Erreger "sehr gefährlich"

Hantavirus-Spur nach Österreich – das gilt jetzt

Das Andes-Hantavirus ist extrem tödlich und kann selten zwischen Menschen übertragen werden. Experten warnen aber davor, jetzt in Panik zu verfallen.
Christine Scharfetter
14.05.2026, 08:26
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Das Hantavirus, genauer gesagt die Andes-Variante, sorgt nach einem Vorfall auf einem Kreuzfahrtschiff international für Aufsehen – und hat seinen Weg nach Österreich gefunden. Der Erreger gilt als besonders gefährlich. "Es ist sehr gefährlich und tötet zwischen 20 und 40 Prozent der Leute, die es infiziert", sagt Virologe Florian Krammer, der an der Icahn School of Medicine in New York sowie an der MedUni Wien tätig ist. Im Vergleich dazu liege die Sterblichkeit beim in Österreich verbreiteten Puumala-Typ nur bei rund 0,5 Prozent.

Besonders tückisch: Das Andes-Virus ist laut Krammer das einzige bekannte Hantavirus, das auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Weltweit seien bisher aber nur wenige dokumentierte Ausbrüche bekannt, erklärt der Experte.

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Keine Pandemie-Gefahr

Nach dem Vorfall auf dem Kreuzfahrtschiff hält Krammer die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung dennoch für gering. "Ich glaube, die Annahme von vielen Experten – auch von mir – ist, dass vielleicht noch ein paar Fälle auftauchen werden, aber dass das unter Kontrolle ist", sagt er. Weil Mensch-zu-Mensch-Übertragungen selten seien, gebe es noch viele offene Fragen. Behörden würden deshalb besonders vorsichtig reagieren.

Übertragung durch Mäuse – und womöglich über Tröpfchen

Wie andere Hantaviren stammt auch das Andes-Virus ursprünglich von Nagetieren. Hauptüberträger ist in Südamerika die Langschwanz-Zwergreisratte. Menschen infizieren sich meist über Ausscheidungen der Tiere.

"Wenn Urin oder Kot eintrocknen und Staub aufgewirbelt wird, kann man das einatmen und sich infizieren", erklärt Krammer. Auch Kratzer oder Bisse seien möglich, aber seltener.

Wie genau die Mensch-zu-Mensch-Übertragung funktioniert, ist dagegen noch nicht vollständig geklärt. Die wahrscheinlichste Erklärung seien respiratorische Tröpfchen. "Man kann aber auch nicht ausschließen, dass sich gelegentlich Aerosole bilden", so der Virologe. Auch andere Übertragungswege würden diskutiert.

Hantavirus - was du wissen musst:

> Typische Übertragung: In der Regel durch Einatmen von aufgewirbeltem, viruspartikelhaltigem Staub (Kot, Urin, Speichel von Mäusen).
> Ausnahme Andes-Virus: Nur bei diesem spezifischen Hantavirus-Typ wurde eine Übertragung zwischen Menschen nachgewiesen.
> Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Primär bei sehr engem, längerem Kontakt mit Infizierten, oft im familiären Umfeld oder bei der Pflege.
> Ansteckungsfähigkeit: Infizierte Personen mit dem Andes-Virus können bereits ab Beginn leichter Symptome ansteckend sein.
> Symptome: Plötzlich hohes Fieber, Kopf-/Gliederschmerzen.
> Behandlung: Erfolgt rein symptomatisch, da keine spezifischen antiviralen Medikamente zur Heilung existieren.

Andes greift Herz und Lunge an

Während europäische Hantaviren vor allem die Nieren schädigen, greifen die sogenannten Neuwelt-Hantaviren aus Amerika – zu denen der Andes-Typ zählt – Herz und Lunge an. Genau das macht sie so gefährlich.

"In der Lunge kann sich Flüssigkeit ansammeln, das Herz kann nicht mehr richtig pumpen", warnt Krammer. Typisch seien zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen und starke Müdigkeit.

Keine Panik in Österreich

Trotz der Schlagzeilen sieht der MedUni-Experte derzeit keinen Grund zur Sorge für Österreich. "Wenn man nicht auf dem Schiff war, glaube ich nicht, dass es ein Problem gibt", sagt Krammer.

Wer Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte, solle sich an die Behörden wenden und auf Symptome achten. Schutz bieten laut dem Experten dieselben Maßnahmen wie in der Pandemie: "FFP2-Masken helfen natürlich. Dazu Handhygiene und Abstand."

Die Diagnose erfolgt über Antikörpernachweise oder spezielle PCR-Tests in Referenzlaboren, erklärt der Virologe. In Österreich könne das etwa das Institut für Virologie übernehmen.

{title && {title} } kiky, {title && {title} } 14.05.2026, 08:26
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