11.000 Mädchen betroffen

"Grausame Gewalt" – Ministerinnen greifen jetzt durch

Mit einem neuen, offiziellen Schutzbrief will Österreich Mädchen vor Genitalverstümmelung schützen. Tätern drohen bis zu 15 Jahre Haft.
16.10.2026, 08:41
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Rund 11.000 Mädchen und Frauen sind in Österreich von Genitalverstümmelung betroffen. Jetzt will die Regierung verstärkt gegen diese schwere Form der Gewalt vorgehen. Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) präsentierten am Donnerstag im Bundeskanzleramt einen neuen Schutzbrief, der Mädchen schützen und weitere Fälle verhindern soll.

"Genitalverstümmelung ist keine harmlose Tradition", stellte Bauer klar. Vielmehr handle es sich um "pure körperliche Gewalt" mit massiven Folgen für Gesundheit und Psyche.

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Bis 15 Jahre Haft drohen

Bei weiblicher Genitalverstümmelung werden die äußeren Geschlechtsorgane teilweise oder vollständig entfernt oder verletzt. Die Folgen reichen von lebenslangen Schmerzen und Infektionen bis zu schweren Komplikationen bei Schwangerschaften. Im schlimmsten Fall kann der Eingriff tödlich enden.

In Österreich ist Genitalverstümmelung streng verboten. Tätern drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis. Auch Eltern und Verwandte, die einen solchen Eingriff veranlassen oder daran beteiligt sind, können bestraft werden.

Besonders wichtig: Unter bestimmten Voraussetzungen gilt das Verbot auch dann, wenn die Verstümmelung im Ausland durchgeführt wird. Selbst die Zustimmung der Betroffenen macht den Eingriff nicht legal.

"Wir schauen nicht weg"

Frauenministerin Holzleitner fordert eine klare Haltung: "Wir schauen nicht weg: Wir schützen gefährdete Mädchen, unterstützen Betroffene und gehen konsequent gegen diese Form der Gewalt vor!"

Für die SPÖ-Ministerin steht fest: "Körperliche Unversehrtheit von Mädchen und Selbstbestimmung sind für uns nicht verhandelbar." Genitalverstümmelung sei eine Menschenrechtsverletzung, gegen die konsequent vorgegangen werden müsse.

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133

Offizieller Schutzbrief

Der neue Schutzbrief ist ein offizielles Dokument der Republik Österreich. Er erklärt in verständlicher Sprache die Rechtslage, mögliche Strafen und die gesundheitlichen Folgen.

Vor allem bei Auslandsreisen soll er gefährdeten Mädchen und ihren Familien helfen. Das Schreiben kann ausgedruckt oder auf dem Handy mitgenommen werden, um auch gegenüber Verwandten klarzumachen, dass Genitalverstümmelung eine schwere Straftat ist.

Als Vorbild dienten Deutschland und die Schweiz. Hilde Wolf, Leiterin der österreichweiten FGM-Koordinationsstelle (FGM = Female Genital Mutilation), spricht von einem "konkreten verständlichen Instrument, das wir Frauen und Mädchen in die Hand geben".

Künftig soll der Schutzbrief in Gesundheitseinrichtungen, Schulen und anderen pädagogischen Einrichtungen aufliegen. Auch Behörden sollen verstärkt für das Thema sensibilisiert werden. Online ist das Dokument ebenfalls verfügbar.

Hier gibt es Hilfe

Betroffene und gefährdete Mädchen können sich kostenlos und vertraulich an die österreichweite FGM-Koordinationsstelle unter 01 267 72 67 wenden. Die Frauenhelpline gegen Gewalt ist unter 0800 222 555 rund um die Uhr erreichbar.

sea, 16.10.2026, 08:41