Seit mehr als einem Jahrzehnt fehlt von einer jungen Deutschen jede Spur. Nun ist ihr Name überraschend in den Akten rund um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufgetaucht.
Die damals 22-jährige Michele verschwand im Jahr 2015. Nach Angaben ihrer Familie packte sie damals ihre Sachen und brach den Kontakt vollständig ab. Seitdem haben ihre Angehörigen nichts mehr von ihr gehört.
Weil es keine Hinweise auf ein Verbrechen gab, konnten die Ermittler den Fall lange Zeit nicht weiter aufklären. Neue Dokumente aus den sogenannten Epstein-Akten könnten nun jedoch neue Fragen aufwerfen.
Die Unterlagen werden seit Ende 2025 vom US-Justizministerium veröffentlicht. Darin finden sich E-Mails, Chatverläufe und weitere Dokumente aus dem Umfeld von Epstein, der wegen sexuellen Missbrauchs und Menschenhandels in die Schlagzeilen geraten war.
Unter den tausenden Seiten taucht nun auch der Vorname der vermissten Deutschen auf. Erwähnt wird Michele in Nachrichten eines Mannes namens Daniel Siad. Der Schwede mit algerischen Wurzeln stand laut den Dokumenten seit den 2000er-Jahren mit Epstein in Kontakt und bezeichnet sich selbst als Modelvermittler.
Den Akten zufolge wird Siad mehr als 2.000 Mal erwähnt. Es besteht der Verdacht, dass er Teil des Netzwerks rund um Epstein gewesen sein könnte. Siad weist dies zurück und erklärt, er habe nichts von möglichen Missbräuchen gewusst.
Recherchen von "Spiegel" und "ZDF" bringen den Mann nun auch mit dem Verschwinden von Michele in Verbindung.
Nach Angaben ihrer Familie wollte die junge Frau Model werden. Bereits 2012 zog sie vorübergehend nach Dubai. Dort soll sie laut ihren Eltern Daniel Siad kennengelernt haben.
Ihre Mutter berichtete, Michele habe von Luxusreisen und Aufenthalten in teuren Hotels erzählt. Wie sie diesen Lebensstil finanzierte, habe sie jedoch nie erklärt.
In den veröffentlichten Unterlagen findet sich ein E-Mail-Verkehr zwischen Siad und Epstein, in dem offenbar auch Michele erwähnt wird. Demnach verschickte Siad im Februar 2014 Fotos der jungen Frau an Epstein.
Wenige Wochen später soll er den Finanzinvestor gefragt haben, ob dieser ein Flugticket für Michele organisieren wolle. Sie sei "sehr cool". Zudem schrieb Siad an Epstein: "Du wirst sie lieben."
Ob tatsächlich die vermisste Deutsche gemeint war und ob es jemals zu einem Treffen mit Epstein kam, geht aus den veröffentlichten E-Mails nicht hervor.
Schon seit Jahren gibt es Vorwürfe, dass Frauen und Models in das Umfeld des Investors gelockt und teilweise zur Prostitution gedrängt worden seien. Ob Michele davon betroffen war, ist unklar.
Ihre Familie schilderte gegenüber dem "Spiegel", dass die junge Frau mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen gehabt habe und mehrfach in Kliniken behandelt worden sei. Die Angehörigen hoffen nun, dass die neuen Dokumente Hinweise auf ihr Schicksal liefern könnten.