Aus für Satire-Sendung

"Zu fanatisch!" – ZDF-Boss rechnet mit Böhmermann ab

Kurz vor dem Ende seiner Show bekommt Jan Böhmermann Kritik vom eigenen Senderchef. ZDF-Intendant Himmler findet deutliche Worte.
29.10.2026, 12:03
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Kurz vor dem Ende seiner Satiresendung bekommt Jan Böhmermann (45) ausgerechnet vom eigenen Senderchef deutliche Kritik zu hören. ZDF-Intendant Norbert Himmler (55) zieht eine zwiespältige Bilanz des "ZDF Magazin Royale". Der Satiriker habe zwar herausragende Sendungen gemacht, sei zuletzt aber möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen.

Im Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" findet Himmler bemerkenswert klare Worte: Böhmermann habe "grandiose Sendungen geliefert, die mit dem Grimme- und dem Fernsehpreis dekoriert wurden". Doch dann folgt die Kritik: "Das hat sich jetzt abgeschliffen und ist vielleicht am Ende zu fanatisch geworden."

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ZDF-Intendant Norbert Himmler im März 2026 nach der Sitzung des Fernsehrates in Mainz.
IMAGO/epd

"Das halte ich für unverhältnismäßig"

Besonders stört sich der ZDF-Chef an einem Beitrag aus dem Jahr 2023, in dem Böhmermann einen sächsischen Imker ins Visier genommen hatte. Damals warf die Sendung dem Bienenzüchter sogenanntes "Beewashing" vor. Dabei geht es um die Vermarktung von Bienenpatenschaften als vermeintlichen Beitrag zum Umweltschutz.

Der Imker reagierte seinerseits mit einer satirischen Aktion: Er verwendete Böhmermanns Namen und Bild, um für seinen Honig zu werben. Ein anschließender Rechtsstreit ging zugunsten des Imkers aus.

Himmler sieht die ursprüngliche Berichterstattung des "ZDF Magazin Royale" kritisch. "Sich auf einen Bienenzüchter zu stürzen, ihn quasi zum Hauptgegenstand einer Sendung zu machen – das halte ich für unverhältnismäßig", erklärt der Intendant.

ZDF-Chef zieht Grenze für Satire

Für Himmler stellt sich grundsätzlich die Frage, gegen wen sich Satire richten sollte. Seiner Ansicht nach sollte sie vor allem Menschen ins Visier nehmen, die Verantwortung tragen, sowie gesellschaftliche Missstände aufdecken. "Es darf aber nicht unfair sein", betont er.

Gleichzeitig beobachtet der ZDF-Chef eine zunehmende Empfindlichkeit gegenüber satirischen Beiträgen. Das betreffe mehrere politische Parteien, besonders stark aber Reaktionen auf Böhmermann.

Auch das Genre Satire stoße insgesamt auf mehr Ablehnung als früher. Die öffentliche Auseinandersetzung sei auf allen Seiten schärfer geworden.

Böhmermann beendet Sendung im Dezember

Das "ZDF Magazin Royale" läuft am 18. Dezember 2026 nach mehr als sechs Jahren zum letzten Mal. Dass ausgerechnet die deutliche Kritik des Intendanten den Ausschlag für das Ende gegeben habe, weist Himmler allerdings zurück. Die Entscheidung sei von Böhmermann selbst ausgegangen.

"Er hat den Schlussstrich aus Eigeninitiative gezogen", stellt der ZDF-Chef klar. Der Sender diskutiere schon seit Jahren mit dem Moderator über die Weiterentwicklung des Formats und seine künftige Rolle. Böhmermanns Wunsch sei gewesen, noch einmal eine andere Sendung zu machen. Der 45-Jährige wolle sich neu erfinden.

Tränen beim Abschied – aber welche?

Für eine besonders kuriose Geschichte sorgte Böhmermann bereits zuvor in seinem Podcast "Fest & Flauschig". Dort erzählte er, Himmler habe auf die Nachricht vom bevorstehenden Ende der Show mit Tränen in den Augen reagiert und gefragt, was er nun ohne Böhmermann machen solle.

Im "Zeit"-Interview wurde der Intendant auf diese angeblich emotionale Reaktion angesprochen. Seine Antwort fiel überraschend selbstironisch aus: "Ja, ich stelle mir heute noch die Frage, ob das Erleichterungs- und Freudentränen waren – oder Tränen der Trauer", scherzte Himmler.

Lob und Kritik zum Abschied

Trotz aller Kritik erkennt der ZDF-Chef die Leistungen der Sendung ausdrücklich an. Das "ZDF Magazin Royale" wurde mehrfach ausgezeichnet und sorgte regelmäßig für öffentliche Debatten. Allerdings seien weder dem Moderator noch dem Sender die kontroversen Folgen der Sendung verborgen geblieben.

Nach sechs Jahren zieht Böhmermann nun selbst den Schlussstrich. Dass sein eigener Intendant unmittelbar vor dem Abschied von einer möglicherweise "zu fanatischen" Entwicklung spricht, dürfte die Diskussion über die Grenzen politischer Satire noch einmal anheizen.

red, Akt. 29.10.2026, 12:20, 29.10.2026, 12:03
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