Der 14. September hat es laut alter Bauernregel in sich. Am Kreuzerhöhungstag soll sich angeblich zeigen, was Österreich im kommenden Winter erwartet. Der überlieferte Spruch klingt wenig beruhigend:
„Ist’s hell am Kreuzerhöhungstag, so folgt ein strenger Winter nach.“
Heißt übersetzt: Zeigt sich der Himmel an diesem Tag freundlich und sonnig, soll danach ein besonders kalter und harter Winter folgen.
Für Generationen von Bauern waren solche sogenannten Lostage mehr als bloße Kalenderweisheiten. Sie dienten als Orientierung für Aussaat, Ernte und die Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit – in einer Zeit, in der es weder Wetter-Apps noch Satellitenbilder gab.
Doch was sagt der Himmel am 14. September tatsächlich? Ein österreichweit einheitliches "helles" Wetterbild lässt sich daraus nicht ableiten. Gerade im Alpenraum unterscheiden sich die Bedingungen von Region zu Region teils deutlich. Nach den wechselhaften Tagen Anfang September hat sich die Wetterlage zuletzt zunehmend beruhigt. Für die kommenden Tage erwartet GeoSphere Austria wieder mehr Sonnenschein und steigende Temperaturen.
Damit wird die alte Bauernregel schon beim Blick auf Österreich zum Problem: Während es in einer Region freundlich und sonnig sein kann, ziehen anderswo Wolken auf oder es bleibt herbstlich frisch.
Wer den alten Spruch streng auslegt, könnte also tatsächlich auf einen kalten Winter hoffen beziehungsweise fürchten – je nachdem, wie man es nimmt. Meteorologisch ist diese Schlussfolgerung allerdings nicht haltbar. Das Wetter an einem einzigen Septembertag kann nicht seriös vorhersagen, wie sich die Temperaturen und Niederschläge im Dezember, Jänner oder Februar entwickeln werden.
Auch moderne Wetterprognosen haben ihre Grenzen. GeoSphere Austria stellt detaillierte Vorhersagen für heute und die kommenden sieben Tage bereit; längerfristige Entwicklungen sind naturgemäß mit deutlich größeren Unsicherheiten behaftet.
Die Bauernregeln sind deshalb nicht einfach als "Unsinn" abzutun. Viele entstanden aus jahrhundertelangen lokalen Wetterbeobachtungen. Menschen versuchten, wiederkehrende Wetterlagen in leicht merkbaren Sprüchen festzuhalten. Das Problem: Eine solche Regel funktioniert nur dann zuverlässig, wenn die zugrunde liegenden Wetterbedingungen über lange Zeit stabil bleiben.
Genau das ist heute schwieriger. Österreich erlebt zunehmend außergewöhnliche Wetterlagen. Der Sommer 2026 war laut aktuellen Auswertungen sogar der heißeste Sommer seit Beginn der Messungen – inklusive eines neuen österreichischen Temperaturrekords von 41,2 Grad.
Ob uns also ein strenger Winter 2026/27 bevorsteht, kann der Kreuzerhöhungstag nicht beantworten. Die alte Bauernregel liefert vor allem eines: einen spannenden Blick zurück in eine Zeit, in der Menschen das Wetter mit einfachen Beobachtungen zu deuten versuchten.
Wer heute wissen will, ob Österreich ein eisiger Winter bevorsteht, sollte deshalb besser auf aktuelle meteorologische Modelle und Prognosen schauen – und nicht auf einen einzigen hellen Septembertag.