Nach dem schweren O-Bus-Unfall in Salzburg-Itzling herrscht am Tag danach eine gedrückte Stimmung rund um die Unfallstelle. Blumen und Kerzen erinnern an das Opfer, während gleichzeitig Bauarbeiter am beschädigten Eingangsbereich eines Geschäftsgebäudes arbeiten. Passanten gehen schweigend vorbei – zwischen Anteilnahme und Alltag.
Der Unfall am Montagmittag forderte ein Todesopfer, zwei Schwerverletzte und fünf Leichtverletzte. Nach bisherigen Erkenntnissen dürfte ein medizinischer Notfall am Steuer Auslöser gewesen sein: Ein 59-jähriger Busfahrer erlitt vermutlich einen Schlaganfall und verlor die Kontrolle über das Fahrzeug.
Nun ist auch bekannt, wer bei dem Unglück ums Leben kam: Es handelt sich um den 55-jährigen Topmanager Florian S. Er war Geschäftsführer (CEO) eines Automatisierungsunternehmens in Oberösterreich. "Nach Rücksprache mit dem Unternehmen müssen wir das leider bestätigen", sagt Josef Maislinger, Bürgermeister der Marktgemeinde Eggelsberg gegenüber SN.
S. war in der Wirtschaft eine international bekannte Persönlichkeit mit tausenden Followern auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn. Vor seiner Karriere als Manager war er im Segelsport erfolgreich und nahm 1996 für Österreich an den Olympischen Spielen in Atlanta teil, wo er gemeinsam mit Andreas Hagara in der Tornado-Klasse den vierten Platz belegte.
Berichten zufolge soll S. noch versucht haben, dem herannahenden O-Bus auszuweichen, wurde jedoch von herabfallenden Glasteilen tödlich getroffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
"Die Polizei möchte dem abschließenden Ergebnis der Unfallermittlungen nicht vorgreifen. Alle Eventualitäten werden geprüft", sagt Polizeisprecher Hans Wolfgruber gegenüber SN.
Der Busfahrer wurde noch am Montag notoperiert. "Der Zustand des Mannes ist stabil. Er befindet sich noch auf der Intensivstation", erklärt Christian Blaschke, Sprecher der Salzburger Landeskliniken. Ein weiterer Schwerverletzter erlitt Knochenbrüche, diese waren jedoch nicht lebensgefährlich.
Eine Obduktion wurde angeordnet, parallel dazu läuft die technische Analyse des Unfallhergangs. Sachverständiger Gerhard Kronreif wertet dazu umfangreiche Daten aus dem Fahrzeug sowie Videoaufnahmen aus. "Durch die Auswertung der elektronischen Daten des Obusses kann auch ein medizinischer Notfall als Unfallursache plausibilisiert werden. Ich sehe das Lenkverhalten, die Gaspedal- und Bremspedalstellung bis zur Kollision. Auch der Bremsdruck wird ausgewertet. Daraus können wir Rückschlüsse auf das Reaktionsverhalten ziehen", erklärt Kronreif.
Zusätzlich werden Kamerabilder aus dem Bus sowie aus der Umgebung, darunter auch Aufnahmen einer Überwachungskamera am Gebäude, analysiert. Ziel ist es, den Unfallhergang möglichst genau zu rekonstruieren.
Die betroffene Billa- und Bipa-Filiale bleiben vorerst geschlossen, da der Eingangsbereich schwer beschädigt wurde. Für andere Unternehmen im Gebäude gibt es keine Einschränkungen. "Wir arbeiten jetzt an einer provisorischen Wiederinbetriebnahme. Das muss jetzt auch mit den Behörden noch abgeklärt werden. Voraussichtlich können Billa und Bipa aber kommende Woche wieder öffnen", so Raiffeisensprecher Sigi Kämmerer. Wie hoch die Reparaturkosten ausfallen werden, ist derzeit noch unklar. "Das kann man noch nicht seriös beantworten. Die Arbeiten werden jedenfalls etliche Wochen dauern."