Beim Treffen der G20-Außenminister am Freitag in Atlanta kam es zu erheblichen Spannungen. Grund dafür war die Teilnahme des russischen Außenministers Sergej Lawrow, dessen Anwesenheit bei mehreren westlichen Staaten auf Widerstand stieß.
Besonders deutlich positionierte sich Deutschlands Außenminister Johann Wadephul. Noch vor Beginn der Beratungen stellte er klar, dass es kein gemeinsames Gruppenbild mit dem russischen Vertreter geben werde.
"Auf keinen Fall wird es ein Familienfoto mit europäischen Partnern und Herrn Lawrow zusammen geben, denn (...) es gibt keine Normalität mit Russland." Nach Angaben eines westlichen Diplomaten sprach sich rund ein Drittel der Teilnehmer gegen ein Foto mit Lawrow aus. Dazu zählten auch Australien und Kanada.
Die USA als Gastgeber strichen den Fototermin schließlich aus dem Programm. Ein US-Vertreter begründete die Entscheidung damit, dass man ein öffentliches Spektakel oder eine Ablenkung von den eigentlichen Gesprächen verhindern wollte.
Eigentlich hatte US-Außenminister Marco Rubio andere Schwerpunkte für das Treffen vorgesehen. Im Mittelpunkt sollten Handelsungleichgewichte sowie eine mögliche Zusammenarbeit gegen Chinas Kontrolle über wichtige Rohstoffe stehen. Dabei geht es insbesondere um kritische Mineralien, die für zahlreiche Industriezweige benötigt werden.
Doch die internationalen Konflikte bestimmten einen großen Teil der Beratungen. Vor allem die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie deren wirtschaftliche Folgen beschäftigten die Teilnehmer.
Rubio warnte zu Beginn vor den Auswirkungen globaler Krisen auf den Welthandel, die Energie- und Lebensmittelversorgung sowie die internationale Schifffahrt. "Die G20 müssen gemeinsam daran arbeiten, diesen Bedrohungen entgegenzutreten."
Die US-Regierung hatte ihren internationalen Partnern im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg bereits mehrfach mangelnde Unterstützung vorgeworfen.
Zusätzliche Spannungen gibt es zwischen den USA und mehreren europäischen G20-Mitgliedern. Die europäischen Staaten unterstützen weiterhin die Ukraine und lehnen jüngste Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump im Umgang mit Russland ab.
Kritik gibt es unter anderem an einem Abkommen zum Kauf von Diesel sowie an der Aussetzung bestimmter Sanktionen gegen Russland.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte an, bei dem Treffen auf eine stärkere Unterstützung für die Ukraine drängen zu wollen. Auch Wadephul machte deutlich, dass Gespräche mit Russland zwar notwendig seien, daraus aber keine politische Normalität abgeleitet werden dürfe. "Aber wir dürfen auch keine falschen optischen Signale aussenden."
Russland hatte die Teilnahme Lawrows erst am Mittwoch offiziell bestätigt. Bei den Beratungen in Atlanta nahm der russische Außenminister zwischen den Vertretern Saudi-Arabiens und Mexikos Platz.
US-Außenminister Rubio wiederum saß neben Polens Außenminister Radoslaw Sikorski. Dieser war als einziger zusätzlicher Gast zu den G20-Gesprächen eingeladen worden.
Sikorski zählt zu den entschiedenen Kritikern Russlands wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine. In Polen gibt es Befürchtungen, dass das Land selbst zu einem künftigen Ziel russischer Aggression werden könnte.
Das Außenministertreffen dient zugleich der Vorbereitung des G20-Gipfels am 14. und 15. Dezember in Miami. Dort werden neben US-Präsident Donald Trump unter anderem Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Chinas Staatschef Xi Jinping erwartet.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt eine weitere Einladung: Trump hat auch Russlands Präsident Wladimir Putin zum Gipfel eingeladen. Ob Putin tatsächlich nach Miami reisen wird, ist bislang offen.
Während Lawrow in den vergangenen Jahren regelmäßig an G20-Treffen teilnahm, war Putin zuletzt 2019 persönlich bei einem Gipfel der Gruppe anwesend.
Bereits vor dem Treffen in Atlanta hatte eine weitere Entscheidung des US-Präsidenten für Diskussionen gesorgt. Trump lud Südafrika, das reguläres Mitglied der G20 ist, von dem Treffen aus.
Als Begründung führt der US-Präsident den Vorwurf an, in Südafrika werde ein Völkermord an weißen Bauern begangen. Sowohl die südafrikanische Regierung als auch Fachleute weisen diese Darstellung entschieden zurück.