Jahre. Bereits nach den ersten Minuten wird klar, dass die Entwickler große Teile der visuellen Qualität erhalten konnten. Charaktermodelle wirken detailliert, Zwischensequenzen bleiben eindrucksvoll und die riesigen Landschaften verlieren nur wenig von ihrer Atmosphäre. Allerdings sind die technischen Unterschiede zur PlayStation-5-Version sichtbar. Besonders bei der Bildschärfe müssen Spieler Abstriche akzeptieren. Mehrere Tests berichten von einer sichtbar weicheren Darstellung, insbesondere im mobilen Betrieb. Manche Bereiche wirken leicht verschwommen, wodurch feine Details weniger deutlich hervortreten.
Dennoch bleibt bemerkenswert, wie stabil das Gesamtbild über weite Strecken wirkt. Angesichts der Größe der Spielwelt und der Vielzahl an Effekten gelingt es der Switch 2, das Abenteuer überraschend souverän darzustellen. Ladezeiten fallen kurz aus und auch größere Gebiete lassen sich ohne gravierende technische Probleme erkunden. Gerade im Handheld-Modus entsteht dadurch ein Effekt, der vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen wäre: Ein Rollenspiel dieser Größenordnung kann unterwegs gespielt werden, ohne dass das Spielerlebnis grundlegend beeinträchtigt wird. Gerade die Möglichkeit, jederzeit zwischen Fernseher und Handheld-Modus zu wechseln, verändert die Wahrnehmung deutlich.
Das Spiel wurde ursprünglich für eine stationäre High-End-Konsole entwickelt. Viele Szenen sind auf große Bildschirme und spektakuläre Präsentation ausgelegt. Dennoch funktioniert die Umsetzung auf der Switch 2 erstaunlich gut. Im Handheld-Betrieb profitieren vor allem die zahlreichen Nebenaktivitäten. Kurze Erkundungstouren, optionale Kämpfe oder einzelne Quests lassen sich bequem zwischendurch absolvieren. Dadurch entsteht ein anderer Rhythmus als auf der PlayStation 5. Das Abenteuer wird flexibler und passt sich stärker dem Alltag der Spieler an. Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine der größten Herausforderungen der Portierung. Einige Landschaften verlieren auf dem kleineren Display etwas von ihrer visuellen Wirkung.
Die riesigen Regionen, die auf einem großen Fernseher besonders imposant erscheinen, wirken unterwegs etwas kompakter. Die Atmosphäre bleibt erhalten, die technische Pracht kommt jedoch nicht immer vollständig zur Geltung. Den Entwicklern gelingt dennoch ein Kunststück: Trotz der unvermeidbaren Kompromisse bleibt "Rebirth" jederzeit als das gleiche Spiel erkennbar, das bereits auf anderen Plattformen begeistert hat. Es handelt sich nicht um eine abgespeckte Version, sondern um das vollständige Abenteuer. Wer das Original aus 1997 kennt, erinnert sich an den Moment, in dem die Gruppe erstmals die Grenzen Midgars verlässt. Damals öffnete sich plötzlich eine große Weltkarte und vermittelte ein Gefühl von Freiheit.
"Rebirth" versucht genau dieses Gefühl neu zu erschaffen – allerdings mit den technischen Möglichkeiten des Jahres 2026. Die Regionen sind deutlich größer als viele klassische Rollenspielgebiete. Graslandschaften gehen in Küstenabschnitte über, felsige Gebirge wechseln sich mit dichter Vegetation ab. Jede Gegend besitzt eigene Besonderheiten und vermittelt einen individuellen Charakter. Dabei hilft vor allem die Detailverliebtheit der Entwickler. Kleine Siedlungen wirken bewohnt, Bewohner gehen ihren Tätigkeiten nach und immer wieder stoßen Spieler auf optionale Geschichten. Nicht jede davon bleibt langfristig in Erinnerung, doch gemeinsam erzeugen sie eine glaubwürdige Spielwelt.
Anders als viele moderne Open-World-Spiele verliert sich "Rebirth" dabei selten in belanglosen Aufgaben. Zwar gibt es klassische Sammelaufgaben und bekannte Open-World-Elemente, die meisten Aktivitäten besitzen jedoch einen nachvollziehbaren Bezug zur jeweiligen Region oder ihren Bewohnern. Vor allem Fans des Originals entdecken ständig bekannte Orte in neuer Form. Zahlreiche Schauplätze wurden erheblich erweitert und detaillierter ausgestaltet als im Vorbild aus den 1990er-Jahren. Dadurch entsteht regelmäßig das Gefühl, vertraute Erinnerungen neu zu erleben. Trotz aller Freiheiten bleibt die Geschichte das Herzstück von "Rebirth". Die Entwickler investieren enormen Aufwand in Zwischensequenzen, Dialoge und Charaktere.
