Es ist ein Bild, das viele Fußballfans kennen: Kameras schwenken über das Spielfeld, zoomen auf die Spieler – und plötzlich fallen sie auf. Lichte Stellen, Geheimratsecken, auffällig dünner werdendes Haar. Gleichzeitig berichten immer mehr Profis offen über Haartransplantationen. Die Vermutung liegt nahe: Hat das vielleicht mit den unzähligen Kopfbällen zu tun, die Fußballer im Laufe ihrer Karriere ausführen?
Die Vorstellung klingt logisch. Immerhin prallt der Ball beim Kopfball mit Tempo auf den Kopf – und das oft hunderte Male pro Saison. Doch genau hier gibt ein Experte Entwarnung.
"Die Haarwurzeln liegen relativ tief in der Kopfhaut und sind gut geschützt. Die Kräfte, die bei einem normalen Kopfball entstehen, reichen in der Regel nicht aus, um Haarausfall auszulösen", erklärt Remo Lageder, Schweizer Trichologe, im "20 Minuten"-Interview.
Ganz unproblematisch sind Kopfbälle dennoch nicht: In der Sportmedizin wird seit Jahren untersucht, welche Auswirkungen wiederholte Stöße auf den Kopf langfristig haben können – insbesondere auf das Gehirn.
Für die Haarpracht gibt es jedoch keinen Hinweis auf einen Zusammenhang. Laut Lageder ist es auch egal, ob du nur hobbymäßig gelegentlich spielst oder in der Profiliga kickst: "Auch bei Profis, die deutlich öfter und intensiver Kopfbälle trainieren, gibt es keine Hinweise darauf, dass das Haarausfall verursacht."
Auch der körperliche Stress, der mit intensivem Fußballtraining einhergeht, ist laut dem Experten kein Grund zur Sorge: "Sehr starker körperlicher oder psychischer Stress kann zwar vorübergehenden Haarausfall auslösen. Das betrifft aber nicht speziell Fußballer. Dazu bilden sich Haare in der Regel wieder zurück, wenn eine stressige Phase vorbei ist."
Wenn bei Fußballern die Haare ausfallen, liegt das meist an etwas anderem: "Der häufigste Grund bei Männern ist der erblich bedingte Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie", so Lageder. Studien zeigen, dass diese Form etwa 80 Prozent der Männer bis zum 70. Lebensjahr betrifft – oft macht sie sich aber schon viel früher bemerkbar.
"Dabei spielen Gene und Hormone eine zentrale Rolle", erläutert der Schweizer Trichologe. "Viele der Fußballer, die regelmäßig im Rampenlicht stehen, sind im Alter zwischen 20 und 40. Das ist genau die Phase, in der dieser Haarausfall häufig beginnt."