Notstand in Belgien

Gefängnisse voll! Häftlinge müssen am Boden schlafen

Belgiens Gefängnisse sind völlig überfüllt. Über 700 Häftlinge müssen auf Matratzen am Boden schlafen, während die Regierung nach Entlastung sucht.
Newsdesk Heute
07.06.2026, 13:28
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Belgien kämpft mit einem massiven Platzmangel in seinen Gefängnissen. Hunderte Insassen müssen inzwischen auf Matratzen am Boden schlafen, während die Regierung mit Notmaßnahmen versucht, die Situation zu entschärfen.

Besonders deutlich zeigt sich das Problem in der Haftanstalt Saint-Gilles in Brüssel. Das 1884 eröffnete Gefängnis gilt als stark veraltet und sollte eigentlich bereits Ende 2024 geschlossen werden. Stattdessen entschied die Regierung, den Betrieb bis 2035 fortzuführen und die Kapazität von 515 auf 600 Plätze auszubauen.

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Häftlinge schlafen am Boden

Der Hintergrund: Landesweit fehlen Haftplätze. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga mussten im April 763 Häftlinge wegen Überbelegung auf Matratzen am Boden schlafen – ein Rekordwert. Auf rund 11.000 verfügbare Gefängnisplätze kommen demnach etwa 13.500 Insassen. Teilweise werden Zellen, die für zwei Personen vorgesehen sind, mit drei Häftlingen belegt.

Für die Überlastung gibt es mehrere Ursachen. Die belgischen Behörden verzeichnen eine zunehmende Strafverfolgung im Drogenmilieu. Allein in Brüssel habe sich die Zahl der Haftbefehle im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, teilte die Staatsanwaltschaft in ihrem Jahresbericht mit.

Hinzu kommt, dass psychisch kranke Straftäter und als schuldunfähig eingestufte Personen häufig in Gefängnissen untergebracht werden, weil es an geeigneten Pflege- und Betreuungseinrichtungen außerhalb des Strafvollzugs mangelt.

Die Situation sorgt seit längerem für Alarmstimmung. Bereits im Oktober 2025 wandten sich belgische Gefängnisdirektoren gemeinsam mit Personalvertretern und Gewerkschaften in einem offenen Brief an die Politik. "Diesen Aufruf politisch zu ignorieren, ist keine Option mehr. Die rote Linie ist nun überschritten worden. Wir können das einfach nicht mehr ertragen", hieß es darin.

Notstandsgesetz

Nach Einschätzung der Experten hat die Überbelegung zahlreiche Folgen. Sie könne Kriminalität innerhalb der Gefängnisse fördern, das Verhältnis zwischen Personal und Insassen belasten und die Gefahr unmenschlicher oder erniedrigender Behandlungen erhöhen.

Um gegenzusteuern, trat in Belgien bereits im Sommer 2025 ein Notstandsgesetz in Kraft. Dieses soll frühere Entlassungen ermöglichen und neue Haftplätze schaffen. Zudem müssen Richter künftig genauer begründen, warum eine Freiheitsstrafe notwendig ist.

Haftpläze im Ausland mieten?

Die Regierung sucht außerdem nach weiteren Lösungen. Premierminister Bart De Wever brachte Anfang 2026 den Vorschlag ins Spiel, 1.300 verurteilte Straftäter mit Fußfesseln zu Hause zu überwachen statt sie in Gefängnissen unterzubringen.

Justizministerin Annelies Verlinden verfolgt zusätzlich Pläne, Haftplätze im Ausland anzumieten. Gemeinsam mit Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt prüfte sie zuletzt Möglichkeiten in Estland. "Wenn eine hier verurteilte Person ohne Aufenthaltsrecht ihre Strafe in ihrem Herkunftsland oder in einer ausländischen Haftanstalt verbüßen kann, bedeutet dies sowohl die korrekte Vollstreckung des Urteils als auch gleichzeitig eine erhebliche Effizienzsteigerung für unsere Justizvollzugsanstalten", erklärte Verlinden.

Zuvor hatten die Ministerinnen bereits Gespräche über mögliche Kooperationen mit Kosovo und Albanien geführt. Laut Belga kamen diese Überlegungen wegen zu hoher Risiken bislang jedoch nicht über eine technische Prüfung hinaus.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.06.2026, 13:28
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