Die Preise an den Zapfsäulen schießen in die Höhe – und jetzt wird auch klar, warum. Eine brisante Analyse im Auftrag von Greenpeace zeigt nämlich: Hinter dem Preisschock steckt nicht nur teureres Rohöl, sondern auch eine massive Ausweitung der Gewinne durch die Ölkonzerne – wie schon 2022. Allein in den ersten drei Wochen im März sollen es EU-weit rund 81,4 Millionen Euro gewesen sein, pro Tag wohlgemerkt.
Der größte Brocken entfällt dabei auf Diesel – und trifft damit Pendler, Transportfirmen (und damit auch den Lebensmittelhandel) sowie die gesamte Wirtschaft besonders hart. Allein hier sollen täglich rund 75,3 Millionen Euro zusätzlich verdient worden sein. Benzin fällt mit 6,1 Millionen Euro pro Tag deutlich weniger ins Gewicht.
Österreich spielt hier laut der Erhebung des Forschungs- und Beratungsbüros EnergyComment Hamburg ganz vorn in der Abkassierer-Liga mit. Gemeinsam mit Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien zählen heimische Tankstellenmärkte zu jenen, in denen die Gewinnspannen besonders stark ausgeweitet wurden.
Grund für die in wohlhabenderen Ländern besonders aggressive Abschöpfungsstrategie ist laut Analyse-Autor Steffen Bukold die Kombi aus hoher Kaufkraft und geringer "Preiselastizität". Heißt: Autofahrer und Unternehmen verändern ihr Tankverhalten selbst bei steigenden Preisen nur geringfügig – auch weil sie in vielen Fällen keine andere Wahl haben.
Im Detail zeigt sich: In Österreich wurden auf den Liter Diesel 22,9 Cent draufgeschlagen, die direkt in den Gewinn der Ölmultis fließen. Damit belegen wir im EU-Vergleich den unrühmlichen 4. Platz. Vor uns liegen nur noch Dänemark (+23 Cent/Liter), Schweden (+23,6 Cent) und die Niederlande (+25,6 Cent).

Auch bei Benzin haben die Ölkonzerne laut EnergyComment die Gunst der Stunde genutzt, wenn auch marktbedingt (es gibt mehr Benzin) weniger ausgeprägt. Konkret wurde die Gewinnmarge bei uns laut Berechnung um 5,1 Cent pro Liter angehoben, womit wir auf Platz 2 in Europa rangieren – nur übertroffen von Deutschland mit +6,2 Cent.
Allerdings wird nicht überall gleichermaßen abkassiert. Vor allem in EU-Staaten mit vergleichsweise geringer Kaufkraft oder dort, wo staatliche Stellen schnell eingegriffen haben bzw. ein starker Wettbewerb herrscht, haben Ölkonzerne ihre Gewinnspannen sogar gesenkt. Den stärksten Rückgang verzeichnete Malta mit -16,8 Cent bei Diesel bzw. -18,9 Cent bei Benzin. Weitere kräftige Abschläge gab es in der Slowakei, in Slowenien, Ungarn, Kroatien.
Und was bringt’s den Ölriesen tatsächlich? Unterm Strich summieren sich die Aufschläge in Österreich, so der Bericht, auf einen täglichen Überschussgewinn von 3,8 Millionen Euro. Mehr sind es nur in Polen (8,8 Millionen), Italien (10,4 Millionen), Spanien (11,5 Millionen), Frankreich (11,6 Millionen) und Deutschland (23,8 Millionen).
In sechs Ländern (Litauen, Luxemburg, Lettland, Finnland, Estland, Rumänien) blieben die täglichen Übergewinne hingegen bei unter einer Million Euro. In acht Staaten (Zypern, Malta, Bulgarien, Kroatien, Irland, Slowenien, Ungarn, Slowakei) waren sie sogar negativ.
Was die Studie auch zeigt: Allein im März dürfen sich die Ölmultis in der EU wohl über zusätzliche Gewinne in Höhe von 2,5 Milliarden Euro freuen.