Die Hitze steht in der Wohnung, die Bettwäsche klebt an der Haut und an erholsamen Schlaf ist kaum zu denken. Sobald die Temperaturen auch nachts kaum noch sinken, greifen viele Menschen zu einem vermeintlich einfachen Trick: Sie lassen das Schlafzimmerfenster die ganze Nacht geöffnet. Schließlich soll die frische Luft für Abkühlung sorgen und das Einschlafen erleichtern. Doch genau das kann sich als Fehler entpuppen.
Heiße Sommernächte sind längst keine Ausnahme mehr. Immer häufiger bleiben die Temperaturen auch nach Sonnenuntergang unangenehm hoch. Das Problem: Damit wir einschlafen können, muss unser Körper seine Temperatur leicht absenken. Ist das Schlafzimmer zu warm, funktioniert dieser natürliche Prozess schlechter. Die Folge: Wir brauchen länger zum Einschlafen, wachen häufiger auf und verbringen weniger Zeit im erholsamen Tiefschlaf.
Fachleute empfehlen deshalb eine Raumtemperatur zwischen 16 und 19 Grad. Kein Wunder also, dass viele versuchen, mit einem dauerhaft geöffneten Fenster für Abkühlung zu sorgen.
Tatsächlich hat frische Luft durchaus Vorteile. In geschlossenen Räumen steigt über Nacht der CO₂-Gehalt kontinuierlich an. Besonders in kleineren Schlafzimmern oder wenn zwei Personen darin schlafen, kann die Luft schnell stickig werden. Gegenüber "20 Minuten" erklärt Schlafexpertin Els van der Helm, dass die CO₂-Werte in Schlafzimmern häufig drei- bis fünfmal höher liegen als im Freien. Das kann die Schlafqualität beeinträchtigen: Der Schlaf wird leichter, der Körper bleibt stärker aktiviert und die Erholung leidet.
Wer morgens regelmäßig mit trockenem Mund, Kopfweh oder dem Gefühl aufwacht, nicht richtig ausgeschlafen zu sein, sollte deshalb auf eine ausreichende Belüftung achten.
Ob ein offenes Fenster tatsächlich hilft, hängt jedoch stark vom Wohnort ab: Wer in einer ruhigen Wohngegend lebt, profitiert oft von der nächtlichen Abkühlung. Ganz anders sieht es jedoch an stark befahrenen Straßen, in Innenstädten oder in der Nähe von Bahngleisen und Flughäfen aus. Hier können Feinstaub, Abgase und andere Schadstoffe schnell ins Zimmer gelangen.
"Wenn man das Fenster auch nur einen Spalt öffnet, dringen Abgase wie Feinstaub und Stickstoffdioxid ein", verrät Kardiologe Thomas Münzel im "Spiegel"-Interview. Feinstaub und andere Luftschadstoffe gelten seit Jahren als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gelangen die winzigen Partikel in die Lunge, können sie Entzündungen auslösen und die Blutgefäße schädigen. Über längere Zeit erhöht verschmutzte Luft das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.
Eine Untersuchung mit mehr als 12.000 Erwachsenen zeigt: Wer ständigen Verkehrsabgasen und Straßenlärm ausgesetzt ist, leidet häufiger unter Tagesschläfrigkeit.
Aber auch Lärm kann auf Dauer krank machen. Der Arzt erklärt, dass chronischer Lärmstress das Risiko für verkalkte Herzkranzgefäße, Schlaganfall und Herzinfarkt erhöht. Besonders tückisch: Der Körper reagiert auf Lärm sogar dann, wenn du gar nicht richtig aufwachst. In einer Studie stiegen bereits nach einer einzigen Nacht mit Verkehrslärm die Stresshormone der Teilnehmer deutlich an.
Und dann gibt’s noch die Pollen: Im Frühling und Sommer sind sie für viele ein echtes Problem. Wer allergisch ist, bekommt durch ein offenes Fenster leicht eine verstopfte Nase, gereizte Augen und schläft noch schlechter.
Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht.
Ein Tipp zum Schluss: Wenn du die Rollläden oder Jalousien schon am Nachmittag herunterlässt, bevor die Sonne direkt aufs Fenster knallt, und die Wohnung tagsüber abdunkelst, bleibt es drinnen kühler. Die Wände speichern weniger Wärme – und vielleicht brauchst du das offene Fenster in der Nacht dann gar nicht mehr.