Nach Ardo-Aus

Gemüse gerettet, doch 240 Ardo-Jobs weiter in Gefahr

Nach dem Ardo-Aus in Groß-Enzersdorf retten heimische Firmen die Gemüseproduktion im Marchfeld. Für rund 240 Beschäftigte bleibt die Zukunft ungewiss.
08.11.2026, 18:05
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Erst der große Schock, jetzt die überraschende Wende! Nach der angekündigten Schließung des Tiefkühlgemüsewerks von Ardo in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) gibt es endlich gute Nachrichten für die Bauern im Marchfeld. Gleich mehrere österreichische Unternehmen springen ein und wollen ihre Verarbeitung ausbauen. Damit soll die Versorgung mit heimischem Tiefkühlgemüse gesichert bleiben.

Nach wochenlangen, schwierigen Verhandlungen ist die heimische Lösung gelungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG). Über neue Abnehmer sollen künftig bis zu rund 2.000 Hektar Anbaufläche abgesichert werden.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Diese Firmen springen jetzt ein

Zu den neuen Partnern zählt unter anderem das Unternehmen Waldland. Auch Schneiders Gemüseland aus Groß-Enzersdorf will seine Verarbeitungskapazitäten deutlich erweitern und damit zusätzliche Absatzmöglichkeiten für die Bauern schaffen. Auf den Feldern sollen künftig unter anderem Sojabohnen, Edamame, Blatt- und Wurzelgemüse, Kräuter sowie Erdäpfel angebaut werden. Sogar eine eigene Verarbeitungslinie für Blattgemüse wird geprüft.

Die überraschende Perspektive: Im Marchfeld könnte künftig sogar mehr Gemüse angebaut werden als vor dem Ardo-Aus.

Scharfe Kritik am belgischen Konzern

Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) und der designierte Landwirtschaftskammerpräsident Lorenz Mayr zeigen sich erleichtert. "Es ist gelungen, die Versorgung mit rot-weiß-rotem Gemüse zu sichern!", erklären die beiden.

Gleichzeitig erheben sie schwere Vorwürfe gegen Ardo. Der belgische Konzern habe sich gegen eine Übernahme des Werks oder der Spezialmaschinen durch heimische Investoren gesperrt, um neue Konkurrenz zu verhindern.

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig! Mail an uns

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) spricht von einer starken Lösung für die heimische Gemüseversorgung. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) sieht darin vor allem neue Planungssicherheit für die Bauern.

Für 240 Beschäftigte geht das Zittern weiter

Doch während die Gemüsebauern aufatmen können, bleibt die Lage für die Beschäftigten des Ardo-Werks dramatisch. Rund 240 Arbeitsplätze, einschließlich Leiharbeitern, sind von der geplanten Schließung im kommenden Jahr betroffen. Die Verhandlungen über einen Sozialplan blieben bisher ohne Einigung. Deshalb wollen die Gewerkschaften PRO-GE und GPA gemeinsam mit dem Betriebsrat den Druck auf den Konzern erhöhen.

Für Montag, 9. November, um 8 Uhr morgens ist eine große Protestkundgebung vor dem Werk in der Marchfeldstraße (Groß-Enzersdorf) angekündigt. Auch Gewerkschaftsspitzen und Arbeiterkammerpräsident Markus Wieser sollen daran teilnehmen. Ob es noch zu einer Einigung kommt, ist offen. Die neue Lösung für die Gemüseproduktion bedeutet jedenfalls nicht automatisch eine Rettung der Arbeitsplätze.

Für die Bauern im Marchfeld gibt es damit wieder Hoffnung. Heimisches Tiefkühlgemüse soll auch künftig in Österreichs Supermarktregalen landen. Für die rund 240 Betroffenen bei Ardo steht die entscheidende Frage aber noch immer im Raum, wie es mit ihren Arbeitsplätzen weitergeht.

VF, 08.11.2026, 18:05