Mehr als 1.000 Fälle

Das musst du über das West-Nil-Virus wissen

Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus. Auch Österreich ist betroffen. Wie gefährlich ist die Krankheit wirklich? Eine Virologin ordnet ein.
Heute Life
08.09.2026, 15:32
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Mehr als 1.000 Menschen haben sich heuer in Europa bereits mit dem West-Nil-Virus infiziert. 1.086 lokal erworbene Fälle wurden bis 3. September in 15 Ländern registriert – sie hatten sich also nicht auf Reisen infiziert. Besonders stark betroffen sind Italien mit 516 und Griechenland mit 284 Fällen. Doch auch Österreich ist mittendrin.

Hierzulande wurden bislang fünf menschliche Infektionen im Jahr 2026 gemeldet, eine davon wurde aus dem Ausland eingeschleppt. Die jüngsten ECDC-Daten weisen vier lokal erworbene Fälle aus. Dazu kommen Virusnachweise bei Wildvögeln und Pferden.

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Was bedeutet das für alle, die jetzt noch die letzten Sommertage draußen genießen? Die Virologin Judith Aberle von der Medizinischen Universität Wien erklärt, wann das Virus gefährlich wird – und warum warme Sommer das Problem verschärfen.

Die Gelse wird zum Überträger

Das West-Nil-Virus wird vor allem zwischen wildlebenden Vögeln und Gelsen weitergegeben. Durch den Stich einer infizierten Gelse kann das Virus jedoch auch auf Menschen und Pferde übertragen werden. Dass das Virus gerade in Süd- und Südosteuropa so stark zirkuliert, hat laut Aberle mehrere Gründe: Längere Gelsensaisonen, viele Stechmücken und wichtige Zugvogelrouten schaffen dort besonders günstige Bedingungen. Und dann ist da noch die Hitze: "Hohe Temperaturen beschleunigen zusätzlich die Virusvermehrung in der Gelse."

Für Österreich bedeutet das: Auch hier könnte das Thema größer werden. "Mit zunehmend warmen Sommern müssen wir auch in Österreich häufiger mit Ausbrüchen rechnen", sagt die Virologin.

„Mit zunehmend warmen Sommern müssen wir auch in Österreich häufiger mit Ausbrüchen rechnen.“

Neu ist das Virus hierzulande allerdings nicht. Die heute in Europa vorherrschende Viruslinie tauchte vor gut 20 Jahren erstmals in Europa auf und breitete sich seither stark aus. In Österreich wurde der erste menschliche Fall bereits 2009 diagnostiziert. Danach traten immer wieder Infektionen auf – bisher vor allem in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

In vier von fünf Fällen merkt man nichts

Die gute Nachricht: Eine Infektion bedeutet nicht automatisch, dass man krank wird. "Die meisten Infektionen verlaufen ohne Beschwerden", erklärt Aberle. Rund jeder fünfte Infizierte entwickelt demnach grippeähnliche Symptome. Typisch sind Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Auch Hautausschlag oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Richtig ernst wird es nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen. Bei etwa einem Prozent kommt es zu einer Gehirnhaut- oder Gehirnentzündung. Warnzeichen sind hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit. Dann heißt es: ärztlich abklären lassen.

Was tun, wenn es einen erwischt?

Eine Impfung oder eine spezielle Therapie gegen das West-Nil-Virus gibt es nicht. Behandelt werden die Beschwerden – etwa mit ausreichend Flüssigkeit, Schmerzmitteln und fiebersenkenden Medikamenten.

Bei neurologischen Komplikationen kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig werden. Schwer erkrankte Patienten müssen gegebenenfalls intensivmedizinisch betreut werden.

Muss man jetzt Angst vor jeder Gelse haben?

Nein. Für die meisten Menschen bleibt das Risiko einer schweren Erkrankung sehr gering. Trotzdem lohnt sich Vorsicht – besonders in Regionen, in denen das Virus nachgewiesen wurde. Lange Kleidung, Moskitonetze und Gelsenschutzmittel können helfen. Denn die Gelsen, die das West-Nil-Virus übertragen, sind vor allem in der Dämmerung aktiv.

Aberle empfiehlt deshalb, zu dieser Tageszeit möglichst drinnen zu bleiben oder sich entsprechend zu schützen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.09.2026, 15:32