Trotz neuer US-Friedensbemühungen gehen die schweren Angriffe im Ukraine-Krieg weiter. Am Donnerstag feuerte Russland laut Präsident Wolodymyr Selenskyj in drei Wellen 21 ballistische Raketen auf Kiew ab. Zusätzlich setzte Moskau 210 Angriffsdrohnen gegen die Ukraine ein. Gleichzeitig meldete Russland 630 ukrainische Drohnenangriffe auf die Region Moskau.
Bei russischen Angriffen auf zwölf ukrainische Regionen wurden laut Selenskyj mindestens zwei Menschen getötet und 34 verletzt, darunter fünf Kinder. Allein in Kiew gab es 24 Verletzte. Getroffen wurden Wohnhäuser, Energieanlagen, Einkaufszentren, Bahneinrichtungen, die U-Bahn-Infrastruktur und ein Kloster.
Die ukrainische Luftabwehr konnte nach eigenen Angaben 181 der 210 russischen Drohnen abschießen oder elektronisch stören. Einschläge wurden an 32 Orten registriert. Auch die Energieinfrastruktur nahe der Industriestadt Krementschuk wurde beschädigt.
Russland meldete unterdessen mindestens drei Verletzte: zwei im Großraum Moskau und einen in der rund 400 Kilometer südlich gelegenen Stadt Lipezk. Dort sollen Drohnen Wohnhäuser und eine medizinische Einrichtung getroffen haben. Die meisten der 630 Richtung Moskau gemeldeten Drohnen seien abgefangen worden.
Die gewaltige Drohnenwelle zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Während Russland 2024 noch klar dominierte, baute die Ukraine 2025 ihre eigene Drohnenproduktion massiv aus. Seither greift sie verstärkt russische Raffinerien, Treibstofflager und Rüstungsbetriebe an.
Im März 2026 überholte die Ukraine Russland erstmals bei den registrierten Langstreckendrohnen innerhalb eines Monats: Moskau meldete 7.347 abgefangene ukrainische Drohnen, Kiew registrierte 6.462 russische.
Eine im September veröffentlichte Auswertung der "Kyiv Post" ergab sogar, dass die Ukraine innerhalb von rund 100 Tagen ungefähr dreimal so viele Langstreckendrohnen gegen Russland eingesetzt haben dürfte wie umgekehrt.
Auch die jüngsten Meldungen zeigen ein Verhältnis von drei zu eins: 630 ukrainische Drohnen Richtung Moskau stehen 210 russischen Drohnen gegen die Ukraine gegenüber. Allerdings unterscheiden sich die Erfassungszeiträume und Zählweisen. Die Zahlen beruhen teilweise auf russischen Behördenmeldungen und sind nicht vollständig unabhängig überprüfbar. Russland setzt zudem weiterhin zahlreiche Raketen ein.
Die Eskalation kommt mitten in neue US-Vermittlungsbemühungen. Sondergesandter Steve Witkoff sprach zuletzt mit Selenskyj und Kremlchef Wladimir Putin. Während Kiew rasche dreiseitige Gespräche unterstützt, erklärte Moskau lediglich, dazu "im Prinzip" bereit zu sein.
Zugleich wies der Kreml neue Vorschläge der Ukraine und Europas als wenig brauchbar zurück. Von Zugeständnissen ist weiterhin keine Rede.
Hinter Putins zögerlicher Haltung bei den Friedensgesprächen könnte politisches Kalkül stecken: Der Kreml dürfte darauf hoffen, dass mit dem Aufstieg rechter, russlandfreundlicher Parteien die Unterstützung für die Ukraine bröckelt.
Besonders die französische Präsidentenwahl 2027 könnte dabei eine Rolle spielen. Der rechtsnationale Rassemblement National erreicht in aktuellen Umfragen hohe Werte. Ein Erfolg der Partei könnte die europäische Ukraine-Politik verändern.
Putin könnte also darauf setzen, dass die Zeit für ihn arbeitet. Ob diese Rechnung aufgeht, ist offen. Denn auch Russland erleidet hohe Verluste, während die Ukraine mit Rekrutierungsproblemen, knappen Mitteln und Munitionsengpässen kämpft.