Wassermassen haben den Südosten Spaniens verwüstet! Innerhalb von nur 24 bis 48 Stunden fielen in der Region Valencia stellenweise mehr als 700 Liter Regen pro Quadratmeter.
Flüsse traten über die Ufer, Straßen verwandelten sich in reißende Wasserläufe und ganze Ortschaften standen unter Wasser. Mindestens vier Menschen kamen nach bisherigen Meldungen ums Leben.
Besonders dramatisch: An einem Messpunkt fiel innerhalb von zwei Tagen mehr Regen, als in Wien durchschnittlich während eines ganzen Jahres zusammenkommt. Und die Unwettergefahr im Mittelmeerraum ist noch nicht vorbei.
Die extremen Niederschlagsmengen konzentrierten sich vor allem auf die Region Valencia und den Norden der Provinz Alicante. Wie der Meteorologe Nikolas Zimmermann von der Österreichischen Unwetterzentrale (UWZ) berichtet, wurden an mehreren Messstationen südlich von Valencia mehr als 600 Liter Regen pro Quadratmeter registriert.
In Forna erreichte die gemessene Niederschlagsmenge sogar unglaubliche 720 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Wien fallen durchschnittlich etwa 670 Liter Regen und Schnee pro Quadratmeter - im gesamten Jahr.
Was in der österreichischen Bundeshauptstadt normalerweise zwölf Monate dauert, kam in Teilen Spaniens somit innerhalb von maximal zwei Tagen zusammen.
Die Folgen waren verheerend. Mehrere Flüsse traten über die Ufer, zahlreiche Straßen wurden überschwemmt oder mussten gesperrt werden. Besonders schwer betroffen waren Küstenorte zwischen Gandia und Oliva.
Einige Gemeinden waren durch die Wassermassen zeitweise nicht mehr erreichbar. Einsatzkräfte mussten Menschen aus gefährlichen Situationen retten, außerdem wurden Evakuierungen angeordnet. Nach den bis Montag veröffentlichten Angaben forderten die Überschwemmungen vier Todesopfer.
Auf der Niederschlagskarte des valencianischen Wetterdienstes AVAMET ist der Schwerpunkt der Regenfälle vom 17. bis 19. Oktober deutlich zu erkennen:
Besonders im Küstenhinterland südlich von Valencia zeigt die Karte dunkelrote bis beinahe schwarze Bereiche. Sie markieren die außergewöhnlich hohen Regenmengen, während in anderen Landesteilen deutlich weniger Niederschlag registriert wurde. Das zeigt, wie unterschiedlich sich die Unwetter innerhalb vergleichsweise kurzer Entfernungen auswirkten.
Ausgelöst wurden die Unwetter durch ein Höhentief über Westeuropa und ein weiteres Tiefdruckgebiet über Südspanien. Diese Wetterkonstellation führte feuchte Luft über das westliche Mittelmeer. Dabei entstanden kräftige Regengebiete mit eingelagerten Gewittern. Ein zusätzlicher Faktor sind die außergewöhnlich warmen Meerestemperaturen.
Auf einer Karte des Mittelmeer-Forschungszentrums CEAM vom 19. Oktober sind vor allem im westlichen Mittelmeer verbreitet positive Temperaturabweichungen zu erkennen. Das bedeutet: Das Meer war in diesen Bereichen wärmer als im langjährigen Vergleichszeitraum von 1991 bis 2020.
Warmes Meerwasser kann mehr Wasserdampf an die Atmosphäre abgeben. Unter geeigneten Wetterbedingungen steht dadurch zusätzliche Feuchtigkeit für kräftige Niederschläge zur Verfügung.
Die aktuellen Bilder wecken in Spanien schlimme Erinnerungen. Erst Ende Oktober 2024 hatten verheerende Überschwemmungen rund um Valencia mehr als 200 Menschenleben gefordert.
Starkregen im Herbst ist im Mittelmeerraum grundsätzlich keine Seltenheit. Die Kombination aus feuchter Luft, kräftigen Tiefdruckgebieten und regionalen Gewittern kann innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen hervorbringen.
Durch den Klimawandel wird das Mittelmeer zunehmend wärmer. Das kann bei entsprechenden Wetterlagen die Intensität besonders starker Niederschläge begünstigen.
Nach Spanien richtet sich der Blick der Meteorologen nun auf weitere Regionen Europas. Bis einschließlich Mittwoch (21. Oktober) sind im westlichen Mittelmeerraum zusätzliche Unwetter möglich. Am Montag besteht vor allem im Süden Frankreichs rund um Marseille erhöhte Gefahr für Starkregen.
Ab Dienstag verlagert sich der Schwerpunkt nach Norditalien. Besonders kritisch könnte die Lage im Raum Genua werden. Dort deuten Wettermodelle örtlich auf Niederschlagsmengen von mehr als 300 Litern pro Quadratmeter hin. Auch im Piemont können sich am Alpenrand größere Regenmengen stauen. Zur Wochenmitte sind außerdem Venetien und Friaul betroffen.
In Mittel- und Süditalien werden regional kräftige Gewitter erwartet. Dabei handelt es sich um Prognosen. Wo tatsächlich die größten Regenmengen auftreten, hängt von der weiteren Entwicklung der Tiefdruckgebiete ab.
Während Spanien mit extremen Wassermassen kämpft, verlief der Oktober in Österreich bislang deutlich zu trocken. Die Wetterlage über dem Mittelmeer bringt nun aber auch hierzulande einen Umschwung. Ab Mittwoch breiten sich Regengebiete von Südwesten her über Österreich aus.
Besonders in Osttirol und Kärnten sind kräftige Niederschläge möglich. Im Gebirge sinkt außerdem die Schneefallgrenze. Spanischen Regenmengen werden Österreich dabei nicht erreichen - zum Glück.
Die dramatischen Ereignisse zeigen jedoch, wie viel Energie und Feuchtigkeit derzeit im Mittelmeerraum für kräftige Unwetter zur Verfügung stehen. Und dank des menschengemachten Klimawandels werden diese künftig eher heftiger als schwächer ausfallen.