Ein heftiger Drohnenangriff hat in der Nacht auf Mittwoch ein großes Logistikzentrum des russischen Onlinehändlers Ozon in Adygeisk im Süden Russlands getroffen. Auf dem Gelände brach ein Großbrand aus.
Augenzeugenvideos zeigen meterhohe Flammen, die aus dem Gebäudekomplex schlagen. Eine gewaltige schwarze Rauchsäule steigt in den Himmel. Nach einer Auswertung von Bildmaterial durch das russische Nachrichtenportal Astra ist ein Teil des Dachs eingestürzt.
Laut dem Unternehmen konnten alle Mitarbeiter rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet. Feuerwehr und Rettungskräfte rückten mit einem Großaufgebot an.
Der Angriff richtete offenbar auch außerhalb des Warenlagers Schäden an. Laut dem regionalen Verwaltungschef Murat Kumpilow beschädigten herabfallende Drohnenteile im Ort Petrow eine Gasleitung sowie Fenster eines Wohnhauses. Das entstandene Gasleck sei inzwischen behoben worden.
Auch in der Umgebung von Tachtamukai wurden Drohnentrümmer entdeckt. Dort soll es allerdings keine Verletzten oder Schäden gegeben haben.
Das betroffene Logistikzentrum zählt zu den wichtigsten Verteilzentren von Ozon im Süden Russlands. Die Fläche des Lagerkomplexes wird auf rund 10.000 Quadratmeter geschätzt.
Für Kunden hat der Angriff unmittelbare Folgen. Ozon nimmt vorerst keine neuen Warenlieferungen für das beschädigte Lager an. Bereits unterwegs befindliche Lieferungen werden zu anderen Standorten umgeleitet. Waren aus dem betroffenen Lager werden aus dem Onlineangebot entfernt.
Bestellungen, die nicht von anderen Standorten ausgeliefert werden können, müssen storniert werden.
Ozon ist nach Wildberries der zweitgrößte Online-Marktplatz Russlands. Beide Unternehmen werden wegen ihrer dominierenden Stellung häufig mit dem US-Konzern Amazon verglichen.
Für Ozon sind die wiederholten Drohnenattacken inzwischen ein enormes finanzielles Problem. Laut Unternehmensangaben waren seit August bereits elf Logistikstandorte von entsprechenden Angriffen betroffen. Die gemeldeten Schäden belaufen sich auf insgesamt 30,1 Milliarden Rubel.
Allein im Oktober wurden bereits Ozon-Lager in Omsk und St. Petersburg von Drohnen getroffen. Nun hat es eines der wichtigsten Verteilzentren im Süden Russlands erwischt.