"Hände waren voller Blut"

Das sagte Killer-Sohn (17) nach Bluttat zu seiner Mama

Ein 17-Jähriger soll einen Pensionisten getötet und dessen Frau verletzt haben. Nun erzählt seine Mutter von der Nacht, die ihr Leben veränderte.
André Wilding
16.08.2026, 06:30
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Als ihr Sohn sie mitten in der Nacht weckte, bemerkte sie sofort das Blut an seinen Händen. Wenig später folgte ein Geständnis, das für die 41-Jährige bis heute kaum zu begreifen ist. Ihr 17-jähriger Sohn soll am 22. April in Sankt Peter am Ottersbach in der Steiermark einen Pensionisten erstochen und dessen Frau mit zahlreichen Messerstichen schwer verletzt haben.

Nun spricht seine Mutter erstmals in der "Kronen Zeitung" ausführlich über jene Nacht und die Zeit davor. Zum Schutz ihres jüngeren Sohnes möchte sie anonym bleiben und nennt sich Melanie.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Es ist das erste Interview, das ich in meinem Leben gebe", sagt sie in der "Krone". "Und wir werden dabei ja über Schreckliches reden."

"Seine Hände waren voll Blut"

Der Jugendliche soll am frühen Morgen in das Haus des Pensionisten-Ehepaars eingebrochen sein. Gegenüber den Ermittlern gab er später an, einen "unendlich starken Trieb" verspürt zu haben, "endlich zu morden".

Seine Familie hatte von dieser Seite des Burschen offenbar nichts mitbekommen. Er galt in seinem Umfeld als freundlich, fleißig und hilfsbereit. "Auch ich habe nur den guten Teil in ihm gekannt", erzählt seine Mutter im "Krone"-Gespräch. "Bis zu dieser schrecklichen Nacht."

Dann stand der 17-Jährige plötzlich vor ihrem Bett. "Ich lag in meinem Bett und schlief, er weckte mich auf, seine Hände waren voll Blut", wird die Frau in der Tageszeitung zitiert.

Zunächst konnte die Mutter nicht glauben, was ihr Sohn ihr erzählte. "Er sagte: 'Mama, ich habe gerade gemordert.'" Doch rasch wurde ihr klar, dass er es ernst meinte. "Ich konnte ihm zunächst nicht glauben. Aber irgendwie spürte ich bald, dass er die Wahrheit sagte. Und ich wurde ohnmächtig", erzählt sie in der "Krone".

"Ein Horrorfilm, der nie enden wird"

Die folgenden Ereignisse nahm die 41-Jährige nach eigenen Angaben "in einer Art Trancezustand" wahr. Ihr Mann versorgte die Wunden des Jugendlichen, der 17-Jährige verständigte selbst die Polizei. Wenig später wurde er festgenommen.

"Ich dachte, ein Horrorfilm laufe vor mir ab. Ein Horrorfilm, der - das weiß ich mittlerweile - nie enden wird", schildert die Mutter in der "Kronen Zeitung".

Mittlerweile liegt auch eine gerichtspsychiatrische Untersuchung vor. Gutachter Thomas Trabi stellte beim Jugendlichen massive dissoziale und narzisstische Tendenzen sowie typische Kennzeichen eines Psychopathen fest. Trotz seiner schweren seelischen Störung gilt der 17-Jährige als zurechnungsfähig.

Seine Mutter beschäftigt seither vor allem eine Frage: "Warum habe ich davon nichts bemerkt?", fragt sie, "von seiner bösen Seite ..."

Mutter wusste nichts von gequälten Tieren

Nach ihrer Erinnerung wuchs der Bursche in einem normalen Familienleben auf. "Ganz normal, bei uns zu Hause war doch bis zuletzt alles ganz normal. Mein Mann, ein Handwerker, arbeitet viel, unsere Buben versorgte hauptsächlich ich", sagt sie zur "Krone".

Sie habe ihren Kindern "echte Geborgenheit zu geben und wichtige Werte zu vermitteln" versucht. Dazu gehörte für sie auch Empathie gegenüber Menschen und Tieren. Umso erschütternder waren für sie Erkenntnisse aus den Ermittlungen. Ihr Sohn soll angegeben haben, in den vergangenen Jahren Mäuse zu Tode gefoltert zu haben.

"Das hätte ich ihm auch nie zugetraut. Wir haben zwei Katzen, er hat sich immer liebevoll um sie gekümmert, sie gefüttert, mit ihnen gespielt, sie gestreichelt, mit ihnen geschmust", schildert die Frau in der "Kronen Zeitung".

Auf seinem Handy sollen außerdem Bilder von verwesten und zerschnittenen Vögeln gefunden worden sein. "Das ist mir neu", sagt die Mutter zur "Krone". Den gesamten Akt habe sie bisher nicht lesen können: "Ich schaffte das mental noch nicht. Ich werde ja kaum mit dem fertig, was ich bisher über die mir fremde, schreckliche Seite meines Sohnes erfahren habe."

