"Diese Bundesregierung hat im ersten Jahr vor allem eines gemacht: Sie hat viel angekündigt, umgesetzt aber vor allem Kürzungen in der Mitte der Gesellschaft", ärgert sich die Klubobfrau der Grünen, Leonore Gewessler. Die 48-jährige Bundessprecherin der Öko-Partei trägt beim Studio-Besuch einen grünen Blazer zur grauen Chino, dazu modische Veja-Sneakers.
Im großen "Heute"-Interview (Video in voller Länge unten) nahm sie die Regierung bei Energiekrise, Öffi-Preisen und Gesundheitsversorgung in die Pflicht; vor Herbert Kickl warnte sie neuerlich eindringlich. Der Talk über:
"Diese Regierung ist im Blindflug unterwegs. Ich halte das für fahrlässig. Es ist wichtig, dass der Energieminister jetzt in die Gänge kommt. Er muss einen Plan vorlegen, wie er Notfallmaßnahmen wie autofreie Tage verhindern will – das Prinzip Hoffnung alleine reicht nicht. Wir müssen auch aus den katastrophalen Abhängigkeiten herauskommen."
"Langsamer fahren ist gescheit, denn es spart Sprit."
"Ich stehe da auf der Seite der Menschen in diesem Land und habe null Verständnis dafür, dass sich Erdölkonzerne in einer Kriegs- und Krisensituation eine goldene Nase verdienen."
„Ein SPÖ-Finanzminister richtet mir aus, dass ihm lieber ist, dass die Mindestpensionisten einen Beitrag zahlen – und die Superreichen bleiben wieder außen vor.“Leonore GewesslerKlubobfrau, Die Grünen
"Die Superreichen können es sich richten, aber die Mindestpensionistin zahlt mehr Krankenversicherung. Das muss gerechter gehen. Deswegen werde ich nicht lockerlassen bei der Besteuerung der wenigen Superreichen in diesem Land."
"Die Budgetkürzungen, die Christian Stocker und Herbert Kickl ausgemacht haben, setzt die Sozialdemokratie jetzt um. Ein SPÖ-Finanzminister richtet mir aus, dass ihm lieber ist, dass die Mindestpensionisten einen Beitrag zahlen – und die Superreichen bleiben wieder außen vor. Das geht gerechter. Und das ist die Aufgabe der Regierung."
"Wir geben Milliarden für Autobahnen aus, aber das Klimaticket wird teurer. Für ganz viele Menschen bedeutet günstige, klimafreundliche Mobilität auch Freiheit. Das ist wichtig, denn jeder im öffentlichen Verkehr gefahrene Kilometer hilft. Minister Hanke sollte sich dafür einsetzen, dass es in dieser angespannten Situation nicht noch teurer wird."
"Die Sammelquoten gehen nach oben, wir sehen weniger PET-Flaschen in der Natur. Also: Ja, das Pfand war es wert."
"Es war kein Fehler, ihn von der Regierung fernzuhalten. Wir haben in den Regierungsverhandlungen gesehen, wo die FPÖ dieses Land hinführen will – vergessen wir nicht, dass die FPÖ im selben Team wie Trump, Putin und Orbán spielt. Ich möchte nicht, dass Österreich in diese Richtung geht. Ich will, dass die Menschen die Hoffnung haben können, dass es besser wird. Und da werde ich angesichts der Arbeit der Regierung nicht aufhören, den Finger in die Wunden zu legen."
"Die Bundesregierung hat aus den Augen verloren, worum es eigentlich geht. Es geht darum, sicherzustellen, dass man innerhalb von 14 Tagen einen Facharzttermin bekommt und man tatsächlich mit der E-Card drankommt und nicht die Kreditkarte benötigt."
"Es ist den Menschen im Land nicht zu erklären, warum sich Bundesländer verklagen müssen, um ein politisches Problem zu lösen."