Polizei stürmt Halk TV

Türkische Regierung beschlagnahmt Oppositions-TV-Sender

Polizeieinsatz im Morgengrauen: In der Türkei wurde der oppositionsnahe Sender Halk TV unter staatliche Kontrolle gestellt. Es gab elf Festnahmen.
14.10.2026, 11:20
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Große Aufregung in der Türkei! Die Polizei hat am Mittwochfrüh die Zentrale des oppositionsnahen Fernsehsenders Halk TV in Istanbul gestürmt. Die laufende Liveübertragung wurde gestoppt, Mitarbeiter durften das Gebäude nicht mehr betreten. Gleichzeitig übernahm der türkische Staat die Kontrolle über den Sender.

Wie Halk TV selbst berichtet, wurde der staatliche Einlagensicherungsfonds TMSF als Zwangsverwalter eingesetzt. Sämtliche Sendungen sollen damit unter dessen Kontrolle stehen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Zahlreiche Polizisten durchsuchten das Gebäude, während Moderatoren, Reporter und Redakteure draußen bleiben mussten. Auch die Straße vor dem Sender wurde abgesperrt. Statt des regulären Programms lief zeitweise eine Wiederholung.

Elf Festnahmen, 17 Haftbefehle

Hinter dem Polizeieinsatz stehen Ermittlungen gegen den Halk-TV-Eigentümer Cafer Mahiroğlu. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Bestechung, Manipulation öffentlicher Ausschreibungen und Geldwäsche vor.

Laut Staatsanwaltschaft wurden gegen insgesamt 17 Verdächtige Festnahmeanordnungen erlassen. Elf Personen wurden bereits festgenommen. Unter den elf Festgenommenen sollen sich auch sieben Familienangehörige Mahiroğlus befinden.

Besonders empört zeigte sich der Unternehmer über die Festnahme seines 70-jährigen Bruders. Die Vorwürfe gegen ihn bezeichnete Mahiroğlu als haltlos. Er lebt im Ausland. Auf X wehrte sich der Unternehmer gegen die Übernahme.

Halk TV gehöre dem türkischen Volk und dürfe nicht beschlagnahmt und einem Zwangsverwalter übergeben werden, erklärte er. Sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe wies er zurück.

Chefredakteur spricht von Rechtsbruch

Besonders brisant: In einem auf X veröffentlichten Video ist Halk-TV-Chefredakteur Suat Toktas zu sehen, der mit dem eingesetzten Zwangsverwalter diskutiert. Er versuchte offenbar, ihn davon zu überzeugen, die Liveübertragung nicht zu unterbrechen.

"Was hier gerade passiert, ist gesetzwidrig", kritisierte Toktas das Vorgehen der Behörden. Seine Bemühungen blieben erfolglos. Die reguläre Übertragung wurde eingestellt.

CHP-Chef attackierte Sender kurz vor Razzia

Brisant ist auch die Vorgeschichte: Nur wenige Tage vor dem Polizeieinsatz hatte der langjährige Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu den Sender öffentlich scharf angegriffen.

In einem Fernsehinterview beim türkischen Sender KRT TV warf er Halk TV vor, rund um die Uhr falsche Nachrichten zu verbreiten. Außerdem stellte er infrage, warum Sender-Eigentümer Mahiroğlu im Ausland lebe.

Kılıçdaroğlu erklärte zudem, seine Mitstreiter hätten bereits eine Beschwerde bei der türkischen Medienaufsicht RTÜK eingebracht. Diese habe sich allerdings für nicht zuständig erklärt.

Nur wenige Tage später rückte die Polizei an. Mahiroğlu reagierte mit scharfer Kritik an Kılıçdaroğlu. Dieser habe mit seinen Aussagen bereits das Signal für das nun erfolgte Vorgehen gegeben, warf ihm der Unternehmer vor. Ein direkter Zusammenhang zwischen Kılıçdaroğlus Äußerungen und der Razzia ist allerdings nicht belegt.

Opposition spricht von Diktatur

Die Razzia löste heftige Kritik in der türkischen Opposition aus. YENI-Parteichef Özgür Özel fand auf X deutliche Worte.

"Im Morgengrauen in einen Fernsehsender einzudringen und einen Verwalter zu ernennen ist etwas, das nur Diktatoren tun würden", erklärte er. "Leider ist es genau das, was sie mit unserem Land gemacht haben."

Auch Ankaras Bürgermeister Mansur Yavaş verurteilte das Vorgehen scharf. Er verwies darauf, dass die Türkei im weltweiten Pressefreiheitsindex 2026 lediglich auf Platz 163 von 180 Ländern liege.

Halk TV gilt als der größten türkischen Oppositionspartei CHP nahestehend und berichtet regelmäßig kritisch über Präsident Recep Tayyip Erdoğan und dessen Regierungspartei AKP.

Razzia ausgerechnet an wichtigem Prozesstag

Besonders brisant ist auch der Zeitpunkt des Polizeieinsatzes. Ausgerechnet am Mittwoch sollte der inhaftierte Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, einer der wichtigsten politischen Rivalen Erdoğans, laut Opposition vor Gericht seine Verteidigung vorbringen.

Die Istanbuler Anwaltskammer bezeichnete die Razzia als Verstoß gegen grundlegende Verfassungsrechte. Die Übernahme eines Medienunternehmens und die Einstellung seines Sendebetriebs würden nicht nur den Sender selbst treffen, sondern auch das Recht der Bevölkerung auf unabhängige Information.

Auch die prokurdische DEM-Partei sprach von einem politischen Eingriff, mit dem kritische Medien zum Schweigen gebracht werden sollten.

Kritik an Umgang mit Pressefreiheit wächst

Bereits zwei Wochen zuvor hatten türkische Behörden den Zugang zur unabhängigen Nachrichtenwebsite T24 gesperrt. Begründet wurde der Schritt mit angeblicher "LGBTQ-Propaganda".

Ob die Ermittlungen gegen Halk TV politisch motiviert sind, ist nicht geklärt. Die türkische Opposition sieht in der staatlichen Übernahme jedenfalls einen weiteren schweren Angriff auf die Pressefreiheit.

Für die Mitarbeiter des Senders bleibt vorerst unklar, wann und unter welchen Bedingungen sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

NW, Akt. 14.10.2026, 11:24, 14.10.2026, 11:20
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