Die anhaltende Hitze macht Kärntens Bauern immer größere Sorgen. Die Trockenheit hat mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das selbst erfahrene Landwirte nur selten erlebt haben. Auf mehreren Almen in Oberkärnten werden Wasser und Futter knapp. Die Folgen sind gravierend: Erste Betriebe bereiten bereits den vorzeitigen Almabtrieb ihrer Tiere vor, weil auf den Weiden kaum noch Gras nachwächst, berichtet der ORF.
Besonders angespannt ist die Lage auf der Griebitschalm in der Gemeinde Irschen auf knapp 2.000 Metern Seehöhe. Dort werden derzeit 49 Rinder versorgt. Doch selbst in dieser Höhenlage reicht das Wasser nicht mehr aus. Die vorhandenen Quellen führen nur noch wenig Wasser, weshalb bestehende Wasserstellen bereits neu gefasst werden mussten. Trotzdem bleibt die Situation kritisch.
Thomas Wuggenig, Obmann der Agrargemeinschaft, macht im ORF-Beitrag deutlich, wie ernst die Lage inzwischen ist. Sollte es in den kommenden Tagen nicht ausreichend regnen, müssten die Tiere vorzeitig zurück ins Tal gebracht werden. Für die Bauern wäre das ein außergewöhnlicher Schritt, denn normalerweise verbringen die Rinder deutlich länger auf den Almen.
Nicht nur das Wasser bereitet Probleme. Auch das Futter wird immer knapper. Die Wiesen sind vielerorts bereits vollständig abgeweidet, neues Gras wächst wegen der anhaltenden Trockenheit kaum noch nach. Was noch grün erscheint, beginnt bereits zu welken.
Besonders eindringlich beschreibt Senner Albert Brandstätter die Veränderungen auf der Alm. Der über 80-Jährige betreut dort die Milchkühe und erlebt nach eigenen Angaben eine Situation, wie er sie kaum kennt. "Es wird alles braun. Die Hügel sind alle abgeblasen vom Wind. Es wächst nichts nach. Das bisschen Grün, was da ist, wird welk. Und es wäre einfach so dringend notwendig, dass es regnet."
"Ich bin schon lange auf der Welt und habe viel erlebt. Aber ich glaube, so schlimm wie heuer, daran kann ich mich nicht erinnern. So lange Zeit und so trocken und so heiß, das ist schon sehr, sehr schwierig. Wenn man nur schaut, wie das Vieh herumläuft, sie suchen Gras und schattige Stellen."
Doch nicht nur auf den Almen kämpfen die Landwirte mit den Folgen der Dürre. Auch im Tal sind die Wiesen vielerorts ausgetrocknet. Dadurch fällt die Heuernte deutlich schlechter aus oder bleibt teilweise ganz aus. Das bedeutet, dass für den kommenden Winter auf zahlreichen Höfen nicht genügend Futter vorhanden ist.
Viele Betriebe sehen sich deshalb gezwungen, bereits jetzt zusätzliches Viehfutter einzukaufen. Das belastet die Landwirtschaft finanziell erheblich. Bernhard Tschernutter, der in Zlan Wagyu-Rinder züchtet, schildert die Situation so: "Wir haben jetzt schon viel zu wenig Futter und da sind die Weiden eigentlich alle ausgetrocknet. Und jetzt werden wir im Herbst schon zufüttern müssen, was wir in anderen Jahren nicht müssen."
Zwar hat sich Tschernutter gegen Dürreschäden versichert, ob und in welcher Höhe eine Entschädigung ausbezahlt wird, ist derzeit aber noch offen. Für viele Betriebe bleibt damit ungewiss, wie groß die finanziellen Folgen der außergewöhnlichen Trockenheit letztlich sein werden.
Auch die Landwirtschaftskammer rechnet mit zusätzlichen Belastungen. Nach ihrer Einschätzung könnten die Preise für Futtermittel zwischen 10 und 20 Prozent steigen. Um die Versorgung der Betriebe zu erleichtern, soll eine eigene Futtermittelplattform eingerichtet werden.
Pflanzenbaudirektor Erich Roscher empfiehlt den Landwirten bereits jetzt, die nächsten Wochen genau zu planen. "Wo bringen sie in naher Zukunft, wenn es einmal regnet, das Futter her, wie sind die Wiesen beieinander, kann man da noch mit etwas rechnen? Aber sie können auch ausweichen auf den Acker, Zwischenfruchtfutterbau ist da ein Thema. Das gilt es jetzt auch zu nutzen und Überlegungen anzustellen."
Noch gebe es laut Landwirtschaftskammer keine Hinweise darauf, dass Bauern ihre Tiere wegen der Futterknappheit verkaufen müssten. Dennoch stellt die anhaltende Dürre viele Höfe vor große Herausforderungen. Ohne ergiebige Niederschläge dürfte sich die Lage weiter verschärfen – sowohl auf den Almen als auch in den Tälern, wo bereits jetzt jeder Regentag sehnsüchtig erwartet wird.