Mit zusätzlichem Personal will die Regierung ab Herbst Schulen mit besonders schwierigen Bedingungen stärken. Doch noch bevor das Projekt startet, gibt es deutliche Kritik an der Umsetzung.
Rund 400 Volks- und Mittelschulen sollen durch den sogenannten "Chancenbonus" mehr Unterstützung erhalten – vor allem dort, wo viele Kinder mit schwieriger sozialer Ausgangslage lernen. Für Lehrergewerkschafter Paul Kimberger ist das grundsätzlich positiv: Es sei eine "schöne Sache", betonte er gegenüber der APA. Gleichzeitig schränkt er ein: "Es sind aber immer noch zu wenig, das kann nur ein erster Schritt sein. Viel mehr Schulen bräuchten dringend Unterstützung."
Kritik kommt vor allem an der Auswahl der Standorte. Besonders belastete Schulen seien teilweise nicht berücksichtigt worden, während andere zur Teilnahme gedrängt worden seien – obwohl das Programm eigentlich freiwillig ist. Zudem sorgen die regionalen Unterschiede für Unmut.
So entfällt ein Großteil der geförderten Schulen auf Wien: 228 von 400 Standorten liegen in der Bundeshauptstadt. Begründet wird das mit einem besonders hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund und schwierigen sozialen Bedingungen. In Niederösterreich hingegen erhalten nur 27 Schulen zusätzliche Mittel – was dort für politische Kritik sorgt. Aus der ÖVP wird dem Bildungsministerium vorgeworfen, Gelder einseitig nach Wien zu lenken.
Auch in anderen Bundesländern stößt die Verteilung auf Widerstand. Der Welser FPÖ-Bürgermeister Andreas Rabl kritisierte die Kriterien als nicht nachvollziehbar. "Wir können nicht zufrieden sein mit dem, was wir bekommen haben", sagte er in den "Oberösterreichischen Nachrichten".
In Vorarlberg sorgt zusätzlich eine Systemumstellung für Ärger. Dort ersetzt der Chancenbonus ein bestehendes Sozialindex-Modell. Vertreter der Lehrerschaft sehen darin sogar Verschlechterungen: Schulen mit großem Unterstützungsbedarf würden durch neue Kriterien plötzlich nicht mehr erfasst.
Neben der Verteilung gibt es auch Bedenken bei der Umsetzung. Einige Schulen hätten sich gegen eine Teilnahme gewehrt – etwa aus Sorge vor Stigmatisierung oder wegen des hohen bürokratischen Aufwands. "Darin empfinden viele Schulen keinen Benefit, sondern fühlen sich nur gegängelt", so Kimberger.
Größtes Problem bleibt jedoch das Personal. "Ich glaube, die große Ernüchterung wird ab April bei der Personalrekrutierung kommen", so Kimberger. Schon jetzt gebe es zu wenig Lehrkräfte sowie Fachpersonal wie Schulpsychologen oder Sozialarbeiter.
Auch die Erwartungen an das Projekt dämpft der Gewerkschafter. Verbesserungen im sozialen Bereich seien möglich, bei den schulischen Leistungen hingegen wohl weniger.