Der rechtskräftige Freispruch von vier Jugendlichen, die in Tirol eine Katze töteten, den Vorfall filmten und das Video anschließend veröffentlichten, sorgt weiterhin für heftige Diskussionen. Nun schaltet sich Tierschutz Austria (Wiener Tierschutzverein) ein und fordert eine neuerliche rechtliche Prüfung des Falls.
Der Verein hat sich nach eigenen Angaben an die Generalprokuratur sowie an die Richtervereinigung gewandt. Gleichzeitig wurde bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde die Einleitung eines Verwaltungsstrafverfahrens nach dem Tierschutzgesetz beantragt.
HIER kannst du den vollständigen, offenen Brief von Tierschutz Austria an Bundesministerin Dr.in Anna Sporrer nachlesen.
Laut den bisher bekannten Informationen konnte vor Gericht nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden, ob die Katze nach einem Bolzenschuss noch lebte beziehungsweise noch Schmerzen empfand, als sie anschließend mit einer Schaufel geschlagen und ihr die Kehle durchgeschnitten wurde. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte den Freispruch unmittelbar und verzichtete auf ein Rechtsmittel.
"Viele Menschen sind über dieses Urteil erschüttert", sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria. Das Tierschutzgesetz erlaubt das wissentliche Töten von Wirbeltieren grundsätzlich nur durch Tierärzte, und besonders kritisch sieht der Verein die Umstände rund um das veröffentlichte Video.
„Warum filmt man die Tötung eines Tieres, wenn man es lediglich erlösen möchte? Warum wird dabei gelacht? Und warum stellt man ein solches Video anschließend ins Internet?“Madeleine PetrovicPräsidentin, Tierschutz Austria
Aus Sicht der Tierschützer hätte das Gericht auch diese Begleitumstände stärker berücksichtigen müssen. Zudem stellt der Verein die Frage in den Raum, ob ein psychiatrisches Gutachten zur Motivation der Jugendlichen sinnvoll gewesen wäre.
Tierschutz Austria betont, dass der Begriff "Erlösung" nicht dazu führen dürfe, Gewalt an Tieren zu verharmlosen. "Verletzte Tiere gehören in die Hände von Tierärzten – nicht von Laien", so Petrovic. Auch in Tirol stünden rund um die Uhr tierärztliche Notdienste zur Verfügung, die in solchen Situationen Hilfe leisten könnten.
Der Verein setzt sich seit Längerem für schärfere Strafen bei Tierquälerei ein und sieht in dem aktuellen Fall ein wichtiges Signal für den gesellschaftlichen Umgang mit Tieren.
Nach Ansicht von Tierschutz Austria wächst das Bewusstsein für den Tierschutz in der Bevölkerung stetig. Immer häufiger würden verletzte Wild- oder Haustiere gemeldet und medizinisch versorgt, anstatt ihrem Schicksal überlassen zu werden. Umso wichtiger sei es nun, dass sich dieser Wertewandel auch in der rechtlichen Beurteilung solcher Fälle widerspiegle.