Während Klimaschutz in aller Munde ist, zeigt sich beim tatsächlichen Verhalten eine massive Zweiklassengesellschaft. Personen mit einem hohen Haushaltseinkommen verhalten sich laut einer Analyse von Statistik Austria deutlich häufiger umweltbelastend (26,0 Prozent) als Menschen mit mittlerem (18,0 Prozent) oder niedrigem Einkommen (9,7 Prozent).
Konkret hinterlässt der Lebensstil der Wohlhabenderen einen gewaltigen ökologischen Fußabdruck, da mit steigendem Einkommen etwa die Nutzungsdauer von Smartphones und Fernsehern drastisch sinkt. Gutverdiener kaufen zudem überdurchschnittlich oft neue Kleidung, einfach weil sie Lust auf etwas Neues haben – auch wenn die alten Sachen noch intakt sind.
So shoppen 38,8 Prozent der Besserverdiener laut den Statistikern zumindest mehrmals im Jahr online Mode, während es bei der Mittelschicht 32,1 Prozent und bei den Geringverdienern nur 20,9 Prozent sind. Die Wohlhabenden schicken diese Bestellungen auch deutlich öfter wieder zurück als die anderen Einkommensgruppen.
Kombiniert man dieses Konsumverhalten mit der häufigen Autonutzung und regelmäßigen Flugreisen, schnellt die Umweltbelastung bei den Reichen steil nach oben. Den Spitzenwert bei der negativen Belastung verursachen die 30- bis unter 40-Jährigen mit hohem Einkommen. In dieser Altersgruppe liegt der Anteil des stark umweltschädlichen Verhaltens bei 38,6 Prozent.
Am umweltschonendsten leben hingegen insgesamt ältere Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen: Senioren ab 70 Jahren mit wenig Geld belasten die Umwelt nur noch zu 1,6 Prozent stark, die 60- bis unter 70-jährigen Geringverdiener kommen auf 3,5 Prozent.
Blickt man rein auf die Geschlechterverteilung, belasten Männer die Umwelt generell etwas stärker als Frauen. So verursachen vermögende Männer zu 27,6 Prozent eine hohe Umweltbelastung, Frauen kommen auf 24,3 Prozent. Männliche Geringverdiener (10,6 Prozent) und Frauen mit wenig Geld (9,1 Prozent) belasten die Umwelt am wenigsten, gefolgt von der Mittelschicht mit 18,6 Prozent (Männer) bzw. 17,4 Prozent (Frauen).
Besonders bitter ist laut Auswertung jedoch, dass jene, die am wenigsten zur Belastung beitragen, am meisten darunter leiden müssen. So sind Menschen mit niedrigem Einkommen laut Untersuchung deutlich stärker von Hitze, Lärm, Staub und Ruß im Wohnbereich betroffen.
Während nur 13,4 Prozent der Besserverdiener angeben, stark unter Hitzewellen zu leiden, sind es bei den Geringverdienern 23,5 Prozent. Auch Lärmstörungen plagen 16,8 Prozent der Geringverdiener stark, bei den Reichen sind es lediglich 10,1 Prozent.
Bei der kombinierten Mehrfachbelastung (Hitze, Staub, Lärm, Geruch, Klimawandel) leiden 21,5 Prozent der Geringverdiener erheblich, bei der Mittelschicht 20,3 Prozent und bei den Besserverdienern nur 15,6 Prozent.
Besonders Frauen mit niedrigem Einkommen spüren diese Belastung, sie sind mit 22,3 Prozent (Männer: 20,3 Prozent) am häufigsten hoch betroffen. Am wenigsten leiden wohlhabende Männer (14,4 Prozent) und Frauen (16,9 Prozent) unter diesen Umweltfaktoren.
Blickt man auf das Alter, so leiden die 30- bis unter 40-Jährigen mit niedrigem Einkommen mit 31,4 Prozent am meisten, Personen ab 70 Jahren mit wenig Geld mit 13,0 Prozent am wenigsten. Am allerschlimmsten trifft es quer durch alle Gruppen erwerbslose Menschen ohne Geld: 39,0 Prozent von ihnen klagen über eine extrem hohe Umweltbetroffenheit. Bei Beschäftigten mit hohem Einkommen sind es mit 15,5 Prozent nicht einmal halb so viele.