Mit brisanten Aussagen hat am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess gegen einen mutmaßlichen Terroristen begonnen. Der 21-jährige Beran A. aus Ternitz steht im Verdacht, einen Anschlag auf ein Taylor-Swift-Konzert in Wien vorbereitet zu haben.
Vor Gericht zeigt er sich teilweise geständig und schildert offen seine damaligen Gedanken: "Ich war bereit für Dschihad und das waren die Orte, die ich besichtigen wollte. Ich habe auch die US-amerikanische Botschaft angeschaut. Dann habe ich mich für das Swift-Konzert entschieden."
Die Aussagen geben einen tiefen Einblick in die Radikalisierung des jungen Mannes. Er habe sich intensiv mit möglichen Zielen beschäftigt und verschiedene Anschlagspläne durchgespielt. Auch Ideen, mit einem Lkw in Menschenmengen zu fahren oder Giftgas einzusetzen, seien Thema gewesen. Über den Messengerdienst Telegram habe er Kontakt zu radikalen Kreisen gehabt, die ihn weiter angestachelt hätten. Ein Gesprächspartner habe ihm etwa das Nervengas Sarin als besonders "effektiv" empfohlen.
Konkret kündigte der Angeklagte schließlich eine "Operation" rund um das Konzert an. Sollte es mit der Bombe und den Chemikalien nicht rechtzeitig klappen, wolle er es "mit dem Messer machen." Den dafür nötigen Treueschwur legte er laut eigenen Angaben ab. "Ich hab TRTP hergestellt und wollte am 7. August probieren, das Sprengpulver von der Flüssigkeit zu trennen. Aber ich wurde dann verhaftet", sagte er vor Gericht.
Der Prozessauftakt sorgte auch optisch für Überraschung. Statt des im Internet inszenierten, bedrohlichen Bildes mit Sturmhaube und Macheten wurde ein nervös wirkender junger Mann in den Saal geführt. Laut Beobachtern wirkte er unsicher, schwitzte stark und musste bereits in der Mittagspause sein Hemd wechseln.
Neben dem geplanten Anschlag in Wien wird ihm auch ein Vorhaben in Dubai angelastet. Dieses hätte zeitgleich mit Attacken in Istanbul und Mekka stattfinden sollen. Gemeinsam mit seinem Komplizen Arda K. (21) drohen ihm nun bis zu 20 Jahre Haft.
In seinen Aussagen schilderte Beran A. auch persönliche Hintergründe. In der Schule sei er gemobbt worden, sprach von Depressionen und davon, sich zeitweise von einem "Dschinn besessen" gefühlt zu haben. In dieser Phase sei er immer tiefer in radikale Ideologien abgerutscht. Der radikale Islam habe ihm ein Gefühl von Stärke gegeben, den Attentäter von Wien habe er bewundert – "In der Schule war ich ein Opfer. Die Leute nannten mich Fettsack".
Auch in sozialen Netzwerken fiel er mit extremen Ansichten auf. Im Juli 2024 geriet er auf TikTok in Streit mit einem User um die Frage, ob man im Krieg Kinder und Frauen töten dürfe. Er vertrat die Meinung: "Wenn man aber mit einem Land verfeindet ist wie der IS mit Österreich, dann darf man da schon Anschläge machen." Notizen mit religiösen Parolen und Kampfvorbereitungen unterstreichen laut Gericht die Ernsthaftigkeit seiner Pläne.
Seine Verteidigerin versuchte, den Geschworenen den Menschen hinter den Taten näherzubringen. Der Angeklagte selbst distanzierte sich teilweise von seinen früheren Aussagen und bezeichnete manche Gedanken heute als "schwachsinnig". Der Prozess ist auf mehrere Tage angesetzt.