SPÖ-Bürgermeister rechnet ab

Ludwig: "Kickl lieber in den Bergen als bei Menschen"

Der mächtige Wiener Bürgermeister feuert in einem Interview scharf gegen FPÖ und den Parteichef: "Herr Kickl läuft nur im Bierzelt zur Hochform auf."
Nicolas Kubrak
02.09.2026, 15:59
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Kurz vor dem großen ORF-Sommergespräch mit Herbert Kickl – einem der wenigen Auftritte des FPÖ-Chefs im ORF – bekommt der Freiheitliche kräftigen Gegenwind aus Wien. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) attackierte in einem Interview mit der "WELT" rechtspopulistisches Gedankengut und rechnete dabei auch mit Kickl ab.

"Nicht so, dass FPÖ automatisch Kanzler stellt"

Der Wiener Bürgermeister bezog eingangs Stellung zur Umfragesituation in Österreich. Zur Erinnerung: Die FPÖ liegt seit geraumer Zeit unangefochten auf Platz 1 und würde – wären heute Nationalratswahlen – auf rund 37 Prozent kommen. Die Bundes-SPÖ unter Andreas Babler käme hingegen auf desolate 16 Prozent – Negativrekord!

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Auf die Frage, ob ein Regierungschef automatisch von der Siegerpartei kommen sollte, verneinte Ludwig: "Es gibt in einer Demokratie keinen Automatismus, dass die Partei mit den meisten Stimmen auch den Regierungschef stellt. Es ist nicht so, dass die FPÖ im Falle eines Wahlsiegs bei der kommenden Nationalratswahl automatisch den Kanzler stellen wird."

"Kickl ist vor Verantwortung davongelaufen"

Um das zu erreichen, brauche FPÖ-Chef Herbert Kickl die nötigen Mehrheiten, betonte der Bürgermeister. Dafür müsse er erfolgreich verhandeln und auch zu Kompromissen bereit sein. Ludwig blickte auf die Regierungsverhandlungen nach der Nationalratswahl 2024 zurück: "Kickl hatte schon nach der Wahl, in der die FPÖ die meisten Stimmen erhielt, den Regierungsbildungsauftrag, aber er hat keine Regierung zustande gebracht." Das Resümee des SP-Granden: "Kickl ist vor der Verantwortung davongelaufen."

"Nur im Bierzelt in Hochform"

Stattdessen habe der FPÖ-Chef "das bequemere Leben" gewählt und nutze seine Zeit zum Klettern und Wandern. "Man hat den Eindruck, er ist mehr in den Bergen als arbeitend für die Menschen tätig."

Kritisch äußerte sich Ludwig auch zur Interviewbereitschaft des Freiheitlichen: "Er gibt unabhängigen Medien nur selten Interviews, und wenn er es doch tut, dann kommt da nahezu nichts." Kickl würden innovative Ideen für die Zukunft des Landes fehlen. "Nur im Bierzelt läuft er zur Hochform auf, dort denunziert er Menschen und würdigt sie herab", so der SPÖ-Politiker.

„Herr Kickl hat keine innovativen Ideen für die Zukunft unseres Landes.“
Michael Ludwig (SPÖ)rechnet im "WELT"-Interview mit FPÖ-Chef Herbert Kickl ab

"Haben in Wien Rechtspopulisten auf Abstand gehalten"

Mit Blick auf die schwachen Umfragewerte der Sozialdemokratie in Österreich und anderen Teilen Europas wollte Ludwig unterdessen nicht von einer Krise sprechen. Es gebe zwar "starken Gegenwind", räumte er ein. Mit Sorge beobachte er allerdings, dass die politische Mitte derzeit an Attraktivität verliere. Als Gründe nannte er unter anderem die schwierige wirtschaftliche Situation sowie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.

Von einem Wettbewerb darum, ob Sozialdemokraten oder Konservative stärker verlieren, hält Ludwig wenig. "Ein Wettbewerb in der Abwärtsspirale kann jetzt nicht das sein, was uns stärkt", betonte er. Stattdessen brauche es Zukunftsvisionen. Als Beleg für den Wiener Kurs verwies der Stadtchef auf die Landtagswahl 2025, bei der die SPÖ in allen 23 Bezirken vorne lag und "die Rechtspopulisten auf weiten Abstand" gehalten hat.

„Wir müssen den Optimismus wieder stärker leben.“
Michael Ludwig (SPÖ)appelliert, die Chancen unserer Zeit zu nutzen und optimistisch auf die Zukunft zu blicken.

"Rechtspopulismus nur eine Phase"

Trotz wirtschaftlicher Sorgen und wachsender Verunsicherung zeigte sich Ludwig für die kommenden Jahre optimistisch. Krisen und große Ängste habe es auch in vergangenen Jahrzehnten gegeben – vom Kalten Krieg über die Ölkrise bis zum sauren Regen. Rückblickend würden viele dieser Zeiten heute dennoch als Phasen des Aufstiegs und wachsenden Wohlstands betrachtet.

Auch Europa schrieb Ludwig keineswegs ab. Der Kontinent sei "nach wie vor das Filetstück der Welt". Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass auch der derzeitige Aufstieg rechtspopulistischer Parteien nicht von Dauer sein müsse: "Ich bin fest davon überzeugt, dass der Rechtspopulismus nur eine Phase ist, die vorbeigeht." Voraussetzung dafür sei allerdings, sich diesem konsequent entgegenzustellen.

{title && {title} } nico, {title && {title} } Akt. 02.09.2026, 16:12, 02.09.2026, 15:59