Im November soll sich ein 17-jähriger Steirer vor dem Grazer Landesgericht verantworten. Dem Fleischerlehrling wird vorgeworfen, im April in Sankt Peter am Ottersbach in das Haus eines Pensionisten-Ehepaars eingebrochen zu sein, den Mann getötet und dessen Frau mit zahlreichen Messerstichen schwer verletzt zu haben. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Inzwischen liegt die Anklageschrift vor. Auch Gerichtspsychiater Thomas Trabi hat den Jugendlichen untersucht. Laut Gutachten leidet der 17-Jährige an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, ist aber zurechnungsfähig. Der Sachverständige befürchtet bei ihm "Folterungen, Freiheitsentziehungen und anschließende Morde" – das berichtet die "Kronen Zeitung".
In den Gesprächen mit dem Psychiater schilderte der Jugendliche laut "Krone" sein Leben vor der Tat. Er berichtete von "lustigen Legospielen" mit seinem jüngeren Bruder, seinem Interesse am Zeichnen sowie von seinem "tüchtigen Vater" und seiner "fürsorglichen Mama".
Seinen Beruf habe er gewählt, weil er ihm "wegen meines Interesses für Anatomie Spaß gemacht" habe. Mädchen seien ihm "eher egal", er sei "eigentlich ein Einzelgänger" und in der Schule "der Klassenclown" gewesen, heißt es in dem Bericht.
Seine Tötungsfantasien sollen bereits Jahre zuvor begonnen haben. "Ich glaube, mit ungefähr 12, 13. Sie sind da aber noch verschwommen gewesen", wird der Jugendliche in der Tageszeitung zitiert.
Mit etwa 14 Jahren habe er laut seinen Angaben eine Dokumentation über einen Verbrecher gesehen. Seiner Anwältin Astrid Wagner erzählte er laut "Kronen Zeitung": "Mit etwa 14 habe ich im Fernsehen zufällig eine Dokumentation über einen Verbrecher gesehen. Ich fand sie spannend."
Danach habe er im Internet gezielt nach weiteren Inhalten über Serienmörder gesucht. Das sei schließlich "eine Art Sucht" geworden.
Später habe der Jugendliche auch Mäuse getötet. "Es ist nie ein schnelles Erlösen gewesen", gestand er laut "Kronen Zeitung" dem Psychiater. Auch das Schlachten eines Schweins während seiner Ausbildung habe er "anregend" gefunden: "Schweine und Menschen sind einander ja ähnlich."
Rund zwei Jahre vor der Tat habe er schließlich begonnen, "vom echten Morden zu Träumen". Seine Opfer "sollten möglichst wehrlos sein. Weil ich nicht mit Gegenwehr konfrontiert sein wollte", heißt es in dem Bericht weiter.
Nach seinen Angaben versuchte er zunächst, diese Gedanken zu unterdrücken. Irgendwann sei jedoch "der Drang in mir, das zu tun, zu stark geworden". In der Umgebung seines Wohnortes habe er deshalb nach Häusern gesucht, in denen ältere und körperlich schwache Menschen lebten.
Nach der Tat an dem Pensionisten-Ehepaar ging der Jugendliche zur Polizei. "Wahrscheinlich bloß deshalb, weil ich verletzt war." Beim Einstieg durch ein eingeschlagenes Fenster hatte er sich Schnittverletzungen zugezogen, "die nicht zu verbergen waren, die verarztet werden mussten", heißt es in dem Bericht.
Auf die Frage, ob er ohne seine rasche Festnahme erneut getötet hätte, antwortete er laut "Krone": "Das kann sein. Gedanken ans Killen sind noch immer in mir." Der 17-Jährige sitzt derzeit in der Justizanstalt Graz-Jakomini in einer Einzelzelle.
Besonders drastisch fallen seine Aussagen zur Aufmerksamkeit nach der Tat aus. Auf die Frage des Gutachters, ob er stolz auf sein Verbrechen sei, antwortete der Jugendliche: "Klar", und weiter: "Ich finde die Aufmerksamkeit, die ich dadurch bekommen habe, super. Und für mich befriedigend ist außerdem, dass ich mit meinem Verbrechen so viele Menschen schockieren konnte", wird der Teenager in der "Krone" zitiert.
Gemeint seien vor allem jene Menschen, "die geglaubt hatten, mich zu kennen, die mich für einen wohlerzogenen Buben gehalten hatten".
Dann fügte er laut der Tageszeitung hinzu: "Vielleicht hätte ich es gar nicht geschafft, das Geschehene zu verschleiern – denn dann hätte ja niemand erfahren, wozu ich fähig bin. Und ich wäre nicht berühmt geworden."
Der Sachverständige charakterisiert den Jugendlichen als in hohem Maß dissozial und narzisstisch sowie als Persönlichkeit mit schizoiden und zwanghaften Tendenzen.
Der 17-Jährige selbst erklärte dazu laut "Kronen Zeitung": "Ich ahnte schließlich schon seit Langem, dass mit mir etwas nicht in Ordnung ist." Ab Mitte 2025 habe er im Internet intensiv nach psychischen Erkrankungen gesucht: "Aber bei keiner davon passten die Symptome richtig auf mich."
Auch mit gefassten Serienmördern habe er sich beschäftigt. "Ich konnte nicht einmal bei einem von ihnen echte Parallelen zu mir entdecken", sagte er laut "Krone". Über sein fehlendes Mitgefühl sagte er: "Ich kann einfach nicht mit Empathie aufwarten." Zur überlebenden Frau äußerte er hingegen: "Nur die Frau, die meinen Angriff überleben musste, tut mir leid. Wirklich. Denn sie ist nun eine Witwe; voll der Trauer; voll des Schmerzes. Der nie vergehen wird."
Die Verhandlung gegen den Fleischerlehrling ist für November am Grazer Landesgericht vorgesehen. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. Zusätzlich steht eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum im Raum.
Verteidigerin Astrid Wagner erklärt gegenüber der "Kronen Zeitung": "Mein Klient dürfte in Asten untergebracht werden." Sie zeigt sich hinsichtlich einer Behandlung zuversichtlich: "Weil mein Mandant ambitioniert ist, sämtliche ihm verordneten Therapiemaßnahmen zu nutzen."
Hinter Gittern wolle der Jugendliche außerdem die Matura nachholen und womöglich später ein Studium beginnen. Zunächst plant der 17-Jährige laut seiner Anwältin ein Buch über sich, seine Fantasien und die Tat.
Durch das Schreiben wolle er "seine inneren Dämonen – und die Ursachen für deren Entstehung – zu ergründen. Um sie in der Folge zu besiegen", heißt es in dem Bericht.
Für den 17-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.