Wenn zu Pfingsten tausende junge Österreicherinnen und Österreicher zum "Tutto Gas"-Wochenende ins italienische Lignano strömen, wird auch Österreichs Polizei präsent sein – nicht mit Blaulicht und harter Hand, sondern als Vermittler. Erstmals entsendet das Innenministerium heuer gleich vier Polizistinnen und Polizisten an die obere Adria. Ihre Mission: übersetzen, beruhigen, helfen – und manchmal auch schlicht deeskalieren.
"Die Kollegen sind eine Brückenfunktion – sprachlich wie kulturell", sagt Paul Eidenberger von der Pressestelle des Innenministeriums (BMI) im "Heute"-Gespräch. Gerade wenn Alkohol im Spiel sei, brauche es oft Fingerspitzengefühl statt Eskalation. "Mit einer gesunden Portion Schmäh lässt sich vieles entschärfen."
Das österreichische Team reist bereits am Mittwochabend nach Italien. Noch bevor am Donnerstagabend die ersten Feiernden aufeinandertreffen, stehen Lagebesprechungen mit den italienischen Behörden am Programm. Danach beginnt ein Einsatz, der bis Sonntag dauern wird – und körperlich fordernd ist.
Denn in Lignano herrschen zu dieser Jahreszeit bereits sommerliche Temperaturen. Die österreichischen Beamtinnen und Beamten sind dennoch in voller Uniform und Ausrüstung unterwegs. "Das zerrt schon sehr an den Kräften." Dazu komme, dass Ruhezeiten oft nur theoretisch existierten: Immer wieder würden italienische Kolleginnen und Kollegen auch tagsüber anrufen, wenn Unterstützung gebraucht werde.
Dass heuer gleich vier statt wie bisher zwei österreichische Kräfte entsandt werden, hat genau damit zu tun: steigender Bedarf und hohe Belastung.
Zwei Zweierteams – jeweils Frau und Mann – werden heuer in Lignano im Einsatz stehen. Mit dabei ist ein Kärntner Polizist, der das Event seit Jahren kennt, vergangenes Jahr jedoch pausierte. Erfahrene Verstärkung kommt aus Oberösterreich und Wien. Eine weitere Kraft aus Kärnten wird zum ersten Mal dabei sein. Was alle eint: Sie sprechen Italienisch. Das ist die Grundvoraussetzung für den Einsatz.
Damit sind sie nicht nur eine Unterstützung für die italienischen Behörden, sondern auch für Touristen. Denn oft geht es weniger um klassische Polizeiarbeit als um Übersetzungsleistung in Ausnahmesituationen. Wer wurde bestohlen? Welche Behörde ist zuständig? Wo kann Anzeige erstattet werden? Gerade bei Delikten, die Touristen häufig treffen, seien die österreichischen Beamten ein wichtiger Anker.
Vergangenes Jahr etwa häuften sich Handydiebstähle am Strand. Viele Betroffene wussten nicht, wohin sie sich wenden sollten. Genau hier würden die österreichischen Polizisten helfen: "Die richtige Information an der richtigen Stelle."
Der Einsatz wirkt aber nicht nur nach innen, sondern auch nach außen. Das Innenministerium sieht darin zunehmend einen Imagegewinn für die Polizei. Denn in Lignano zeigen sich die Beamtinnen und Beamten nahbar, ansprechbar – und überraschend populär.
So populär, dass sie am berüchtigten Party-Wochenende längst zum beliebten Selfie-Motiv geworden sind.