Der Arbeitsmarkt in Niederösterreich bleibt angespannt. Die Zahl der offenen Stellen geht zurück, viele Menschen suchen weiterhin einen Job – "Heute" berichtete. Doch ausgerechnet die Gemeinden könnten für Arbeitslose jetzt zur wichtigen Anlaufstelle werden. Mit einer neuen Initiative will das AMS Niederösterreich gemeinsam mit den Gemeinden die Jobsuche erleichtern.
Die Zahlen zeigen, wie wichtig der öffentliche Dienst bereits ist: Rund jede vierte Person, die 2025 in diesem Bereich neu eingestellt wurde, war zuvor arbeitslos. Insgesamt fanden so 1.602 ehemalige Jobsuchende eine neue Beschäftigung.
Allerdings macht sich die schwache Wirtschaft auch bei den Gemeinden und in der öffentlichen Verwaltung bemerkbar. Von Jänner bis August 2026 sank die Zahl der offenen Stellen in diesem Bereich um rund 20 Prozent auf 610.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Während niederösterreichische Unternehmen fast jede zweite freie Stelle dem AMS melden, ist es im öffentlichen Dienst nur etwa jede fünfte. Viele Jobangebote erreichen damit deutlich weniger potenzielle Bewerber. Genau hier will AMS-NÖ-Chefin Sandra Kern ansetzen. "Wir müssen unsere Kräfte bündeln und den Menschen in Niederösterreich zeigen, welche vielfältigen Job- und Entwicklungschancen die Gemeinden bieten", erklärt Kern.
Das AMS wolle die Gemeinden bei der Personalsuche unterstützen und Arbeitslose gezielt mit regionalen Arbeitgebern zusammenbringen.
Am Montag, 12. Oktober, startet deshalb das neue Pilotprojekt #gemeindejobs. Gemeinsam mit "Kommunalnet" sorgt das AMS dafür, dass offene Stellen niederösterreichischer Gemeinden mit nur einem Klick auf der AMS-Plattform "alle jobs" veröffentlicht werden können.
Die Plattform umfasst österreichweit rund 140.000 offene Stellen. Gemeindejobs werden künftig zusätzlich mit dem Hashtag #gemeindejobs gekennzeichnet und können dadurch gezielt gesucht werden. Für Jobsuchende bedeutet das: Wer einen Arbeitsplatz im Gemeindeamt, in der Verwaltung oder in einer kommunalen Einrichtung sucht, soll passende Angebote künftig leichter entdecken können. Läuft das Projekt erfolgreich, könnte das Modell auch auf andere Bundesländer ausgeweitet werden.
Gleichzeitig lädt das AMS am 12. Oktober zum ersten AMS-Gemeindeforum ins Museum Niederösterreich nach St. Pölten. Angesprochen sind Bürgermeister aus insgesamt 113 Gemeinden der Bezirke St. Pölten, Tulln, Krems und Lilienfeld.
Dabei geht es vor allem darum, wie Gemeinden trotz angespannter wirtschaftlicher Lage geeignetes Personal finden können. Auch Fördermöglichkeiten des AMS und die Auswirkungen des demografischen Wandels stehen auf dem Programm.
Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl sieht die Zusammenarbeit als wichtigen Schritt: "Gemeinden werden in Zukunft immer mehr kooperieren. Das hat Einfluss auf die Personalentwicklung in jeder Kommune." Auch Andreas Kollross vom sozialdemokratischen Gemeindevertreterverband begrüßt die Initiative. Gerade in schwierigen Zeiten sei es für Gemeinden oft nicht einfach, freie Stellen rasch und passend nachzubesetzen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Frauen, die nach einer Familienpause wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Immerhin jede sechste arbeitslose Frau beim AMS Niederösterreich ist eine Wiedereinsteigerin. Häufig scheitert die Jobsuche an fehlender Kinderbetreuung, ungünstigen Arbeitszeiten oder langen Anfahrtswegen.
Das AMS will deshalb gemeinsam mit den Gemeinden nicht nur zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, sondern auch die Kinderbetreuung stärken. Helfen sollen dabei unter anderem die Kinderbetreuungsbeihilfe und Förderungen für Ausbildungen im Betreuungsbereich.