Erstmals seit 21 Monaten hat Österreich im Juli 2026 wieder einen Überschuss im Warenhandel erzielt. Um 268 Millionen Euro wurden mehr Waren exportiert als importiert.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sieht darin ein wichtiges Zeichen für den heimischen Standort: "Österreich lebt vom Export. Erstmals seit 21 Monaten haben wir wieder einen Warenhandelsüberschuss erzielt. Das ist ein positives Signal", erklärte der Minister bei einem Besuch im Linzer Hafen.
Doch Hattmannsdorfer will sich auf den positiven Zahlen nicht ausruhen. Bereits kommende Woche wird er beim Treffen der EU-Handelsminister in Dublin einen neuen Vorstoß präsentieren. Unter dem Namen "Binnenmarkt Plus" sollen wirtschaftlich verlässliche Staaten enger an Europa gebunden werden. "Gerade in einer Welt, in der Handelsbarrieren zunehmen, braucht es ein klares Bekenntnis zum Freihandel und zu starken Handelspartnerschaften", sagt der Minister.
„Wir müssen bestehende Beziehungen festigen und neue Partner gewinnen. Deshalb setzen wir auf Binnenmarkt Plus: Wir wollen verlässliche Staaten enger an Europa binden und unseren Unternehmen neue Märkte öffnen.“Wolfgang Hattmannsdorfer Wirtschaftsminister (ÖVP)
Der Plan: Österreichische Unternehmen sollen ihre Produkte einfacher in Ländern wie Kanada, Südkorea oder Australien verkaufen können. Dafür sollen bürokratische Hürden fallen.
Ein Beispiel: Wird eine Maschine in Österreich geprüft und zugelassen, soll diese Prüfung künftig unter entsprechenden Vereinbarungen auch im Partnerland anerkannt werden. Teure Doppelprüfungen könnten damit wegfallen.
Auch bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen, bei digitalen Nachweisen und bei wichtigen Rohstoffen soll die Zusammenarbeit erleichtert werden.
Wie dringend Österreich neue Handelspartner braucht, zeigen aktuelle Zahlen. In den ersten sieben Monaten 2026 sanken unsere Exporte in die USA um 2,2 Prozent, jene nach China um 0,2 Prozent.
Besonders auffällig: Während Österreich Waren um 2,88 Milliarden Euro nach China verkaufte, kamen chinesische Produkte um satte 11,86 Milliarden Euro ins Land. Das ergibt ein Handelsminus von fast neun Milliarden Euro.
Deutlich besser läuft es mit anderen Partnern. Die Exporte nach Kanada stiegen um zwölf Prozent, jene nach Australien sogar um 22,2 Prozent. Singapur verzeichnete ein Plus von 45 Prozent.
Obwohl die Handelsbilanz im Juli erstmals wieder positiv war, steht Österreich für die ersten sieben Monate des Jahres weiterhin mit einem Defizit von 3,92 Milliarden Euro da.
Beim Besuch im Linzer Hafen zeigte sich jedenfalls, welche Bedeutung der internationale Warenhandel für Österreich hat. Dort wurden im Geschäftsjahr 2024/25 insgesamt 253.480 Standardcontainer-Einheiten umgeschlagen. Das ist ein Rekord und ein Plus von 28,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.