Dieser gemeinsame Auftritt sorgte in der Tiroler Politiklandschaft für einen Eklat. In einem Video sprach der FPÖ-EU-Abgeordnete Gerald Hauser mit dem ehemaligen Sprecher der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung, Martin Sellner. Dabei ging es um den "EU-Wahnsinn und die Alpenwende", aber auch gegen ÖVP und SPÖ wurde ausgeteilt – zuerst berichtete die "Tiroler Tageszeitung" darüber.
Hauser ist bereits seit Jahrzehnten in der FPÖ tätigt, zuerst als Bürgermeister in St. Jakob in Defereggen (Bezirk Lienz), dann als Landesparteiobmann der Tiroler FPÖ und als Nationalratsabgeordneter. Seit 2024 sitzt er als EU-Abgeordneter in Brüssel. Sellner überhäufte den Freiheitlichen in dem neunminütigen Video mit Lob.
Der rechtsextreme Aktivist bezeichnete Hauser als "stabilsten Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs", dankte ihm für seine Arbeit für Remigration und gratulierte dem Blauen für seinen Mut, sich mit ihm vor die Kamera zu stellen.
Hauser ging seinerseits darauf ein, dass er den "Wahnsinn" auf EU-Ebene, der "unsere Kultur, unsere Tradition und unsere Identitäten zerstört" stoppen wolle. Auch mit Seitenhieben gegen den politischen Mitbewerber wurde nicht gespart. So bezeichnete der Freiheitliche die ÖVP als "trojanisches Pferd" und "Globalisten in Lederhose".
Problematisch sah SOS Mitmensch das Gespräch zwischen Sellner und Hauser. In einer Aussendung bezeichnete man "die offene Verbrüderung der FPÖ mit den Identitären" als einen "gefährlichen Dammbruch". Die FPÖ würde damit die Schleusen zum "verfassungsfeindlichen Rand" öffnen.
Auch aus der Tiroler Landespolitik hagelte es Kritik. Seitens der Tiroler Grünen betonte man, dass sich die FPÖ "bewusst in die Nähe von Rassismus und Antisemitismus" begibt. Die Tiroler Neos-Chefin, Birgit Obermüller, warf den Freiheitlichen Hetze und Spaltung vor, die SPÖ-Nationalratsabgeordnete Sabine Schatz sprach von einer Verbrüderung der FPÖ mit "Verfassungsfeinden".
Und was sagt die Partei des Tiroler Landeshauptmanns? Ende 2024 hatte Anton Mattle (ÖVP) in einem APA-Interview noch von einer Öffnung zur FPÖ gesprochen. Man wolle sie nach der Wahl 2027 nicht von vorneherein als Koalitionspartner ausschließen.
Nun dürfte dies jedoch wieder etwas anders gesehen werden. Tirols ÖVP -Migrationssprecher Sebastian Kolland betonte, dass sich die Volkspartei von der FPÖ abgrenze. In der zentralen Frage der Migration stehe die ÖVP zwar für einen harten Kurs, lehne aber jede Form von pauschaler Ausgrenzung aufgrund der Herkunft, Religion oder Hautfarbe ab. Dies sei der Unterschied zur FPÖ.
Auf Landesebene müsse man nun sehen, welchen Kurs die Freiheitlichen unter Klubobmann Markus Abwerzger einschlagen. Die Frage sei hier, "ob sich jener Flügel durchsetzt, der bewusst die Nähe zu rechtsextremen Provokateuren sucht, oder jene Kräfte, denen es wirklich um verantwortungsvolle und konstruktive Politik geht", so Kolland.