Wer in Österreich einen Termin bei einem Kassenarzt benötigt, braucht vor allem eines: sehr viel Geduld. Die zweite österreichweite Kassenarzt-Wartezeiten-Studie des Portals krankenversichern.at zeichnet ein düsteres Bild der heimischen Gesundheitsversorgung. Demnach haben sich die Wartezeiten in acht von insgesamt 14 untersuchten Fachrichtungen im Vergleich zu 2025 verlängert.
Besonders hart trifft es Patienten, die zum Internisten müssen. In der Inneren Medizin liegt die Wartezeit im Median mittlerweile bei 65 Tagen – ein neuer Höchstwert in der Messgeschichte und ein Anstieg um zwei Tage im Vergleich zum Vorjahr. Den stärksten Zuwachs verzeichnete jedoch die Kardiologie, wo man nun 45 Tage auf einen Termin wartet (+12 Tage). Auch in der Neurologie (50 Tage, +8), Pulmologie (+4), Radiologie (+3), Orthopädie und HNO (je +2) sowie der Pädiatrie (+1) müssen Patienten längere Wartezeiten in Kauf nehmen.
Lediglich in drei Fachrichtungen ging die Wartezeit zurück: in der Gynäkologie auf 34 Tage (-12), in der Urologie auf 39 Tage (-9) und bei Augenärzten auf 46 Tage (-6). Unverändert blieb die Situation beim Hausarzt mit einem Tag, der Dermatologie (36 Tage) und der Psychiatrie, die mit 61 Tagen weiterhin auf dem zweithöchsten Niveau der gesamten Erhebung verharrt.
Sebastian Arthofer, Studienleiter und Co-Gründer von krankenversichern.at, bringt das Problem auf den Punkt: "Der Kassenarzt kostet kein Geld, er hat einen Wartepreis." Dieser werde, so Arthofer, in Wochen bezahlt. Wer diese Zeit nicht habe, müsse den Termin im Wahlarztbereich in Euro bezahlen – entweder aus eigener Tasche oder über eine private Krankenversicherung.
Die Auswertung zeigt zudem massive regionale Unterschiede. Österreichweit liegt der Facharzt-Median bei 34 Tagen. Am schnellsten kommen Patienten in Wien an einen Termin, hier beträgt die Wartezeit im Schnitt 22 Tage. In Oberösterreich und Tirol sind es im Mittel 38, in Niederösterreich und der Steiermark 34 Tage. Am längsten dauert es im Burgenland mit 53 und in Vorarlberg mit 46 Tagen.
Die wahren Ausreißer verbergen sich jedoch im Detail: So wartet man in der Steiermark auf einen urologischen Kassentermin erschreckende 88 Tage. In Oberösterreich sind es in der Inneren Medizin 78 Tage – also fast drei Monate. Und selbst in Wien, dem Spitzenreiter im Bundesländervergleich, wartet man auf einen Termin in der Psychiatrie 64 Tage.
Als wäre die reine Wartezeit nicht schon Hürde genug, zeigt eine begleitende Aufnahmestopp-Studie, dass aktuell rund ein Drittel der Kassenordinationen überhaupt keine neuen Patienten mehr annimmt. Die gemessenen Wartezeiten beziehen sich laut den Erstellern nur auf jene Ärzte, die überhaupt noch Termine anbieten.
Für Arthofer ist die Konsequenz aus diesen Zahlen klar: "Wenn Patientinnen und Patienten bis zu 65 Tage auf einen Kassentermin warten und rund jede dritte Kassenordination keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnimmt, dann ist eine private Krankenversicherung für viele längst kein Luxus mehr – sondern eine Notwendigkeit."
Grundlage der Ergebnisse sind 1.601 ausgewertete Terminanfragen bei Kassenordinationen in ganz Österreich. Die Anfragen erfolgten im Zeitraum zwischen dem 21. Mai und dem 10. September 2026. Um ein reales Bild zu erhalten, wurden die Ordinationen verdeckt kontaktiert. Angefragt wurde jeweils standardisiert als neu zugezogene Person, die bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) versichert ist. Dabei ging es stets um Routine- oder Vorsorgeanliegen, ausdrücklich nicht um Akutfälle.