Die Stimmung beim Tiefkühlkonzern Ardo in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wird immer angespannter. Das Werk soll im Sommer 2027 endgültig schließen, 190 Beschäftigte sind betroffen. Nach sechs gescheiterten Verhandlungsrunden über einen Sozialplan wächst der Unmut in der Belegschaft. Für kommenden Montag (9. November) ist nun eine große Demonstration vor dem Werk geplant.
Am Montagvormittag fand zunächst eine Betriebsratssitzung statt, um 13.30 Uhr folgte eine Betriebsversammlung. Dort wurde über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert.
"Die Kollegen sind stinksauer", erklärte Betriebsrat Dietmar Breiner am Montag im Gespräch mit "Heute". Die Firmenleitung habe am Montag von einem "guten Angebot" gesprochen und ein Modell mit einer Art Punktesystem präsentiert. Für Breiner ist das jedoch völlig unzureichend: "Das ist nicht ausreichend und kein Sozialplan."
Bereits zuvor hatte der Betriebsrat die bisherigen Angebote scharf kritisiert. Diese seien "eines Sozialplans nicht würdig". Auch die Gewerkschaft PRO-GE zeigte sich enttäuscht über die aus ihrer Sicht nur minimalen Verbesserungen.
Die Gewerkschaft verfolgt weiterhin zwei zentrale Ziele: Einerseits soll es auch künftig ein Tiefkühlgemüsewerk in Österreich geben, in dem heimisches Gemüse verarbeitet wird. Andererseits fordert man einen ordentlichen Sozialplan für die von der Schließung betroffenen Beschäftigten.
Der Konflikt betrifft damit nicht nur die Mitarbeiter des Werks, sondern auch zahlreiche Landwirte aus der Region, die ihr Gemüse bisher an Ardo liefern.
Am kommenden Freitag (6. November) soll die siebente Verhandlungsrunde stattfinden. Ob es dabei zu einer Annäherung kommt, ist offen. Laut Breiner ist auch der Gang vor ein Schiedsgericht weiterhin nicht ausgeschlossen.
Ein weiterer Kritikpunkt des Betriebsrats ist die Rolle der belgischen Konzernführung. Diese sei bei den Verhandlungen nicht persönlich vertreten, während die österreichische Geschäftsführung laut Breiner kaum Entscheidungsspielraum habe.
Ardo weist diese Darstellung zurück. Das österreichische Verhandlungsteam verfüge über ein umfassendes Mandat und sei eng mit der Konzernzentrale abgestimmt, betonte ein Unternehmenssprecher zuletzt.
Am Montag, dem 9. November, wollen Beschäftigte und Bauern gemeinsam vor dem Werk in Groß-Enzersdorf demonstrieren. Die Kundgebung soll nach derzeitigem Stand um 8 Uhr beginnen, wobei sich die Uhrzeit noch ändern könnte.
Mit dem Protest wollen Betriebsrat und Gewerkschaft den Druck auf den Konzern erhöhen. Für die 190 betroffenen Mitarbeiter bleibt die Zukunft vorerst ungewiss.