Immer mehr Menschen wechseln aus anderen Berufen direkt ins Klassenzimmer. Bereits zwölf Prozent der zuletzt neu eingestellten Lehrkräfte waren Quereinsteiger – Studien sehen darin großes Potenzial, zeigen aber auch deutliche Schwächen bei der Unterstützung an den Schulen.
Seit 2023 können Personen mit einem fachlich passenden Studium und einschlägiger Berufserfahrung als Lehrer arbeiten und parallel ihre pädagogische Ausbildung absolvieren. Bezahlt werden sie dabei wie klassisch ausgebildete Lehrkräfte.
Untersuchungen in der Fachzeitschrift "Erziehung und Unterricht" zeigen, dass die Quereinsteiger in der Regel gute Voraussetzungen für den Lehrerberuf mitbringen. Der Wechsel erfolge meist nicht aus Unzufriedenheit mit dem bisherigen Job.
Vielmehr spiele der Wunsch eine wichtige Rolle, eine gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeit auszuüben. Die untersuchten Quereinsteiger trauen sich außerdem häufig zu, schwierige Situationen im Unterricht zu bewältigen, und zeigen eine hohe Bereitschaft, zu lernen und das eigene Handeln zu hinterfragen. Zusätzlich bringen sie Fachwissen und Erfahrungen aus ihrem früheren Berufsleben mit.
"Der Quereinstieg erscheint damit weniger als Notlösung zur Deckung des Lehrkräftemangels, sondern als potenzielle Ressource zur Erneuerung pädagogischer Professionalität", schreiben die Wissenschafterinnen Claudia Schneider und Sabine Zenz.
Die Forscherinnen warnen allerdings davor, den Quereinstieg lediglich als Mittel gegen den Lehrermangel zu betrachten. Werden Qualitätsstandards gesenkt, Ausbildungen verkürzt oder neue Lehrer nicht ausreichend unterstützt, könne eine Deprofessionalisierung des Berufs drohen.
Derzeit entspricht die berufsbegleitende pädagogische Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen einem Arbeitsaufwand von etwa einem bis eineinhalb Jahren Vollzeitstudium. Ein klassisches Lehramtsstudium dauert dagegen fünf beziehungsweise sechs Jahre.
Statt einer "temporären Krisenstrategie" sprechen sich die Wissenschafterinnen deshalb für einen dauerhaften Ausbildungsweg mit eigenem Profil aus.
Besonders beim Einstieg in den Schulalltag sehen Schneider und Zenz Verbesserungsbedarf. Die Begleitung der Quereinsteiger sei derzeit noch "vielfach unzureichend".
Hinzu kämen teilweise unklare Rollen und eine hohe Belastung bei der Verteilung der Unterrichtsstunden. Das könne für Demotivation sorgen.
Empfohlen werden deshalb verbindliche Unterstützungsangebote an den Schulen. Dazu könnten strukturierte Mentoringprogramme, gegenseitige Unterrichtsbeobachtungen, Lerncoachings sowie Reflexion im Rahmen von Lehrveranstaltungen an den Pädagogischen Hochschulen gehören.
Untersuchungen zeigen demnach: Je stärker solche Angebote genutzt werden, desto zufriedener fühlen sich die Quereinsteiger und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Lehrerberuf wieder verlassen.
Bei den übrigen Lehrkräften scheint das Modell mittlerweile weitgehend angekommen zu sein. Qualitative Interviews mit 17 Quereinsteigern aus Oberösterreich legen nahe, dass die Mehrheit der Kollegen die neuen Lehrer akzeptiert.
Skepsis oder Ablehnung habe es zu Beginn nur bei einem kleineren Teil gegeben, insbesondere bei älteren und erfahrenen Lehrkräften. Offene Konflikte oder Widerstand seien lediglich in Einzelfällen aufgetreten.
Auch das Bildungsministerium betrachtet Quereinsteiger mittlerweile als qualifizierte Lehrkräfte. Das Modell soll nun weiter ausgebaut werden.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) will den Quereinstieg künftig auch an Volksschulen ermöglichen. Ein entsprechendes Pilotprojekt, das Wiederkehr noch als Wiener Bildungsstadtrat angestoßen hatte, startet im Herbst in sein zweites Jahr.