Das Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) sorgt weiter für Wirbel! Ende Dezember wird die Produktion von Tiefkühlgemüse eingestellt, im August 2027 soll der Standort endgültig zusperren – "Heute" berichtete. Jetzt schlagen auch die "Wir Niederösterreicherinnen-ÖVP-Frauen" Alarm. Sie fürchten um gesundes Gemüse aus der Region und die Existenz zahlreicher Bauernfamilien.
Ihre klare Forderung: Gemüse aus dem Marchfeld muss auch künftig in der Region verarbeitet werden und auf den Tellern heimischer Familien landen.
Gerade für Familien sei Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld unverzichtbar. Ob nach der Arbeit, zwischen Kindergarten und Hausaufgaben oder beim schnellen Mittagessen: Gemüse aus der Tiefkühltruhe ist rasch zubereitet, gut portionierbar und ganzjährig verfügbar.
"Wir Frauen wissen, wie viel im Familienalltag zu stemmen ist. Gerade deshalb wollen wir uns darauf verlassen können, dass beim Einkauf gesundes Tiefkühlgemüse aus Niederösterreich in unseren Einkaufswägen landet – und nicht Ware, die quer durch Europa gefahren wurde", erklärt Landesobfrau und Landtagsabgeordnete Silke Dammerer (ÖVP).
Wie dramatisch die Lage ist, zeigte zuletzt auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP). Wie "Heute" berichtete, hält er weitere Gespräche mit Ardo für aussichtslos. Der Konzern bleibt trotz politischer Bemühungen bei seiner Entscheidung.
Besonders brisant: In Groß-Enzersdorf befindet sich die einzige Produktionslinie für Tiefkühlspinat in Österreich. Ob es 2027 weiterhin heimischen Tiefkühlspinat in den Supermärkten geben wird, ist ungewiss. "Ich kann gar nichts garantieren", räumte Totschnig ein. Gleichzeitig laufen Gespräche mit möglichen Investoren, um eine Alternative für die heimische Gemüseverarbeitung zu finden.
Für die Marchfelder Bauern steht besonders viel auf dem Spiel. Viele Familienbetriebe produzieren seit Jahrzehnten Gemüse für die Tiefkühlindustrie. Dafür wurde kräftig investiert: in Beregnungsanlagen, Spezialmaschinen und die entsprechenden Anbauflächen. Ein Umstieg auf andere Kulturen ist für viele Betriebe wirtschaftlich kaum machbar. Es fehlen Maschinen, Lagerkapazitäten und vor allem sichere Abnehmer.
"Unsere Bauernfamilien im Marchfeld erzeugen seit Jahrzehnten hochwertiges Gemüse und haben dafür viel in ihre Betriebe investiert. Nun droht eine wichtige regionale Wertschöpfungskette verloren zu gehen", warnt Landwirtschaftskammer-NÖ-Vizepräsident Lorenz Mayr. Sein Ziel sei klar: Die Verarbeitung müsse langfristig in der Region abgesichert werden. Nur mit verlässlichen Absatzmöglichkeiten hätten die Gemüsebauern eine Perspektive.
Noch gibt es Hoffnung: Mehrere Unternehmen und Investoren zeigen Interesse an einer möglichen Nachfolgelösung. Auch Bund und Land wollen die heimische Tiefkühlgemüseproduktion erhalten. Doch die Zeit drängt. Erste Bauern haben bereits auf die Aussaat von Winterspinat verzichtet. Die heurige Ernte soll Ardo noch vollständig verarbeiten.
Fest steht: Nach rund 80 Jahren Tiefkühlgemüseproduktion im Marchfeld droht eine lange Tradition zu Ende zu gehen. Ob Karotten, Spinat und Rotkraut auch künftig aus heimischer Verarbeitung in den Tiefkühltruhen landen, ist derzeit offen.