Je höher das Thermometer klettert, desto dünner werden bei vielen Menschen die Nerven. Dass Hitze die Stimmung verschlechtern und Konflikte begünstigen kann, ist kein Mythos. Doch die Ursache liegt nicht allein in den hohen Temperaturen, erklärt Stressforscherin und Gesundheitspsychologin Claudia Traunmüller von der Universität Graz.
Wer bei Sommerhitze schneller genervt reagiert oder sich leichter aufregt, bildet sich das nicht ein. Hitze kann den Körper und damit auch die Psyche belasten – vor allem dann, wenn Flüssigkeit fehlt oder der Kreislauf schlapp macht.
"Das betrifft wieder eine gewisse Personengruppe, die anfällig ist", sagt Traunmüller. Vor allem Menschen, die zu wenig trinken oder bereits gesundheitlich belastet sind, reagieren empfindlicher auf hohe Temperaturen.
Immer wieder heißt es, dass bei großer Hitze niemand mehr ordentlich Auto fahren könne. Ganz so einfach sei das aber nicht. "Ich würde jetzt nicht sagen, dass die Leute plötzlich nicht mehr Auto fahren können", stellt Traunmüller klar. Entscheidend sei vielmehr, wie man mit der Hitze umgeht. Wer dehydriert in ein aufgeheiztes Auto mit bis zu 45 Grad steigt, setzt seinen Körper zusätzlichem Stress aus.
Zu wenig Flüssigkeit kann Herz-Kreislauf-Probleme, Schwindel und eine veränderte Wahrnehmung auslösen. Das erhöht die Belastung im Alltag – und kann dazu beitragen, dass Menschen gereizter reagieren oder Fehler machen.
"Aber das ist nicht nur der Hitze geschuldet, sondern es ist dem geschuldet, wie ich mit der Hitze umgehe", betont die Expertin.
Traunmüller empfiehlt deshalb, den Körper bei Hitze bewusst zu entlasten. Wer ausreichend trinkt, sich vor dem Losfahren abkühlt und einem aufgeheizten Auto ein paar Minuten zum Auslüften gibt, reduziert die zusätzliche Belastung deutlich.
"Wenn ich fünf Minuten stehen bleibe und schaue, dass mein Auto ein bisschen abgekühlt ist und ich mich gut genug versorgt habe, dann macht einem das nicht so viel aus", sagt die Gesundheitspsychologin.