TikTok-Trend gegen Teuerung

Wenn du DAS tankst, machst du dich strafbar

Sprit wird immer teurer – und im Netz kursieren immer wildere Spartipps. Ein viraler TikTok-Trend sorgt jetzt für echte Probleme.
Artiola  Zhabota
23.03.2026, 19:00
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Die Zapfsäule klickt, die Anzeige läuft – und der Blick wandert ungläubig auf den Preis. Tanken ist längst kein Nebenbei-Kostenpunkt mehr, sondern für viele zur echten Belastung geworden. Kein Wunder also, dass im Netz immer öfter nach günstigen Alternativen gesucht wird. Doch was aktuell auf TikTok kursiert, sorgt selbst bei Experten für Kopfschütteln: User kippen literweise Sonnenblumenöl in ihre Autotanks – als angeblich billigen Diesel-Ersatz.

Spritpreise im Vergleich
Die günstigsten Tankstellen in deiner Nähe
Basierend auf Daten von e-control, ohne Gewähr für die Richtigkeit.

Was wie ein schlechter Scherz klingt, wird in einigen Videos ernsthaft vorgeführt. Doch funktioniert das wirklich? Und vor allem: Ist es legal?

Skurrile Sprit-Alternative

Wenn Spritpreise steigen, wächst die Kreativität – zumindest im Internet. Auf TikTok zeigen Nutzer immer wieder, wie sie Sonnenblumenöl aus dem Supermarkt in den Tank füllen. Die Botschaft: günstiger fahren ohne teuren Sprit.

Doch was simpel aussieht, ist in Wahrheit hochproblematisch: Denn moderne Autos sind technisch hochkomplex – und nicht für solche Experimente gemacht.

"Motor wird Schaden nehmen"

Im "Heute"-Interview stellt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl klar: "Moderne Dieselmotoren sind vollkommen auf normierte Kraftstoffe optimiert."

Konkret bedeutet das: Diesel muss strenge Vorgaben erfüllen. "Wenn die Kraftstoffe auf mineralischer Basis hergestellt werden, müssen sie der Norm EN 590 entsprechen." Für alternative Kraftstoffe gilt: "Wenn die Kraftstoffe auf pflanzlicher Basis hergestellt werden, müssen sie der Norm EN 15940 entsprechen."

Fehlt diese Norm, wird es kritisch: "Fehlt diese Kennzeichnung (Norm EN…) am Kraftstoff, wird der Motor auf Dauer nicht funktionieren, Schaden nehmen oder erst gar nicht anspringen."

Selbst Biodiesel problematisch

Viele denken: Wenn es Biodiesel gibt, müsste Pflanzenöl doch auch funktionieren – so einfach ist es aber nicht. "Selbst der bereits kraftstoffähnliche Fettmethylester, besser bekannt als Rapsmethylester oder Biodiesel, kann bei den meisten modernen Fahrzeugen nicht einfach so getankt werden", erklärt Kerbl. Stattdessen wird er nur in kleinen Mengen beigemischt – gesetzlich vorgeschrieben sind rund sieben Prozent im normalen Diesel.

Reines Pflanzenöl aus dem Geschäft? Keine Chance. "Also: Pflanzenöle aus dem Supermarktregal werden schon beim Starten des Motors zu Problemen führen, viele Dieselmotoren springen erst gar nicht an."

Auch alte Motoren bleiben nicht verschont

Wer glaubt, mit einem alten Dieselauto auf der sicheren Seite zu sein, liegt ebenfalls falsch: "Selbst ältere Motoren – 1980er Jahre oder früher – laufen (ohne spezielle Umbaumaßnahmen) mit dem Pflanzenöl nicht sauber", betont der ÖAMTC-Techniker gegenüber "Heute".

Der Grund: Das Öl verbrennt schlechter. "Es kommt zu einer Vermengung des Motoröls mit unverbranntem Pflanzenöl, da dieses nicht sehr zündwillig ist." Die Folge: Schäden am Motor sind vorprogrammiert.

Auch rechtlich heikel

Neben technischen Problemen drohen auch rechtliche Konsequenzen: "Natürlich sollte immer der Kraftstoff getankt werden, der in der Kfz-Betriebsanleitung angeführt ist. Ansonsten droht Garantieverlust", erläutert Kerbl.

Doch es geht noch weiter: "Da Pflanzenöl nicht als Kraftstoff eingestuft ist, sondern als Lebensmittel, ist die Besteuerung günstiger. Sobald ein Kraftfahrzeug mit etwas anderem als mit ausgewiesenem Kraftstoff betankt wird, besteht grundsätzlich das Delikt der Steuerhinterziehung", warnt der Techniker schließlich.

{title && {title} } AZ, {title && {title} } 23.03.2026, 19:00
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