In einem deutschen Volkswagen-Werk sollen künftig israelische Luftverteidigungssysteme produziert werden. Ein Investor übernimmt gemeinsam mit dem Land Niedersachsen den Standort in Osnabrück und will ihn zu einem Zentrum für die Rüstungsindustrie umbauen.
Damit wird erstmals ein deutsches Autowerk zu einem Rüstungsstandort. Als erstes Projekt ist die Produktion von Luftverteidigungssystemen des israelischen Iron-Dome-Herstellers Rafael vorgesehen.
Die Eckpunkte für die Übernahme wurden am Montag vereinbart. VW-Chef Oliver Blume sieht darin einen wichtigen Schritt, um dem Werk eine neue industrielle Zukunft zu ermöglichen.
Mehrheitlich übernommen werden soll das Werk vom auf Rüstungsprojekte spezialisierten Fonds Aurelius. Das Land Niedersachsen soll eine Minderheitsbeteiligung halten. Die genauen Details des Geschäfts wollen die Beteiligten in den kommenden Monaten ausarbeiten.
Für einen Großteil der Belegschaft bedeutet die Vereinbarung eine Perspektive. Von derzeit rund 1.800 VW-Mitarbeitern sollen etwa 1.200 langfristig am Standort weiterarbeiten können.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sieht darin auch eine Chance für die Region. Das Werk verfüge über große Erfahrung bei anspruchsvollen Aufgaben, während sich gleichzeitig die Sicherheitslage verändert habe.
"Deutschland und Europa müssen ihre Fähigkeiten stärken und unabhängiger werden. Niedersachsen will dazu beitragen, dass daraus Wertschöpfung und sichere Beschäftigung entstehen."
Rafael-Chef Yoav Tourgeman strebt eine langfristige industrielle Zusammenarbeit an. Die Technik zum Schutz Deutschlands und Europas soll dabei vollständig in Deutschland produziert werden.
Noch offen ist die Zukunft von rund 600 Beschäftigten. Laut VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wird daran gearbeitet, auch für den verbleibenden Teil der Stammbelegschaft eine Lösung zu finden.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner führt die nun gefundene Perspektive für das Werk auf die Zusammenarbeit von Belegschaft, Landesregierung, Betriebsrat und Gewerkschaft zurück. Gleichzeitig sieht sie Volkswagen weiterhin in der Pflicht.
"Der heutige Schritt eröffnet Chancen für den Standort, entbindet Volkswagen jedoch nicht von der Aufgabe, auch für die verbleibenden Beschäftigten verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen."
Volkswagen hatte bereits im Dezember 2024 beschlossen, die Produktion des T-Roc-Cabrios im ehemaligen Karmann-Werk in Osnabrück im Sommer 2027 einzustellen. Danach suchte der Konzern nach einer neuen Nutzung für den Standort.
Dabei war Insidern zufolge auch eine direkte Übergabe an den israelischen Rüstungskonzern Rafael geprüft worden. Ein solcher Verkauf kam jedoch laut einem Reuters-Bericht vom Juni wegen Bedenken des VW-Großaktionärs Katar nicht zustande.
Katar hat seine Beziehungen zu Israel anders als andere Golfstaaten nicht normalisiert und unterhält auch Kontakte zur radikalislamistischen Hamas.
Nun soll die Lösung über die Beteiligung des Landes Niedersachsen und des Fonds Aurelius erfolgen.
Rafael ist vor allem als Hersteller des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome bekannt. Der Konzern ist bereits in der deutschen Rüstungsindustrie vertreten.
Zu Rafael gehört in Deutschland unter anderem Dynamit Nobel Defence, das Panzerfäuste produziert. Mit dem Umbau des VW-Werks in Osnabrück soll die Rüstungsproduktion in Deutschland nun weiter ausgebaut werden.