Ramadan lähmt Wiener Schule

Könnten nass werden – Schüler verweigern Schwimmkurs

Der Ramadan prägte den Alltag an Wiens härtester Brennpunktschule. Schüler stachelten einander zum Fasten auf – mit teils bizarren Folgen.
Newsdesk Heute
26.03.2026, 06:00
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Die vielleicht härteste Brennpunktschule Österreichs steht in Wien. Von den 390 Kindern der großen Mittelschule in der Brigittenau haben nur fünf (!) keinen Migrationshintergrund. 60 Prozent sind muslimischen Glaubens, Deutsch sprechen daheim nur 27 von ihnen.

Sozialarbeiter Sebastian steht dort vor großen Herausforderungen. Das Nachrichtenmagazin "Profil" begleitete ihn eine Woche lang bei seiner Arbeit. Dabei kommen erschütternde Zustände ans Licht.

Ein Erstklässler ist etwa der einzige Christ. Seine muslimischen Mitschüler machen sich über ihn lustig, heißt es, hängen ihm Schimpfwörter an und kombinieren seinen Namen mit "Schwein". Zwei Mädchen bringen eine andere Version – Sozialarbeiter Sebastian organisiert für die Beteiligten eine Mediation.

Einige Probleme gehen tiefer: Gerade im Ramadan prägt der Islam den Alltag massiv. Viele Kinder fasten täglich – einige bereits seit dem achten Lebensjahr – "das macht jeder in Syrien", erklärt ein Schüler.

Besonders junge Menschen können bei schwerer Arbeit das Fasten bleiben lassen: "Auch eine Schularbeit ist schwere Arbeit", versucht es Sebastian, stößt aber auf taube Ohren. Seine Schützlinge stacheln sie einander zum strengen Fasten auf, spezielle Handy-Apps vergeben Halbmonde als Leistungspunkte – wer fastet, gilt als stark.

Das führt – aus christlicher Sicht –  regelrecht zu bizarren Situationen: So wird von einzelnen Schülern sogar der Schwimmunterricht verweigert, "weil das Wasser die Lippen benetzen könnte", heißt es im "Profil"-Bericht. Die Folgen des Ramadan belasten den ohnehin schwierigen Schullaltag massiv: Kinder sind vor Hunger und Durst müde, ermattet und können sich kaum konzentrieren.

Zeitverschwendung

Dazu kommt noch, dass viele aufgenommene Flüchtlingskinder noch nie eine Schule besucht hatten. Widerstand gegen Bildung gibt es dabei teils nicht nur von den Eltern, sondern auch seitens der Kinder, wie der Fall eines 14-Jährigen exemplarisch zeigt.

Der Bursch war vor zehn Jahren nach Österreich geflüchtet, weder in der alten Heimat noch im türkischen Flüchtlingslager war er in einer Schule. An den Brigittenauer Standort wurde er erst im Februar versetzt, nachdem er immer wieder Lehrer beschimpft und den Feueralarm ausgelöst hatte. Auch das Jugendamt ist schon länger an ihm dran.

Im Unterricht kann er nicht ruhig sitzen, bekommt Kopfschmerzen, wenn er sich konzentrieren muss. Überhaupt sieht er Lernen als "Zeitverschwendung" an – er könne ja einfach ChatGPT fragen. Er hängt täglich 13 Stunden am Smartphone, oft bis weit nach Mitternacht.

Kleine Erfolge

Sebastian hat mit ihm zwei Ziele vereinbart: "Du machst weniger Probleme als in deiner alten Schule, und du schaffst den Aufstieg in die zweite Klasse." Das erste sei im Griff, doch der Abschluss wird schwer: "Wenn du noch einmal wiederholst, bist du 15 Jahre in der ersten Klasse", muss ihm der Sozialarbeiter klarmachen.

Draußen am nahen Handelskai ist der Bursch ebenfalls auffällig. Früher hatte er anderen Kindern Geld herausgepresst, um es im Boxautomat zu versenken. Jetzt gelobt er: "Damit habe ich aufgehört."

Warum? Seit ein Freund im Gefängnis von Mithäftlingen grün und blau geschlagen wurde, schreckt die Aussicht auf Haft ihn jetzt doch ab. Für den Sozialarbeiter sind das Fortschritte. Er hält fest: "Er ist zum ersten Mal so reflektiert."

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.03.2026, 06:00
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