Österreich steuert auf ein massives Ärzteproblem zu. Zwar gibt es laut neuer Ärztestatistik insgesamt genügend Mediziner, doch viele davon fehlen dort, wo Patienten sie besonders dringend brauchen: in Kassenordinationen und Spitälern.
Mit Ende 2025 waren in Österreich 53.353 Ärzte registriert. Doch fast ein Drittel davon ist bereits älter als 55 Jahre. In den kommenden zehn Jahren werden 18.346 Mediziner das Pensionsalter von 65 Jahren erreichen oder überschreiten.
Das bedeutet: Jedes Jahr müssten durchschnittlich 1.836 Ärzte nachbesetzt werden. Und das nur, damit die aktuelle Zahl überhaupt gehalten werden kann. Der steigende Wunsch nach Teilzeit ist dabei noch gar nicht vollständig berücksichtigt.
Zwar arbeiten derzeit mehr als 6.100 Ärzte auch nach ihrem 65. Geburtstag weiter. Wie lange sich die Versorgung auf pensionierte Mediziner stützen kann, ist allerdings ungewiss.
Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart warnt vor einem falschen Schluss. Österreich habe grundsätzlich genügend Ärzte. Der Mangel betreffe vor allem das öffentliche System.
"Es gibt keinen Ärztemangel an sich, sondern einen deutlichen Mangel im öffentlichen System", sagt Steinhart. Besonders betroffen seien Kassenstellen und Krankenhäuser.
Immer mehr Ärzte würden sich für eine Wahlarztordination entscheiden. Dort könnten sie ihre Arbeitszeit freier einteilen und Beruf und Familie besser vereinbaren. Für Patienten bedeutet das allerdings oft: Sie müssen die Rechnung zunächst selbst bezahlen und bekommen nur einen Teil von der Krankenkasse zurück.
Die Ärztekammer fordert deshalb bessere Arbeitsbedingungen im öffentlichen Gesundheitssystem, Teilzeit-Kassenstellen und unkomplizierte Möglichkeiten zur Zusammenarbeit in Teams. Gleichzeitig dürften klassische Einzelordinationen nicht vernachlässigt werden.
Ohne Reformen könnte sich der Trend zu Wahlärzten weiter verstärken. Dann gäbe es auf dem Papier zwar weiterhin genügend Mediziner – für einen raschen Kassentermin hilft das den Patienten aber nicht.
Auch bei der Ausbildung sieht die Kammer Handlungsbedarf. Da gehe es nicht um mehr Studienplätze, das eigentliche Problem beginne nach der Uni, so Kammerpräsident Steinhart: Medizin-Absolventen müssten rasch Ausbildungsplätze bekommen. Derzeit würden junge Ärzte teilweise lange auf eine geeignete Stelle warten. Steinhart fordert die Spitäler auf, mehr Ausbildungsstellen zu schaffen. Statt Zwang soll es dafür finanzielle Anreize geben.