Viele Szenen erreichen eine emotionale Intensität, die weit über klassische Rollenspiel-Standards hinausgeht. Besonders die Beziehungen innerhalb der Gruppe profitieren. Die Figuren verbringen nicht nur Zeit miteinander, sondern entwickeln sich glaubwürdig weiter. Konflikte entstehen nicht künstlich, sondern ergeben sich aus den unterschiedlichen Persönlichkeiten und Zielen der Charaktere. Cloud steht erneut im Mittelpunkt. Seine innere Zerrissenheit begleitet große Teile der Handlung. Gleichzeitig erhalten aber auch die übrigen Gruppenmitglieder zahlreiche Momente, in denen sie ihre eigenen Geschichten erzählen dürfen. Die deutsche Lokalisierung transportiert die Handlung verständlich und sauber.
Nicht jeder erzählerische Kniff wird allen Fans gefallen. Bereits seit dem ersten Teil der "Remake"-Reihe diskutieren Spieler über die Veränderungen gegenüber dem Original. "Rebirth" setzt diesen Weg konsequent fort und überrascht mehrfach mit neuen Interpretationen bekannter Ereignisse. Ein Bereich verdient besondere Erwähnung: der Soundtrack. Schon das Original aus 1997 gilt als eines der musikalisch prägendsten Rollenspiele aller Zeiten. "Rebirth" greift zahlreiche bekannte Melodien auf und interpretiert sie neu. Die musikalische Vielfalt ist enorm. Ruhige Klavierstücke wechseln sich mit orchestralen Kompositionen ab. In Kämpfen steigt die Intensität an, während Erkundungen von stimmungsvollen Melodien begleitet werden.
So beeindruckend die Umsetzung insgesamt ausfällt, ganz ohne Einschränkungen kommt sie nicht aus. Besonders die Bildschärfe gehört zu den häufigsten Kritikpunkten. Gerade bei weit entfernten Objekten oder sehr detailreichen Umgebungen werden Unterschiede deutlich. Spieler, die "Rebirth" bereits auf PlayStation 5 erlebt haben, erkennen diese Kompromisse sofort. Hinzu kommen einzelne Situationen, in denen die technische Belastung sichtbar wird. Zwar läuft das Spiel insgesamt stabil, vereinzelt treten jedoch kleinere Einbußen bei der Darstellung auf. Diese Probleme beeinträchtigen das Spielerlebnis selten, zeigen aber die Grenzen der Hardware. Auch die grafische Brillanz des Originals wird nicht vollständig erreicht.
"Final Fantasy VII Rebirth" gehört auch auf der Nintendo Switch 2 zu den beeindruckendsten Rollenspiel-Veröffentlichungen der vergangenen Jahre. Das liegt nicht allein an der Technik, sondern vor allem an der Qualität des eigentlichen Spiels. Die Geschichte entwickelt die Ereignisse von "Final Fantasy VII Remake" konsequent weiter, die Charaktere zählen zu den stärksten Figuren des Genres und das Kampfsystem verbindet Action und Taktik auf eine Weise, die auch nach vielen Stunden motiviert. Dazu kommt eine gewaltige Spielwelt, die zum Erkunden einlädt und zahlreiche Aktivitäten bietet. Nicht jede Nebenbeschäftigung erreicht das Niveau der Hauptgeschichte, insgesamt entsteht jedoch ein Abenteuer mit enormem Umfang.
Für die Bewertung der Switch-2-Fassung ist jedoch eine andere Frage entscheidend: Bleibt "Final Fantasy VII Rebirth" trotz kleiner Einschränkungen ein außergewöhnliches Rollenspiel? Die Antwort lautet eindeutig ja. Die Umsetzung bewahrt die Qualitäten des Originals und bringt eines der größten RPG-Abenteuer der aktuellen Generation auf die Nintendo-Konsole. "Final Fantasy VII Rebirth" zeigt, wozu die Nintendo Switch 2 in der Lage ist. Die Umsetzung erreicht zwar nicht die technische Qualität der PS5-Version, bewahrt aber die Stärken des Originals. Die emotionale Geschichte, das hervorragende Kampfsystem, die riesige Spielwelt und die aufwendige Inszenierung funktionieren auch auf Nintendos neuer Konsole ausgezeichnet.