Nach dem stundenlangen SPÖ-Krisengipfel und dem schrittweisen Rückzug Andreas Bablers spricht Wiens Bürgermeister Michael Ludwig über die Gründe für die Neuaufstellung seiner Partei. Innerhalb der SPÖ habe es einen deutlichen Wunsch nach einem Wechsel gegeben.
"Dem haben wir Rechnung getragen", erklärte der Wiener SPÖ-Landesvorsitzende am Montag gegenüber Medienvertretern. Er zeigte sich zufrieden, dass gemeinsam mit allen Landesparteichefs, der FSG, den SPÖ-Frauen und Parteichef Babler ein Weg für die künftige Aufstellung gefunden worden sei.
Hinter der Partei liegt ein langer Sonntag. Im Hotel Steigenberger berieten die neun Landesparteivorsitzenden gemeinsam mit Frauenchefin und Ministerin Eva-Maria Holzleitner, ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim über Bablers Zukunft.
Eine zentrale Rolle bei den weiteren Plänen spielt Finanzminister Markus Marterbauer. Dieser soll allerdings ausreichend Zeit für seine Genesung bekommen.
"Selbstverständlich wollen wir Rücksicht nehmen auf den Genesungsprozess von Markus Marterbauer", betonte Ludwig. "Politik ist wichtig, aber Menschlichkeit ist noch wichtiger."
Deshalb habe man sich für eine Lösung entschieden, bei der der Wechsel erst im kommenden Jahr erfolgen soll. Ludwig verwies zudem darauf, dass Marterbauer zu den beliebtesten Politikern Österreichs zählt.
Für den Wiener Bürgermeister steht dabei auch die Stabilität der Bundesregierung im Mittelpunkt. "Von daher gibt es keine Überraschungen für die Koalitionspartner auf Bundesebene."
Auch die Ambitionen von Medienmanager Gerhard Zeiler waren Thema. Ob dieser weiterhin versuchen werde, den SPÖ-Vorsitz zu übernehmen, wollte Ludwig nicht vorhersagen.
"Das obliegt ihm natürlich als Person. Nach den gestrigen Gesprächen halte ich das allerdings nicht für zweckmäßig. Es hat hier keine sehr starke Stimmung gegeben, die ihn unterstützen würde auf diesem Weg."
Ludwig würdigte gleichzeitig Zeilers berufliche Laufbahn: "Er ist ja jetzt erst vor Kurzem ausgezeichnet worden, auch in der USA. Er hat großartige Verdienste in der Medienwelt", sagte der Wiener Bürgermeister. Eine Funktion Zeilers innerhalb der SPÖ hält Ludwig jedoch für nicht realistisch.