"Er ist mein Kind, ich liebe ihn"

Trotz allem besucht die 41-Jährige ihren Sohn weiterhin in Untersuchungshaft. "Natürlich. Er ist mein Kind, ich liebe ihn. Trotzdem ...", stellt sie im "Krone"-Interview klar.

Der Jugendliche habe versucht, seiner Mutter die Schuldgefühle zu nehmen. "Mama, du trägst keine Schuld daran, dass ich bin, wie ich bin. Es macht keinen Sinn, mit dir über die Gründe dafür zu reden - du würdest sie nämlich nicht verstehen", wird sie in der "Krone" zitiert.

Für Melanie bleiben die Vorgänge tatsächlich unbegreiflich. "Ich denke, damit hat er sogar recht. Denn wie soll ich Unbegreifliches begreifen? Wie soll ich begreifen, dass er zum Morden fähig gewesen ist?"

Der 17-Jährige wird nach Angaben seiner Mutter in der Justizanstalt Graz-Jakomini streng überwacht. Wegen befürchteter Fremdgefährdung befindet er sich demnach in einer Einzelzelle.

Schon als Kind in Therapie

Im Rückblick gibt es allerdings Hinweise auf frühere Probleme. Bereits im Kindergartenalter habe der Bub Wutanfälle gehabt und sich dabei selbst verletzt.

"Im Kindergartenalter begann er an seltsamen Wutanfällen zu leiden, bei denen er sich selbst verletzte. Ich ging deswegen mit ihm zu einer Psychologin, er kam in der Folge in Therapie", erklärt sie in der Tageszeitung.

Damals wurde laut seiner Mutter eine Angststörung festgestellt. Später besserte sich sein Zustand. "Und er war dann wirklich ein braver, ruhiger Bub. Doch nicht so anhänglich und Fremden nicht so zugänglich - wie mein zweiter Sohn."

Dass ihr Sohn keine Freunde gehabt habe, weist Melanie in der "Krone" zurück. "Das stimmt nicht. Er war bei seinen Klassenkameraden und Lehrlingskollegen beliebt - wegen seiner Umgänglichkeit, seines Humors. Und er traf sich sehr wohl mit Gleichaltrigen und ging mit ihnen aus."

Zuletzt zog er sich zurück

Erst in der Zeit vor der Tat habe sich der Jugendliche zunehmend zurückgezogen. Seine Mutter bot ihm an, ihn am Wochenende zu Partys zu bringen. Er lehnte ab. "Er sei müde vom Job, sagte er, und dass er eben Zeit für sich selbst brauche", schildert sie in der "Kronen Zeitung".

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte  >

Diese Zeit verbrachte er unter anderem beim Training im Keller, mit Lesen, am Handy und bei Spaziergängen im Wald. Bei diesen Spaziergängen soll er Tiere getötet und seziert haben. Seine Mutter bemerkte nach seiner Rückkehr nach eigenen Angaben keine Auffälligkeiten.

Heute bewertet sie auch andere Situationen neu. Während seiner Ausbildung zum Fleischer soll sich der Jugendliche freiwillig zum Schlachten eines Schweins gemeldet haben. Auf die Frage seiner Mutter, was er dabei empfunden habe, antwortete er: "Ich spürte Adrenalin."

"Schade" über verschwundene tote Katze

Auch eine gemeinsame Autofahrt im März lässt Melanie nicht los. Auf der Straße lag eine tote Katze. Als das Tier Stunden später bei der Rückfahrt verschwunden war, sagte ihr Sohn: "Schade."

Die Mutter sei "natürlich über seine Äußerung entsetzt gewesen, aber ich erkannte ihre Bedeutung nicht". In den Wochen vor der Tat sei der Bursche außerdem immer unruhiger geworden. Er erklärte dies mit einem bevorstehenden Aufenthalt im Internat seiner Berufsschule.

Auswertungen seines Handys sollen zeigen, dass er bereits ab Ende 2025 wiederholt nach Symptomen verschiedener psychischer Erkrankungen gesucht hatte.

"Ich nehme an, er suchte medizinische Erklärungen für seine abnormen Gedanken. Ich wäre froh, wenn er mit mir darüber geredet hätte. Weil ich ihn dann selbstverständlich sofort in eine geschlossene psychiatrische Klinik gebracht hätte. Und er folglich seine Mordfantasien nicht in die Realität hätte umsetzen können", sagt seine Mutter zur "Krone".

Prozess für Herbst geplant

Der Prozess gegen den 17-Jährigen am Landesgericht Graz ist für den Herbst geplant. Da er als zurechnungsfähig gilt, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Auch eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum steht im Raum.

Für seine Mutter gibt es trotz ihrer Liebe zu ihrem Sohn eine klare Grenze. Sollte sich sein Zustand nicht ändern, sagt sie zur "Krone": "Dann muss er für immer hinter Gittern bleiben. Denn es darf einfach nicht geschehen, dass er noch einmal einem Menschen - oder einem Tier - Leid zufügt."

{title && {title} } wil, {title && {title} } 16.08.2026, 06:30