Fast sechs Jahre nach dem Tod von Jeffrey Epstein sorgt eine neue Recherche der "New York Times" für Aufsehen. Die Zeitung hat Notizen ausgewertet, die der verurteilte Sexualstraftäter kurz vor seinem Tod in Untersuchungshaft verfasst haben soll.
Epstein war am 10. August 2019 tot in seiner Zelle in einem Gefängnis in Manhattan gefunden worden. Die Behörden stuften seinen Tod als Suizid ein. Dennoch halten sich bis heute zahlreiche Spekulationen über die genauen Umstände seines Ablebens.
Laut der Recherche zeigen die Aufzeichnungen einen Mann, der mit seiner Situation zunehmend haderte. Neben Kritzeleien und Zeichnungen finden sich darin auch Gedanken zu seiner Verteidigung, Beschwerden über die Haftbedingungen sowie Überlegungen zu einflussreichen Persönlichkeiten aus seinem Umfeld.
Dem Bericht zufolge schilderte Epstein Wut und Verzweiflung und hinterließ dabei "deutliche Hinweise darauf, dass er mit dem Gedanken spielte, sein Leben zu beenden".
Am 18. Juli 2019, wenige Wochen vor seinem Tod, war ein Antrag auf Freilassung gegen Kaution abgelehnt worden. In seinen Notizen wandte sich Epstein gegen die Argumentation der Staatsanwaltschaft. Der Fall sei "NICHT NEU", schrieb er. Es handle sich lediglich um eine Neuauflage früherer Vorwürfe. Er "war deshalb schon einmal im Gefängnis".
Auch über den damaligen US-Präsidenten Donald Trump machte sich Epstein Notizen. Die beiden galten über Jahre als enge Bekannte, bevor ihre Beziehung in den frühen 2000er-Jahren zerbrach.
Nach Angaben der "New York Times" hoffte Epstein, durch Informationen über Trump Vorteile bei den Ermittlungen zu erlangen. In seinen Aufzeichnungen bezeichnete er den Präsidenten als "völliger Scharlatan". Trump habe "nie Geld" gehabt, schrieb Epstein. Außerdem notierte er, Trump sei "kein stabiles Genie".
Aus den Unterlagen geht laut Bericht hervor, dass Epstein die Bedingungen in der Untersuchungshaft zunehmend belasteten. Sie würden ihn daran hindern, sich angemessen auf sein Verfahren vorzubereiten.
"Kein Schlaf, keine Luft, Schreie", hielt er fest. Laut seinen Notizen hätten Wärter nachts laute Musik laufen lassen, während andere Häftlinge gegen Türen hämmerten.
Zudem behauptete Epstein, seinem Zellengenossen sei signalisiert worden, dass ein Angriff auf ihn nicht gemeldet würde. Die Situation beschrieb er als erniedrigend. "Mir wurde gesagt, ich soll Inkontinenzwindeln tragen, statt auf Toilette zu gehen."
Epstein war über Jahre in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen vernetzt und pflegte Kontakte zu Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Gleichzeitig missbrauchte er über lange Zeit Minderjährige und junge Frauen.
Gerade diese Verbindungen tragen dazu bei, dass sein Tod bis heute Gegenstand öffentlicher Debatten und Spekulationen bleibt. Die nun veröffentlichten Notizen geben erstmals detailliertere Einblicke in seine Gedankenwelt während der letzten Wochen vor seinem Tod.