Ein Kommentar auf Facebook sorgt in Gleisdorf für heftigen politischen Streit. Im Mittelpunkt steht ÖVP-Nationalrat und Bürgermeister Christoph Stark. Nach einer Aussage über FPÖ-Chef Herbert Kickl und die Identitären übt die örtliche FPÖ scharfe Kritik.
Ausgangspunkt war ein Beitrag, den Stark am 28. August auf Facebook veröffentlichte. Darin beschäftigte er sich mit Kickl und dessen früherer Aussage über die Identitären. Der FPÖ-Chef hatte 2021 in einem Fernsehinterview erklärt: "Die Identitären sind für mich eine NGO von rechts."
Stark schrieb dazu: "Fakt ist, dass diese Gruppierung klar im Verdacht steht, staatszersetzende Ideologie zu verbreiten. Laut Informanten der Tageszeitung 'Der Standard' ist dort sogar die NS-Rassenlehre zurückgekehrt, wonach ein 'Arierknochen' am Hinterhauptbein messbar sei. Und Herbert Kickl, der ja 'Volkskanzler' werden möchte? Er schweigt … eine gute NGO von rechts. Wahnsinn."
Unter dem Beitrag entwickelte sich eine Diskussion. Als ein Facebook-Nutzer fragte "Wen soll man denn noch wählen, außer Kickl?", antwortete Stark: "Wenn Sie Kickl wählen, dann freuen Sie sich auf die Ariervermessung".
Bei der FPÖ Gleisdorf sorgt diese Aussage für Empörung. Stadtparteiobmann Harald Lembacher bezeichnet sie als "Eine absolute Grenzüberschreitung und eine Schande".
Lembacher legt gegenüber der "Kleinen Zeitung" nach: "Diese Aussage ist ein Skandal und untragbar. Immerhin ist er nicht nur Bürgermeister, sondern auch Nationalratsabgeordneter. Er sagt mit dem Kommentar nichts anderes, als dass jeder, der die FPÖ wählt, ein Nazi ist. Stark beleidigt mit dieser Aussage unglaublich viele Menschen."
Der ÖVP-Politiker widerspricht gegenüber der Tageszeitung dieser Auslegung deutlich. "Das ist grotesk. Von diesem Vorwurf distanziere ich mich extrem." Mit seinem Beitrag habe er auf die aus seiner Sicht bestehende Gefahr durch die Nähe Kickls zu den Identitären aufmerksam machen wollen.
Seinen Kommentar will Stark nicht zurücknehmen. "Ja, sie ist zugespitzt. Aber ich habe weder Herrn Kickl beschuldigt, dass er Ariervermessungen macht noch die FPÖ. Ich habe nur in den Raum gestellt, dass die Identitären das wieder tun. Ich halte diese Truppe wirklich für gefährlich. Und dass sich Herbert Kickl, als Obmann der größten Partei in Österreich, davon nicht distanziert und es nicht verurteilt, ist ein Wahnsinn", wird Stark in der "Kleinen Zeitung" zitiert.
Auch die Kritik an seiner Wortwahl weist Stark zurück. Für ihn liege die Grenzüberschreitung an anderer Stelle. Der Gleisdorfer Ortschef sagt zur "Kleinen Zeitung":
"Von der FPÖ werden Vokabel verwendet, wie Remigration, die Gott sei Dank lange in unserer Gesellschaft verpönt waren. Da muss man dagegen halten. Und das sage ich mit Emotion. Ich wehre mich dagegen, dass wir als Gesellschaft wieder auf solche Dinge zusteuern, die wir schon einmal hatten, und das will ich nicht. Ich sage nur: Wehret den Anfängen! Haben wir in den letzten 70 Jahren nichts gelernt?"
Eine Rücknahme seines Kommentars kommt für Stark übrigens nicht infrage. Auch eine Woche nach der Veröffentlichung war die umstrittene Aussage noch unter seinem Facebook-Beitrag zu lesen.