Du wälzt dich von einer Seite auf die andere, die Gedanken drehen noch eine Ehrenrunde – und an Schlaf ist nicht zu denken. Wer solche Nächte kennt, probiert irgendwann fast alles aus. Neben Melatonin und klassischen Einschlafhilfen ist dabei in den vergangenen Jahren ein ungewöhnlicher Schlaftrend immer beliebter geworden: Gewichtsdecken.
Die schweren Decken sollen sich wie eine Umarmung um den Körper legen, beruhigen und für besseren Schlaf sorgen. Doch können ein paar zusätzliche Kilos im Bett tatsächlich einen Unterschied machen?
Gewichtsdecken sehen gewöhnlichen Bettdecken ähnlich, bringen aber deutlich mehr auf die Waage. Dafür sorgen etwa eingearbeitete Glasperlen oder andere schwere Materialien, die möglichst gleichmäßig verteilt sind. Die Idee dahinter nennt sich "Deep Pressure Stimulation": Der gleichmäßige Druck auf den Körper soll als angenehm und beruhigend wahrgenommen werden. Manche Menschen beschreiben das Gefühl tatsächlich wie eine feste Umarmung.
Dass dabei automatisch das Stresshormon Cortisol sinkt oder bestimmte "Glückshormone" ausgeschüttet werden, wie es in der Werbung teilweise heißt, ist allerdings nicht ausreichend belegt. Auch der genaue Mechanismus ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Die Antwort lautet: möglicherweise, aber nicht bei jedem. Die Forschung hat in den vergangenen Jahren interessante Hinweise geliefert. Eine Übersichtsarbeit aus 2024 untersuchte neun Studien mit insgesamt 553 psychiatrischen Patientinnen und Patienten. In mehreren Arbeiten verbesserten sich Schlafprobleme; besonders deutlich war der Effekt jedoch bei Angstsymptomen. Die Autoren betonen zugleich, dass die Studien klein und sehr unterschiedlich waren.
Auch bei Menschen mit Insomnie gibt es positive Ergebnisse. In einer randomisierten Pilotstudie mit 102 Erwachsenen verbesserte sich die subjektiv wahrgenommene Schlafqualität nach einem Monat mit Gewichtsdecke stärker als mit einer normalen Decke. Bei objektiven Schlafmessungen waren die Unterschiede allerdings weniger eindeutig.
Eine weitere Übersichtsarbeit kommt deshalb zu einem vorsichtigen Fazit: Bei Erwachsenen gibt es zunehmend positive Hinweise, die Qualität der bisherigen Studien schwankt jedoch deutlich.
Eine Gewichtsdecke kann also durchaus angenehm sein und manchen Menschen beim Entspannen helfen. Ein garantiertes Schlafmittel ist sie aber nicht. Vor allem sollte sie hartnäckige Schlafprobleme nicht einfach überdecken. Wer über längere Zeit kaum einschlafen kann, nachts ständig aufwacht oder tagsüber stark müde ist, sollte nach der Ursache suchen und gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen.
Auch deshalb, weil eine schwere Decke nicht jede Schlafstörung verbessert. Eine kleine Studie mit 26 Menschen mit Insomnie fand zwar Verbesserungen bei einigen Schlafparametern, gleichzeitig nahm der gemessene Apnoe-Hypopnoe-Index zu. Die Forschenden empfehlen deshalb, mögliche Schlafapnoe zu berücksichtigen.
Das zusätzliche Gewicht muss jederzeit problemlos vom Körper entfernt werden können. Wer körperlich nicht in der Lage ist, die Decke selbst wegzuschieben, sollte sie daher nicht ohne fachliche Rücksprache verwenden. Besondere Vorsicht ist auch bei Atemproblemen oder anderen Erkrankungen geboten, bei denen zusätzlicher Druck problematisch sein könnte. Für Babys und kleine Kinder sind schwere Decken ebenfalls keine Schlafhilfe zum Experimentieren.
Und dann gibt es noch einen simplen Punkt: Nicht jeder empfindet Druck als beruhigend. Während sich die einen darunter geborgen fühlen, bekommen andere ein beklemmendes Gefühl oder fühlen sich eingeengt.